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nnz-interview mit Kai Buchmann

Jetzt ist es amtlich

Mittwoch, 26. Juli 2017, 10:45 Uhr
Die fünf Kandidaten stehen fest. Die nnz hatte über die Nominierungsveranstaltungen von vier Kandidaten ausführlich berichtet. Auch über deren Ziele und Vorstellungen zur Amtsausübung. Ein Fünfter nominierte sich selbst: Kai Buchmann. Mit ihm führten wir ein Interview...

Unterschriftenlisten abgegeben (Foto: nnz) Unterschriftenlisten abgegeben (Foto: nnz)
Kai Buchmann (rechts) hat am Vormittag mehr als 250 Unterstützer-Unterschriften bei Wahlleiter Thomas Joachimi abgegeben

Kai Buchmann

ist 41 Jahre alt, zweifacher Vater und lebt mit seiner Familie in Nordhausen. Hier ist er auch geboren und zur Schule gegangen. Das Abitur legte er am Humboldt-Gymnasium ab, eine dreijährige Bankkaufmannslehre in der Sparkasse und ein Studium der Betriebswirtschaft mit Ausrichtung Interkulturelles Management schlossen sich an. Schwerpunktfächer waren dabei Internationale Wirtschaft, Interkulturelle Wirtschaftskommunikation und Betriebswirtschaftliche Entscheidungsanalyse.

Nach dem Studium (mit Auslandssemester in Polen) kehrte Buchmann nach Nordhausen zurück, baute im BIC das Europäische Projektmanagement auf und wechselte 2013 an das Südharz Klinikum. Aktuell ist er hier Referent der Geschäftsleitung.

nnz: Herr Buchmann, Sie sind der parteilose Kandidat. Wie wollen Sie ohne jede politische Basis Politik für die Stadt betreiben?

K. Buchmann: Ich habe heute über 220 Unterstützungsunterschriften im Rathaus eingereicht, anstatt mich von einer Partei als Oberbürgermeisterkandidat aufstellen zu lassen. Es unterschrieben Nordhäuser von 18-88 Jahren und aus allen Schichten. Dafür bin ich sehr dankbar! Parteilos bedeutet für mich in diesem Fall eben auch, der einzige überparteiliche Oberbürgermeisterkandidat für Nordhausen zu sein.

Ein Oberbürgermeister steht nicht alleine da, sondern kann und muss sich auf Expertisen der Fachleute in der Verwaltung stützen. Überparteilich bedeutet auch, dass notwendige Mehrheiten im Stadtrat fraktionsübergreifend gewonnen werden können. Und fachlich fundiert ausgearbeiteten Beschlussvorlagen wird sich der Nordhäuser Stadtrat nicht verschließen.
2019 wird zudem ein neuer Stadtrat gewählt und vielleicht ändert sich dessen Zusammensetzung ja auch, wenn eine neue Wählergemeinschaft antritt, die den Weg über die Sammlung von Unterstützungsunterschriften wählt. Außerdem müssen im Tagesgeschäft nicht alle Entscheidungen eines Stadtoberhaupts mit dem Stadtrat abgestimmt sein.

nnz: Aber es gibt ja auch sehr angenehme Entscheidungen des Stadtrates. Wie die kürzlich Gehaltsfestlegung für den OBM zum Beispiel?

K. Buchmann: Ich war und bin gegen diese Erhöhung und werde im Falle meiner Wahl die Nettodifferenz zwischen beiden Gehaltsstufen monatlich für kleine Projekte spenden, die dringend Unterstützung brauchen. Ich könnte mir vorstellen, dass ein Kinder- und Jugendparlament der Stadt Nordhausen Vorschläge diskutiert, mir weiterleitet und somit erste Erfahrungen mit Finanzbudgets sammelt.

nnz: Sie sind erst im Jahre 2011 bei den GRÜNEN eingetreten und 2016 wieder ausgetreten. Wie kam es zu beiden Schritten?

K. Buchmann: Seit 2009 war ich als Parteiloser im Ehrenamt Sachkundiger Bürger für B90/ DIE GRÜNEN im Finanzausschuss. Die Nuklearkatastrophe von Fukushima war der Auslöser für mein parteiliches Engagement. Ich wollte auf lokaler Ebene dazu beitragen, dass so etwas bei uns nicht passieren kann. Das ist mit dem Atomausstieg in Deutschland erreicht worden.

Ausgetreten bin ich nach reiflicher Überlegung wieder, weil ich mit der Politik der Bundespartei in vielen Fragen angestrebter Verbote nicht konform gehe, weil die Landespolitiker eine von vornherein verkorkste Gebietsreform durchbringen wollen und weil ich auf lokaler Ebene eine große Machtlosigkeit der Partei empfunden habe.

nnz: Nun kandidiert ein Ex-CDUler für die GRÜNEN als OB-Kandidat. Hätten Sie da nicht doch selbst kandidieren können?

K. Buchmann: Mitglieder der Partei B90/ Die Grünen haben mir lange die Unterstützung des Kreis- und Stadtverbandes offen gehalten. Letztendlich habe ich mich aber für den Weg über die Unterschriftensammlung entschieden. Alles andere wäre unglaubwürdig gewesen.

nnz: Was unterscheidet Sie von Ihren Mitbewerbern?

K. Buchmann: Ich bin an keine Parteizwänge und -taktiken gebunden. Ich habe zwei schulpflichtige Kinder, was den Blick für Jugend und Bildung schärft und ich habe nach meiner Bankkaufmannslehre BWL/Interkulturelles Management in Jena studiert, was für die kommenden Aufgaben eines Oberbürgermeisters Gold wert sein kann. Ich denke auch, dass es einfach zu wenige Möglichkeiten gibt, die „Parteiendemokratie“ in unserem Lande „auszuhebeln“. Aber diese Wahl ist eine solche Chance.

nnz: Wenn Sie nicht auf die Weisheit der bürgerlichen Parteien bauen wollen, wie soll Ihre Demokratie aussehen?

K. Buchmann: Ich bin für mehr direkte Demokratie, für sachliche und fachliche Entscheidungen und ich bin auch für Bürgerbefragungen zu wichtigen und strittigen Themen. Es kann aber nicht sein, dass eine Bürgerbefragung im Nachhinein von der Verwaltung ignoriert wird, wie das bei der Namensfindung des Bürgerhauses der Fall war.

nnz: Sie sind Referent der Geschäftsführung im Südharz Klinikum. Wie stehen Sie zu den aktuellen Hotelbauplänen Ihres Arbeitgebers im Park Hohenrode?

K. Buchmann: Als Nordhäuser finde ich es gut, dass eine Diskussion zur realistischen Weiterentwicklung oder zum zukünftigen Nutzungskonzept des Park Hohenrode in Gang gesetzt wurde. Die mir bekannten Überlegungen und Entwürfe ermöglichen sicherlich einen wirtschaftlichen Hotelbetrieb, der den Tourismus im Stadtgebiet stärkt.

nnz: Was können Sie den Nordhäusern versprechen, wenn Sie gewählt werden sollten?

K. Buchmann: Ich bin ein Sohn dieser Stadt und werde mich mit großem Einsatz für ihr Wohlergehen, die Sicherheit und die Daseinsvorsorge für die Bevölkerung einsetzen. Nordhausen ist eine lebenswerte Stadt und diesen Status Quo möchte ich möglichst noch verbessern. So kann man in sechs Jahren viel erreichen, aber eben auch nicht alles aufarbeiten, was in den letzten 20 Jahren nicht getan wurde.

Ich will die Schnelligkeit in der Verwaltung erhöhen, indem Bürokratiehemmnisse abgebaut und sinnvolle Initiativen unterstützt werden. Fundiertes Fachwissen muss mehr gefördert und genutzt werden. Und ich werde meine Kernkompetenzen Wirtschaftsverständnis und Erfahrungen in internationaler Projektarbeit einsetzen, um den Wirtschaftsstandort Nordhausen zu stärken und die Industrieansiedlung im Industriegebiet anzukurbeln. Es geht um zählbare Ergebnisse.

nnz: Heiß diskutiert wird derzeit ein millionenschwerer Ausbau des Albert-Kuntz-Sportparks. Braucht Nordhausen so ein teures Stadion und wie sollen die Eigenmittel aufgebracht werden, wenn es auch noch eine neue Feuerwache zu bauen gilt?

K. Buchmann: Nordhausen ist eine Sportstadt und die Sanierung des Hartplatzes sowie der Kauf der Flutlichtanlage wurden kürzlich festgezurrt. Aber auch das Theater, einige Brücken, Straßen und Treppen gilt es zu sanieren. Ebenfalls sind der Lindenhof und das einstige Gaswerk Bereiche in der Stadt, die mit Leben erfüllt werden könnten. Ganz klar: Das Nordhäuser Sparschwein ist sehr dünn. Deshalb muss die Überdimensionierung einzelner spektakulärer Maßnahmen von vornherein ausgeschlossen sein.

Der Schlüssel für Investitionen ist eine gute wirtschaftliche Entwicklung in Nordhausen und die Belegung des Industriegebietes „Goldene Aue“. Es müssen unter anderem auch die Personalsituation im Rathaus und Möglichkeiten der interkommunalen Zusammenarbeit geprüft und gegebenenfalls angepasst werden. Durch das Aufbrechen verkrusteter Strukturen verspreche ich mir mehr finanziellen Spielraum, mehr Bürgernähe und mehr Innovation.

nnz: Viele der Bewerberaussagen im Vorfeld der Wahl ähneln sich. Wollen alle fünf OB-Kandidaten das Gleiche für die Stadt Nordhausen?

K. Buchmann: Tatsächlich liegen viele notwendige Maßnahmen klar auf der Hand und werden von allen erkannt. Die erfolgreiche Beendigung des Haushaltskonsolidierungsprozesses und das Füllen des Industriegebietes sind die großen Herausforderungen für die Stadt Nordhausen und natürlich den nächsten Oberbürgermeister. Unterscheiden wird sich die Herangehensweise und Prioritätenliste der einzelnen Bewerber, die oftmals von parteipolitischen Erwägungen geprägt sind.

nnz: Wenn Sie zum OB gewählt werden, wie sieht Ihre Liste der obersten Prioritäten aus?

K. Buchmann:
  • 1. Nordhausen bleibt Kreisstadt.
  • 2. Die schnellstmögliche Ansiedlung von Unternehmen im Industriegebiet.
  • 3. Wenn es uns gelingt, durch veränderte Strukturen neue finanzielle Spielräume zu schaffen, sollten mittelfristig die Grund- und Gewerbesteuern (wie in Suhl schon einmal geschehen) wieder gesenkt werden, denn die liegen in Nordhausen deutlich über dem Thüringenschnitt.
  • 4. Die Stadtverwaltung wird bürgerfreundlich, schnell, schlank, innovativ und ein attraktiver Arbeitgeber.
  • 5. Korruption wird aktiv bekämpft, Vorteilsnahme und –gewährung werden verhindert.
nnz: Vielen Dank für das Interview.
Autor: nnz

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