Spurensuche nach B11 am Kohnstein
Was wurde aus dem Nazi-Großprojekt?
Freitag, 07. Juli 2017, 12:20 Uhr
Zeigt ein Kohnsteinfoto Häftlingsstollen des geheimen Nazigroßprojektes B11? Die Frage ist nnz-Autor von Tim Schäfer nachgegangen. Lassen Sie sich auf eine spannende Zeitreise mitnehmen...
Meine These: Ja, das Foto zeigt die letzten Reste des auch mit Häftlingseinsatz geschaffenen Untertageverlagerungsprojektes B11, welches noch im Mai 1944 gestartet worden war. Die abgebildeten Überreste stammen also offenbar tatsächlich vom B11 Bauvorhaben, stellen letzte Reste dar und sollten ebenso seinerzeit unter Einsatz von Zwangsarbeitern miterschaffen worden sein.
Nicht unbekannt, denn das Bahnschienen, Zugänge und Beräumungen durch Häftlinge aus dem KZ Mittelbau ausgeführt werden mussten, ist gut dokumentiert. Handelt es sich nicht um ein Denkmal? Denn die älteren Stollenanlagen bestanden ja schon vor der Einrichtung des KZ`s. Oder sollen diese Dinge unter dem Abraum des Bahnhofsgroßprojektes Stuttgart 21 für immer verschwinden?
Der Ausschnitt aus einem Plan zeigt die Kammerstruktur und auch die Zugänge, hier auf der fraglichen Abbildung sind es offenbar die Zugänge A-C oder ggf. auch B-D, eine genaue Einmessung kann hier weitere Aufklärung erbringen. Das kann gut anhand eines Planes vom 25. Mai 1944 des Architekten W. Fricke, FR B11/A Pause 17 (Geheime Reichssache) zugeordnet werden.
Originalplan des Architekten W. Fricke
Zu B 11 (1944) in ihrer Lage zum heute noch vorhandenen Stollensystem, das von der WiFo und später von den Mittel- und Nordwerken genutzt wurde. Gut zu erkennen ist die leitermäßige Struktur der Anlage mit insgesamt 90 Kammern á max. 65 Meter Länge, einer Kammerbreite von 12,5 Metern bei einer Höhe bis zur Kammersohle von 9,8 Metern, drei Haupterschließungsstollen, 13 Zugangsstollen (Gesamt). Zu erkennen ist, dass der rechte Teil für Eber- und links die Kuckuck-Anlage (Tarnbezeichnungen) vorgesehen war. Die nutzbare Fläche gesamt sollte rund 101 000 Quadratmeter betragen, davon waren 12 700 Quadratmeter Verkehrsfläche. Der Plan wurde offenbar bis zumindest 1947 verwendet, als Grundlage auch für die 1947 erfolgten Teilsprengungen diente.
12 solcher Sprengungen sind zwischen März und Juli des Jahres 1947 vermerkt. Zugänge gab es direkt auch über abgesicherte Bereiche der Ortschaft Niedersachswerfen im Bereich der Leipziger Straße. In der Nähe der ehem. Olmühle führte ein Zugang und eine Haupterschließung zum Grenzstollen. Direkt hinter der Zorge befand sich ein Stützpunkt der SS-Wachen. Heute noch sind Teile der SS Wachanlagen und des Zugangs gut zu finden.
Wie kam es zu B11? Die Gründung des Jägerstabes (später dann Rüstungsstab) 1944 setzte auf zum Teil vorhandene Planungen auf und entsprach dem Motiv in der Krise, sichere Gegenmaßnahmen gegen die weitere Zerstörung kriegswirtschaftlich wichtiger Anlagen durch alliierte Luftangriffe, vor allem der Flugzeugwerke wie Junkers, schnellstmöglich zu treffen sowie innovatives Kriegsgerät herstellen und versorgen zu können. Auch der Geilenberg-Stab hatte ähnliche Aufgabenstellungen.
Ab April 1944 sollten Ausbruchsarbeiten für eine neue Groß-Stollenanlage ausgeführt werden, die unter Leitung des SS-Führungsstabes erfolgten. Die bisherigen Anlagen wurden von den so genannten Mittelwerken (V1, V2), das war eine SS-Firma, genutzt. Im Kohnstein befanden sich zu diesem Zeitpunkt bereits große Kammeranlagen, geschaffen im Reichsauftrag durch eine Tochter des IG Farben Konzerns, Ammoniakwerk Merseburg GmbH, Gipswerk Niedersachswerfen, in denen die Nazis Häftlinge aus vielen Nationen dahinvegetieren und arbeiten ließen. Menschen, die als Material angesehen worden sind und durch Arbeit vernichtet werden sollten und wurden,
wie der heutige Gedenkstättenkomplex KZ Dora-Mittelbau bei Nordhausen sehr eindrucksvoll veranschaulicht.
B 11 wurde schließlich auf die Bedürfnisse des Programms Eber", dieses sah den Bau einer Sauerstoffverflüssigungsanlage im Berg vor, abgestimmt. Dazu kam das Programm Kuckuck, welches die Einrichtung eines großen Treibstoffwerkes von 240 000 Tonnen Treibstoff umfassen sollte. Beide Programme waren federführend von Carl Krauch geplant worden, der wohl zum wichtigsten Mann für Fragen der Chemie-Industrie im Dritten Reich avanciert war und vorher Manager der IG Farben AG war. Krauch war in die Geheimprojekte in Niedersachswerfen schon seit 1936 involviert. Die Kuckuck- und die Eber B11 Bau- Anlage konnte plangemäß über verschiedene Stolleneingänge erreicht werden, wobei auch Normalspurgleisanlagen im Grenzstollen, F-Stollen und G-Stollen installiert wurden. Eine Zufahrt über die Wüst-Gleisanlage vor Woffleben war geplant.
Anfang 1944 wurden in Vorgesprächen die Rahmenbedingungen für das neue Großstollenprojekt im Kohnstein abgeklärt. Die Neuanlage sollte im zwischen dem Notstollen, dem Grenzstollen und dem Fahrstollen A liegenden Gebirgsteil entstehen, die Grundplanung dazu wurde von der Wifo unter
Baurat Wehling erstellt. Im SS-Wirtschafts-Verwaltungshauptamt in Berlin wurde zwischen Dr.-Ing. Kammler, Prof. Dr. Hettlage vom Reichsministerium für Rüstung und Kriegsproduktion sowie SS-Leuten die Finanzierung der Bau- und Einrichtungsmaßnahmen für die Sonderbauvorhaben wie B 11 geklärt.
Die erforderliche Mittelbereitstellung erfolgte zwar durch den Reichsminister für Rüstung und Kriegsproduktion über einzurichtende Konten, die Beauftragung und Abrechnung sollte aber weitgehend den Bauleitungen vor Ort überlassen bleiben. Zwischenprüfungen übernahm die Preisprüfungsstelle der Amtsgruppe C im Wirtschafts-Verwaltungshauptamt der SS. Deren Chef war Dr. Kammler. Die Finanzierung dieser Bauvorhaben erfolgte also ausschließlich aus Reichsmitteln, und dazu wurde ein besonderes Konto Ni B 11 bei der Deutschen Länderbank AG Berlin eingerichtet. Der SS-Führungsstab B 11 forderte monatlich für das Bauvorhaben Ku I B 11 von der
Kontingent- und Rechnungsstelle der SS-Sonderinspektion die finanziellen Mittel an, die sich in der Größenordnung von sieben bis zehn Millionen Reichsmark bewegten. Die Anlage Kuckuck war auf 150 Millionen Reichsmark veranschlagt.
Nach als Geheim eingestufter Mitteilung der SS (wahrscheinlich SS-Obersturmführer Wagner) und des Gipswerkes Niedersachswerfen vom 27. April 1944 sollte bei Sicherstellung aller Arbeitskräfte und Gerätschaften am 1. Mai die Arbeit zum Großstollenprojekt B 11 von vier Orten aus beginnen.
Häftlinge stellte die SS aus dem Arbeitslager Mittelbau über die Arbeitseinsatzführung, also aus dem KZ Mittelbau zur Verfügung. Zusätzliche Kräfte wurden offenbar aus den Nebenlagern herangezogen, beispielsweise auch aus Ellrich per Bahn, pro Tag waren das ungefähr 800 bis 1000 Mann, die offenbar aber auch anderen Projekten zugewiesen worden sind.
Aus der Zeichnung der Benzinspaltanlage kann man mehrere Maschinenräume (Kammern), Kompressoren, Destillationsraum, Ofenhäuser, Pumpenhäuser, Kammern für Elektroversorgung, für Benzinwäschen und Reinigung, Mischhäuser, Wasseraufbereitung und Betriebsüberwachung erkennen. Nach einem Plan sollten die Kuckuck-Aggregate für die Treibstoffherstellung im Berg in der Vertikalen bis 15 Meter hoch und mit Steigleitung bei 39 Metern liegen, wobei offenbar die Produktleitung durch einen Kanal im Berg bis auf 60 Meter Höhe geführt werden sollte.
Vorgesehen waren u.a. Stollen für den Einbau von Büros und Sozialräumen, Küchen, Ambulanz sowie eine Anzahl Lagerstollen. Die erprobte Technologie des Ausbruches der Stollenanlagen sah vor, dass der Vortrieb an einer Arbeitsstelle von einem Sprengmeister, vier Bohrern, einem Baggerführer, einem Lokfahrer und Rangierer mit Hilfskräften im Akkordsystem durchzuführen war. Gearbeitet wurde in drei Schichten; in der ersten und zweiten Schicht wurde gebohrt und gesprengt und in der dritten Schicht das Haufwerk gefördert. Dieses System änderte sich, als genügend Angriffspunkte zur Verfügung standen.
Bei normalem Ablauf hatte eine Baggerbetriebsgruppe an drei Arbeitsstellen zur gleichen Zeit zu bohren, zu sprengen und das Haufwerk zu baggern. Eingesetzt waren unter Tage Diesellöffelraupenbagger mit dreiviertel Meter Löffelinhalt. Zur Aufnahme des Ladegutes standen 120 Stück Zwei-Meter-Muldenkipper und 180 Stück 2,5-Meter-Kastenwagen bereit, deren Anzahl sich noch erhöhte. Die Gleise waren auf Holzschwellen im Stollen verlegt. Sieben Dieselloks waren unter Tage und fünf Dampfloks über Tage eingesetzt. Später wurden Benzinloks verwendet. Der ungehinderte Wechsel der vollen und leeren Förderwagen konnte erst später innerhalb der Stollenlage stattfinden.
Bei der Ausführung des Auftrages leitete man die Förderung durch den Not- und Grenzstollen. Die Arbeiten in der Anlage kamen zeitlich unter Druck. Materialien konnten auf Grund der eingetretenen Verkehrssituation nicht rechtzeitig zugeliefert werden. Wegen eines Bauvorhabens im Geilenberg-Programm, mit dem das Ammoniakwerk beauftragt war, benötigte dieses laufend große Mengen Sprengmittel. Damit die Arbeiten unter keinen Umständen, etwa wegen Verzögerung oder Ausbleibens von Sprengmittellieferungen unterbrochen werden mussten, wurden Boten eingesetzt. In B 11 waren zu Kriegsende einige Aggregate eingebaut und auch die Erschließung weitgehend fertig. Einige Anlagenteile vom Ammoniakwerk Merseburg waren angeliefert und für den Einbau vorbereitet worden. Im Juni 1945 lagerten auch noch große Mengen Material in den Kammern wie Armaturen, Ventile, Motoren, Gerätschaften, Maschinen und große Mengen Hilfsstoffe. Diese konnten in großem Umfang dem Chemiewerk Leuna zurückgegeben werden. 1947 wurden etliche Zerstörungen von B11 durch Sprengung erreicht. Der Rest wurde zu DDR-Zeiten mit abgebaut, ging ein in das Wohnungsbauprogramm oder die chemische Industrie.
Tim Schäfer
Autor: redMeine These: Ja, das Foto zeigt die letzten Reste des auch mit Häftlingseinsatz geschaffenen Untertageverlagerungsprojektes B11, welches noch im Mai 1944 gestartet worden war. Die abgebildeten Überreste stammen also offenbar tatsächlich vom B11 Bauvorhaben, stellen letzte Reste dar und sollten ebenso seinerzeit unter Einsatz von Zwangsarbeitern miterschaffen worden sein.
Nicht unbekannt, denn das Bahnschienen, Zugänge und Beräumungen durch Häftlinge aus dem KZ Mittelbau ausgeführt werden mussten, ist gut dokumentiert. Handelt es sich nicht um ein Denkmal? Denn die älteren Stollenanlagen bestanden ja schon vor der Einrichtung des KZ`s. Oder sollen diese Dinge unter dem Abraum des Bahnhofsgroßprojektes Stuttgart 21 für immer verschwinden?
Der Ausschnitt aus einem Plan zeigt die Kammerstruktur und auch die Zugänge, hier auf der fraglichen Abbildung sind es offenbar die Zugänge A-C oder ggf. auch B-D, eine genaue Einmessung kann hier weitere Aufklärung erbringen. Das kann gut anhand eines Planes vom 25. Mai 1944 des Architekten W. Fricke, FR B11/A Pause 17 (Geheime Reichssache) zugeordnet werden.
Originalplan des Architekten W. Fricke
Zu B 11 (1944) in ihrer Lage zum heute noch vorhandenen Stollensystem, das von der WiFo und später von den Mittel- und Nordwerken genutzt wurde. Gut zu erkennen ist die leitermäßige Struktur der Anlage mit insgesamt 90 Kammern á max. 65 Meter Länge, einer Kammerbreite von 12,5 Metern bei einer Höhe bis zur Kammersohle von 9,8 Metern, drei Haupterschließungsstollen, 13 Zugangsstollen (Gesamt). Zu erkennen ist, dass der rechte Teil für Eber- und links die Kuckuck-Anlage (Tarnbezeichnungen) vorgesehen war. Die nutzbare Fläche gesamt sollte rund 101 000 Quadratmeter betragen, davon waren 12 700 Quadratmeter Verkehrsfläche. Der Plan wurde offenbar bis zumindest 1947 verwendet, als Grundlage auch für die 1947 erfolgten Teilsprengungen diente.
12 solcher Sprengungen sind zwischen März und Juli des Jahres 1947 vermerkt. Zugänge gab es direkt auch über abgesicherte Bereiche der Ortschaft Niedersachswerfen im Bereich der Leipziger Straße. In der Nähe der ehem. Olmühle führte ein Zugang und eine Haupterschließung zum Grenzstollen. Direkt hinter der Zorge befand sich ein Stützpunkt der SS-Wachen. Heute noch sind Teile der SS Wachanlagen und des Zugangs gut zu finden.
Wie kam es zu B11? Die Gründung des Jägerstabes (später dann Rüstungsstab) 1944 setzte auf zum Teil vorhandene Planungen auf und entsprach dem Motiv in der Krise, sichere Gegenmaßnahmen gegen die weitere Zerstörung kriegswirtschaftlich wichtiger Anlagen durch alliierte Luftangriffe, vor allem der Flugzeugwerke wie Junkers, schnellstmöglich zu treffen sowie innovatives Kriegsgerät herstellen und versorgen zu können. Auch der Geilenberg-Stab hatte ähnliche Aufgabenstellungen.
Ab April 1944 sollten Ausbruchsarbeiten für eine neue Groß-Stollenanlage ausgeführt werden, die unter Leitung des SS-Führungsstabes erfolgten. Die bisherigen Anlagen wurden von den so genannten Mittelwerken (V1, V2), das war eine SS-Firma, genutzt. Im Kohnstein befanden sich zu diesem Zeitpunkt bereits große Kammeranlagen, geschaffen im Reichsauftrag durch eine Tochter des IG Farben Konzerns, Ammoniakwerk Merseburg GmbH, Gipswerk Niedersachswerfen, in denen die Nazis Häftlinge aus vielen Nationen dahinvegetieren und arbeiten ließen. Menschen, die als Material angesehen worden sind und durch Arbeit vernichtet werden sollten und wurden,
wie der heutige Gedenkstättenkomplex KZ Dora-Mittelbau bei Nordhausen sehr eindrucksvoll veranschaulicht.
B 11 wurde schließlich auf die Bedürfnisse des Programms Eber", dieses sah den Bau einer Sauerstoffverflüssigungsanlage im Berg vor, abgestimmt. Dazu kam das Programm Kuckuck, welches die Einrichtung eines großen Treibstoffwerkes von 240 000 Tonnen Treibstoff umfassen sollte. Beide Programme waren federführend von Carl Krauch geplant worden, der wohl zum wichtigsten Mann für Fragen der Chemie-Industrie im Dritten Reich avanciert war und vorher Manager der IG Farben AG war. Krauch war in die Geheimprojekte in Niedersachswerfen schon seit 1936 involviert. Die Kuckuck- und die Eber B11 Bau- Anlage konnte plangemäß über verschiedene Stolleneingänge erreicht werden, wobei auch Normalspurgleisanlagen im Grenzstollen, F-Stollen und G-Stollen installiert wurden. Eine Zufahrt über die Wüst-Gleisanlage vor Woffleben war geplant.
Anfang 1944 wurden in Vorgesprächen die Rahmenbedingungen für das neue Großstollenprojekt im Kohnstein abgeklärt. Die Neuanlage sollte im zwischen dem Notstollen, dem Grenzstollen und dem Fahrstollen A liegenden Gebirgsteil entstehen, die Grundplanung dazu wurde von der Wifo unter
Baurat Wehling erstellt. Im SS-Wirtschafts-Verwaltungshauptamt in Berlin wurde zwischen Dr.-Ing. Kammler, Prof. Dr. Hettlage vom Reichsministerium für Rüstung und Kriegsproduktion sowie SS-Leuten die Finanzierung der Bau- und Einrichtungsmaßnahmen für die Sonderbauvorhaben wie B 11 geklärt.
Die erforderliche Mittelbereitstellung erfolgte zwar durch den Reichsminister für Rüstung und Kriegsproduktion über einzurichtende Konten, die Beauftragung und Abrechnung sollte aber weitgehend den Bauleitungen vor Ort überlassen bleiben. Zwischenprüfungen übernahm die Preisprüfungsstelle der Amtsgruppe C im Wirtschafts-Verwaltungshauptamt der SS. Deren Chef war Dr. Kammler. Die Finanzierung dieser Bauvorhaben erfolgte also ausschließlich aus Reichsmitteln, und dazu wurde ein besonderes Konto Ni B 11 bei der Deutschen Länderbank AG Berlin eingerichtet. Der SS-Führungsstab B 11 forderte monatlich für das Bauvorhaben Ku I B 11 von der
Kontingent- und Rechnungsstelle der SS-Sonderinspektion die finanziellen Mittel an, die sich in der Größenordnung von sieben bis zehn Millionen Reichsmark bewegten. Die Anlage Kuckuck war auf 150 Millionen Reichsmark veranschlagt.
Nach als Geheim eingestufter Mitteilung der SS (wahrscheinlich SS-Obersturmführer Wagner) und des Gipswerkes Niedersachswerfen vom 27. April 1944 sollte bei Sicherstellung aller Arbeitskräfte und Gerätschaften am 1. Mai die Arbeit zum Großstollenprojekt B 11 von vier Orten aus beginnen.
Häftlinge stellte die SS aus dem Arbeitslager Mittelbau über die Arbeitseinsatzführung, also aus dem KZ Mittelbau zur Verfügung. Zusätzliche Kräfte wurden offenbar aus den Nebenlagern herangezogen, beispielsweise auch aus Ellrich per Bahn, pro Tag waren das ungefähr 800 bis 1000 Mann, die offenbar aber auch anderen Projekten zugewiesen worden sind.
Aus der Zeichnung der Benzinspaltanlage kann man mehrere Maschinenräume (Kammern), Kompressoren, Destillationsraum, Ofenhäuser, Pumpenhäuser, Kammern für Elektroversorgung, für Benzinwäschen und Reinigung, Mischhäuser, Wasseraufbereitung und Betriebsüberwachung erkennen. Nach einem Plan sollten die Kuckuck-Aggregate für die Treibstoffherstellung im Berg in der Vertikalen bis 15 Meter hoch und mit Steigleitung bei 39 Metern liegen, wobei offenbar die Produktleitung durch einen Kanal im Berg bis auf 60 Meter Höhe geführt werden sollte.
Vorgesehen waren u.a. Stollen für den Einbau von Büros und Sozialräumen, Küchen, Ambulanz sowie eine Anzahl Lagerstollen. Die erprobte Technologie des Ausbruches der Stollenanlagen sah vor, dass der Vortrieb an einer Arbeitsstelle von einem Sprengmeister, vier Bohrern, einem Baggerführer, einem Lokfahrer und Rangierer mit Hilfskräften im Akkordsystem durchzuführen war. Gearbeitet wurde in drei Schichten; in der ersten und zweiten Schicht wurde gebohrt und gesprengt und in der dritten Schicht das Haufwerk gefördert. Dieses System änderte sich, als genügend Angriffspunkte zur Verfügung standen.
Bei normalem Ablauf hatte eine Baggerbetriebsgruppe an drei Arbeitsstellen zur gleichen Zeit zu bohren, zu sprengen und das Haufwerk zu baggern. Eingesetzt waren unter Tage Diesellöffelraupenbagger mit dreiviertel Meter Löffelinhalt. Zur Aufnahme des Ladegutes standen 120 Stück Zwei-Meter-Muldenkipper und 180 Stück 2,5-Meter-Kastenwagen bereit, deren Anzahl sich noch erhöhte. Die Gleise waren auf Holzschwellen im Stollen verlegt. Sieben Dieselloks waren unter Tage und fünf Dampfloks über Tage eingesetzt. Später wurden Benzinloks verwendet. Der ungehinderte Wechsel der vollen und leeren Förderwagen konnte erst später innerhalb der Stollenlage stattfinden.
Bei der Ausführung des Auftrages leitete man die Förderung durch den Not- und Grenzstollen. Die Arbeiten in der Anlage kamen zeitlich unter Druck. Materialien konnten auf Grund der eingetretenen Verkehrssituation nicht rechtzeitig zugeliefert werden. Wegen eines Bauvorhabens im Geilenberg-Programm, mit dem das Ammoniakwerk beauftragt war, benötigte dieses laufend große Mengen Sprengmittel. Damit die Arbeiten unter keinen Umständen, etwa wegen Verzögerung oder Ausbleibens von Sprengmittellieferungen unterbrochen werden mussten, wurden Boten eingesetzt. In B 11 waren zu Kriegsende einige Aggregate eingebaut und auch die Erschließung weitgehend fertig. Einige Anlagenteile vom Ammoniakwerk Merseburg waren angeliefert und für den Einbau vorbereitet worden. Im Juni 1945 lagerten auch noch große Mengen Material in den Kammern wie Armaturen, Ventile, Motoren, Gerätschaften, Maschinen und große Mengen Hilfsstoffe. Diese konnten in großem Umfang dem Chemiewerk Leuna zurückgegeben werden. 1947 wurden etliche Zerstörungen von B11 durch Sprengung erreicht. Der Rest wurde zu DDR-Zeiten mit abgebaut, ging ein in das Wohnungsbauprogramm oder die chemische Industrie.
Tim Schäfer

