Beleuchtet
Oben oder unten?
Montag, 21. August 2017, 07:00 Uhr
In Thüringen ganz oben verkündet der Werbestempel auf den Postsendungen der Stadtverwaltung Nordhausen. Nach den Vorstellungen der Regierung des Freistaates rangiert der nördliche Landesteil jedoch weit unten, wenn es um die Förderung des Tourismus geht. Eine Glosse von Martin Roland...
Der Kulturausschuss stellte kürzlich resignierend fest: Der Südharz findet nicht statt. Wer noch Landkarten aus den DDR-Jahren zur Hand hat, hält es heute für einen schlechten Scherz wie aus Absurdistan:
Links von der Grenze durch den Harz und Thüringen, also im Westen, liegt Niemandsland, schlicht eine Terra Ingo-gnita. Ein weißer Fleck ziert den Rand, wo Wege, Straßen, Bahnstrecken, Orte und geografische Angaben fehlen. Äußersten Falls ist eine größere Stadt im westlichen Hinterland markiert.
Diese Scheuklappen-Optik des Arbeiter-und-Bauern-Staates entstand zwangsläufig aus der Sorge vor der Abstimmung mit den Füßen, nämlich der Abwanderung in die alte Bundesrepublik. Normale Landkarten hätten als Beihilfe zu Republikflucht dienen können. Wären Trabis und Wartburgs schon mit einem Navi ausgestattet gewesen, so hätte die Welt bei Benneckenstein und Ellrich aufgehört zu existieren.
In dem neuen Merian-Heft Thüringen ist Nordhausen auf einer zweiseitigen Karte zwar verzeichnet, aber es kommt in den 138 Seiten sonst nicht vor. Nur das Eichsfeld hat es mit dem Grenzlandmuseum in Teistungen in die mit oppulenten Bildern ausgestattete Ausgabe geschafft. Und am Südhang des Kyffhäusers wird das Panorama-Museum über den Bauernkrieg in Bad Frankenhäusen erwähnt. Unter Natur eine halbe Zeile über die Mittelgebirgsausläufer im Südharz, das ist schon alles. Wirklich enttäuschend!
Martin Roland
Autor: redDer Kulturausschuss stellte kürzlich resignierend fest: Der Südharz findet nicht statt. Wer noch Landkarten aus den DDR-Jahren zur Hand hat, hält es heute für einen schlechten Scherz wie aus Absurdistan:
Links von der Grenze durch den Harz und Thüringen, also im Westen, liegt Niemandsland, schlicht eine Terra Ingo-gnita. Ein weißer Fleck ziert den Rand, wo Wege, Straßen, Bahnstrecken, Orte und geografische Angaben fehlen. Äußersten Falls ist eine größere Stadt im westlichen Hinterland markiert.
Diese Scheuklappen-Optik des Arbeiter-und-Bauern-Staates entstand zwangsläufig aus der Sorge vor der Abstimmung mit den Füßen, nämlich der Abwanderung in die alte Bundesrepublik. Normale Landkarten hätten als Beihilfe zu Republikflucht dienen können. Wären Trabis und Wartburgs schon mit einem Navi ausgestattet gewesen, so hätte die Welt bei Benneckenstein und Ellrich aufgehört zu existieren.
In dem neuen Merian-Heft Thüringen ist Nordhausen auf einer zweiseitigen Karte zwar verzeichnet, aber es kommt in den 138 Seiten sonst nicht vor. Nur das Eichsfeld hat es mit dem Grenzlandmuseum in Teistungen in die mit oppulenten Bildern ausgestattete Ausgabe geschafft. Und am Südhang des Kyffhäusers wird das Panorama-Museum über den Bauernkrieg in Bad Frankenhäusen erwähnt. Unter Natur eine halbe Zeile über die Mittelgebirgsausläufer im Südharz, das ist schon alles. Wirklich enttäuschend!
Martin Roland
