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Wie weiter mit dem öffentlichen Personennahverkehr in Thüringen?

Symposium im Museum

Montag, 28. August 2017, 11:24 Uhr
Wie weiter mit dem öffentlichen Personennahverkehr in Thüringen? Diese Frage stand am Vormittag im Mittelpunkt des 2. Nordhäuser ÖPNV-Symposiums, zu dem die Verkehrsbetriebe Nordhausen in das IFA-Museum eingeladen hatten…


Eröffnet wurde das Symposium durch die Geschäftsführerin der Verkehrsbetriebe, Gabriele Schuchardt. Gleiches tat der Geschäftsführer der VDV-Landesgruppe Sachsen/Thüringen, Matthias Scheidhauer.

Frau Schuchardt ging dann noch auf die Ergebnisse des ersten Symposiums aus dem Jahr 2013 ein. Zum größten Teil seien die damaligen Forderungen realisiert oder würden sich in der Realisierungsphase befinden. Was sich auch gezeigt habe: Diskrepanzen in der Erlössituation zwischen Städten und dem ländlichen Raum seien ähnlich groß wie vor vier Jahren. Während die Unternehmen in den Ballungsräumen hier schon an ihre Kapazitätsgrenzen stoßen, passiere jenseits dieser Räume eher das Gegenteil. Ob sich bis zum dritten Symposium in vier Jahren dann etwas ändert, das bezweifelte auch Michael Scheidhauer.

Moderiert wurde auch dieses Symposium von Maik Scholkowsky, der einleitend mal fragte, wer von den Gästen mit dem ÖPNV nach Nordhausen gereist war? Statt einer Antwort gab es nur Gelächter aus dem Auditorium.

Symposium im IFA-Museum (Foto: nnz) Symposium im IFA-Museum (Foto: nnz) Birgit Keller bei ihrem Referat

In ihrem Statement informierte Bürgermeisterin Jutta Krauth über das gut ausgebaute Straßenbahn- und Busnetz in der Rolandstadt. Man werde auch in Zukunft an diesen beiden Verkehrsmitteln festhalten. Gleichzeitig verwies sie auf das „Nordhäuser Modell“, also den Combino zwischen Nordhausen und Ilfeld.

Danach das Referat der zuständigen Ministerin Birgit Keller, die ihrerseits zuvor weitere herausragende Gäste zu begrüßen hatte, zum Beispiel mehrere Landtagsabgeordnete. Keller erinnerte an ihre Teilnahme an einer Verkehrskonferenz in der vergangenen Woche im Nordhäuser Landratsamt (wir hatten berichtet). Weitere Themenblöcke waren
  • der ICE von Berlin nach München mit all seinen Vorteilen,
  • die Weiterentwicklung des Thüringer Nahverkehrsplanes, die vor allem transparent gestaltet wird
  • der weitere Ausbau der Bahnstrecke zwischen Erfurt und Wolkramshausen
  • der weitere Ausbau der Mitte-Deutschland-Verbindung, hier vor allem die weitere Elektrifizierung dieser wichtigen Tangente
  • Weiterentwicklung des Nahverkehrs und die Verknüpfung mit dem Bahnverkehr
  • das Ziel eines landesweiten Verkehrsverbundes nicht aus den Augen lassen
  • weiterer Ausbau des barrierefreien ÖPNV. 2030 werden 30 Prozent der Thüringer das 80. Lebensjahr erreichen.
Danach forderte Birgit Keller Kommunen und Unternehmen auf, die Diskussion zu einem Bürgerticket weiter zu forcieren. Nach einer rechtlichen Studie soll in Stadt und Landkreis ein Pilotprojekt zum ticketlosen, Beitrag gestützten ÖPNV realisiert werden. Zu gut deutsch: Eine Zwangsabgabe aller Bürgerinnen und Bürger des Landkreises für den ÖPNV, egal ob sie den nutzen oder nicht. Die Diskussion dazu könnte sehr interessant werden.

Auf der Tagesordnung war nach diesem Statement die Diskussion zu finden. CDU-Oberbürgermeister-Kandidatin Inge Klaan zeigte sich sehr gespannt auf diese Diskussion und fragte, wie realistisch seien die gesetzlichen Veränderungen für das Bürgerticket? Dazu Keller: „Wir müssen erst einmal abwarten, bis die Ergebnisse der Studie vorliegen und mit ähnlichen Studien anderer Bundesländer vergleichen. Ich hoffe, dass die Umsetzung nicht erst im Jahr 2030 gelinge. Geld für das Bürgerticket sei im nächsten Doppelhaushalt 2018/19 nicht enthalten.“

Nach einer Kaffeepause folgten ein Impulsreferat zum ÖPNV im ländlichen Raum, eine Keynote zur Zukunft des ÖPNV zwischen Wirtschaft, Tourismus und Ausbildung sowie die Präsentation des Projekts „Muldental in Fahrt“.
Peter-Stefan Greiner
Autor: red

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