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nnz-Interview: Größe, Neid und Oberzentrum

Mittwoch, 06. Oktober 2004, 09:04 Uhr
Nordhausen (nnz). Er eröffnet am kommenden Wochenende sein 16. Autohaus, hat Verantwortung für über 400 Mitarbeiter und Azubis. Er ging von Ost nach West. Die nnz hat sich mit Helmut Peter über seinen Drang nach Expansion, über seine Zukunft und auch über ein wenig Privates unterhalten …


nnz-Interview: Größe, Neid und Oberzentrum (Foto: nnz) nnz-Interview: Größe, Neid und Oberzentrum (Foto: nnz) nnz: Herr Peter, Sie eröffnen am kommenden Wochenende ihr nunmehr 16. Autohaus. Ist Ihr Drang nach Expansion nicht zu befriedigen?

H. Peter: Mittelfristig ist die Expansion der Peter-Gruppe jetzt erst einmal abgeschlossen. Wenn ich mittelfristig sage, dann denke ich da an einen Zeitraum von drei bis vier Jahren. Jetzt muß sich in den kommenden Monaten die innerbetriebliche Organisation der Mitarbeiter anpassen, es muß alles einfach eine Einheit werden. Da müssen Mitarbeiter auf Schulungen geschickt werden, andererseits geht es darum, sich der neu entstandenen Hierarchie einzuordnen. Vor allem bei den Nischenmarken Mitsubishi, Chrysler oder Saab ist das ein wenig schwieriger, diese Marken sind keine Selbstläufer, hier ist das Management auch nicht so ausgeprägt wie bei Mercedes Benz.

nnz: Warum muß man so groß werden? Hätte „eine Nummer kleiner“ nicht auch gereicht?

H. Peter: Der Hintergrund der Expansion ist schlicht und ergreifend die zu erreichende Effektivität des Unternehmens. Für die Marke Mercedes Benz muß man einfach pro Jahr 1000 Pkw, 400 Transporter und 200 Lkw verkaufen, um letztlich die Kostenseite voll im Griff zu haben. Trotz der gewachsenen Größe auch bei Mercedes Benz gehört mein Unternehmen zu den 30 Kleinsten in Deutschland. Ich persönlich bin aufgrund meiner jahrelangen Erfahrung im Geschäft der Meinung, dass ein A-Händler nur in dieser Betriebsgröße überlebensfähig sein wird. Und das beziehe ich auf alle Marken. So müssen wir zum Beispiel in meinen Peugeot-Betrieben jährlich 500 Neuwagen und 500 Gebrauchte absetzen.

nnz: Als einer von wenigen Unternehmern aus dem Osten sind Sie in den Westen gegangen. Warum dorthin?

H. Peter: Zum einen war es für mich eine persönliche Herausforderung. Zum anderen konnten wir in einen gestandenen Markt expandieren, wo junge Menschen nicht abwandern. Das ist vor allem langfristig sehr wichtig. Und zum anderen ist die Kaufkraft in Südniedersachsen, also in Osterode oder in Göttingen, eine völlig andere als zum Beispiel in Nordthüringen oder Sachsen-Anhalt. Mit unseren flexiblen Arbeitszeiten und dem Management in Nordthüringen haben wir auch in Niedersachsen große Chancen, um unser Unternehmen am Markt zu behaupten.

nnz: Wie können Sie das als alleiniger Geschäftsführer und Gesellschafter überhaupt noch händeln?

H. Peter: Ich bin zwar alleiniger Geschäftsführer, doch meine erste Leitungsebene besteht aus sechs weiteren Mitarbeitern, die seit Jahren in dem Unternehmen tätig sind. Sie leisten ebenso wie die anderen Mitarbeiter eine hervorragende Arbeit und sind neben den Centerleitern die wirkungsvollen Ansprechpartner und Entscheider in ihren Verantwortungsbereichen vor Ort. Auf elektronischem Wege stimmen wir uns täglich ab. Einmal pro Woche kommen wir alle zu einer Beratung zusammen.

nnz: Herr Peter, wenn Sie jetzt auf den Anfang zurückblicken, was haben Ihnen diese 14 Jahren gebracht?

H. Peter: Sie haben mir die Chance gegeben, mich selbst zu verwirklichen. Dafür habe ich teilweise einen hohen Preis gezahlt. In den 14 Jahren habe ich fast keinen Urlaub gehabt und habe mein Privatleben aufs Spiel gesetzt. Ein Unternehmen wie dieses zu führen, dass ist nicht nur ein großes Auto fahren, Schlips und Anzug tragen, das ist das Eingehen von persönlichen Risiken, das ist ein 14-Stunden-Tag, das ist auch das „Vergnügen“, fast immer auf ein Wochenende verzichten zu müssen. Was mir gegen den Strich geht, dass ist der immer stärker werdende Neidfaktor in der Gesellschaft. Der geht zum größten Teil immer davon aus, dass Menschen wie ich auf der Sonnenseite des Lebens stehen. Das ist nicht so. Diejenigen, die mich kennen, die wissen, dass ich eigentlich das geblieben bin, was ich in erster Linie immer war: Ein Mensch mit Schwächen und Stärken, aber auch ein Nordhäuser, der seine Heimatstadt liebt und ihr vielleicht in besonderer Form auch etwas zurückgeben kann, was er von ihr erhalten hat. Wie auch immer dieser Beitrag aussehen mag.

nnz: Wenn Sie in Richtung Zukunft schauen, wie sehen die nächsten zehn Jahre in Ihrer persönlichen Planung aus?

H. Peter: Im nächsten Jahr wird mein Sohn Andreas ins Unternehmen einsteigen, er war dann acht Jahre lang in der großen weiten Welt unterwegs. Nach Meinung seiner Mentoren ist er reif für eine Mitgeschäftsführerschaft. Ab dem Jahr 2007, also zu meinem 50. Geburtstag, wird Andreas das Tagesgeschäft übernehmen, ich selbst will mich dann um administrative Dinge kümmern. Dann will ich auch meinen Arbeitstag auf zehn Stunden zurückfahren und mal zwei Wochen am Stück nicht im Haus sein.

nnz: Worauf führen Sie den Erfolg Ihrer Unternehmensgruppe zurück?

H. Peter: Ich hatte und habe gute Berater, im Unternehmen gibt es keine Fluktuation und die Mitarbeiter der Geschäftsleitungsebene sind ortsgebunden. Bei mir hatten und haben Durchreisende in Richtung Osten keine Chance.

nnz: Sie haben – so zusagen am eigenen Leib - 14 Jahre wirtschaftlicher Entwicklung im Landkreis Nordhausen und in Nordthüringen miterlebt. Wie beurteilen Sie diese?

H. Peter: Fakt ist, die Nordregion war immer stiefmütterlich von Erfurt aus behandelt worden. Die Entwicklung nach 1990 war nicht anders. Für die Region entlang der Autobahn 4 gab es den Speck, für den Norden blieb der Rest übrig. Doch seit vier Jahren, mit der Vorbereitung auf die Landesgartenschau und mit dem Fertigwerden der A 38 entwickelt sich die Nordthüringer Region wesentlich schneller, vielleicht so schnell wie der Thüringer Rest. Durch die Verjüngung der Landesregierung, durch zwei Minister aus der Stadt Nordhausen, einen Staatssekretär, der der Fachhochschule sehr verbunden war und noch ist sowie durch einen Ministerpräsident aus dem Norden Thüringens sehe ich gute Chancen, die bestehenden Unternehmen zu erhalten, neue anzusiedeln und gleichzeitig den Tourismus zu entwickeln. Ich bin fest überzeugt, dass wir das „Tal der Tränen“ durchschritten haben.

Wichtig ist aber auch: Das Industriegebiet in der Goldenen Aue muß unter allen Umständen kommen. Von ihm wird eine Signalwirkung ausgehen. Und ich wünsche mir Lokalpolitiker, die sich weniger mit sich selbst beschäftigen, ich wünsche mir weniger Parteienklüngel, dafür die Fähigkeit von den Gewählten, Nordthüringen als Ganzes zu sehen und Nordhausen als das kleine regionale Oberzentrum. Wie man Ziele durchsetzen kann, das hat in den zurückliegenden Jahren zum Beispiel Dr. Bernhard Senft als Hauptgeschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Nordthüringen bewiesen.

Wir bedanken uns für das Gespräch
Autor: nnz

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