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BUND: Renaturierung als Alibi?

Freitag, 01. Oktober 2004, 10:35 Uhr
Nordhausen/Walkenried (nnz). Im niedersächsischen Walkenried fand vor einigen Tagen das Südharz-Symposium statt. Dabei ging es um die Renaturierung von Gipslagerstätten. Dazu eine Anmerkung des Nordhäuser BUND.


„Es täte der Gipsindustrie – dem größten Flächenverbraucher im Gipskarst in der Tat gut, einmal kritisch zu bilanzieren, wie weit Renaturierungen von Gipssteinbrüchen denn als »erfolgreich« bezeichnet werden können“, so Klaus-Dieter Korb vom BUND-Kreisverband Nordhausen. „Leider wurde aber das siebte Südharzsymposium in Walkenried »Renaturierung im Gips« nicht einmal ansatzweise dazu genutzt, einen Vergleich aufzustellen zwischen dem, was vor dem Abbau da war und dem, was nachher im Steinbruch zu finden ist“, so der Umweltverband. So wurden Steinbrüche z.B. wegen 28 gefundenen Schmetterlingsarten hochgehalten, aber verschwiegen, dass auf den ursprünglichen Trockenrasen mehrere hundert Schmetterlingsarten leben.

Das Pilotprojekt Rüsselsee sei von denselben Gipsfirmenvertretern gefeiert worden, die aktuell mit allen juristischen Tricks einen Gipsabbau im Anschluss an den Rüsselsee erzwingen wollen. Dass damit das Pilotprojekt zunichte gemacht wird, sei nicht nur der Betreiberfirma bekannt, wurde doch auch von den Referenten des Symposiums zumindest angemerkt, dass eine erfolgreiche Wiederbesiedlung der Steinbrüche nur funktioniere, wenn das Umfeld ausreichend intakte Natur besitze.

Mit der Äußerung des Vertreters der KVHS Osterode, dass „2/3 der Landschaft für den Abbau, 1/3 für den Naturschutz“ eine „gute Relation“ sei, wurde der eigentliche Hintergrund der Veranstaltung deutlich. Die angeblich erfolgreichen Renaturierungen sollen den weiteren Abbau der Landschaft und die Zerstörungen von Wanderwegen rechtfertigen. Vor diesem Hintergrund sieht der BUND Thüringen auch die Äußerungen der Veranstalter, Steinbrüche würden „Touristen anziehen oder begeistern“ und bezeichnet sie als „absurd“.

So habe Frau Brauner (Arbeitsgemeinschaft Karstwanderweg Südharz, Sachsen-Anhalt) mit einem Vortrag zu Tourismus auf dem Karstwanderweg auch klargestellt, dass der letzte Teil Ihrer Vortragsüberschrift „ … an der Nahtlinie zu Abbaustätten“ nicht mit Ihr abgesprochen sei und dass Sie auch nichts zur Thematik Gipsabbau sagen könne. Kein Wunder, denn in Sachsen-Anhalt existiert kein Gipsabbau.

„Etwas mehr Selbstkritik und ein wenig Offenheit zum Umdenken auf die bestehenden guten Alternativen zum Naturgipsabbau täten Veranstaltern und Referenten gut“, so der BUND und weiter: „Die wollen es aber anscheinend bis heute nicht wahrhaben, dass diese Landschaft nicht der Gipsindustrie gehört und dass ausschließlich die Gipskarstlandschaft im Südharz europaweit einmalig ist, nicht aber die Steinbrüche!“
Autor: nnz

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