Offensive gegen junge Ertrinkungsopfer
Donnerstag, 30. September 2004, 11:46 Uhr
Offensive gegen junge Ertrinkungsopfer (Foto: nnz)
In diesem Jahr sind bereits 23 Kinder im Vorschulalter der Kraft des Wassers zum Opfer gefallen. Im Vorjahr waren es sogar 31. In Thüringen bezahlte in diesem Sommer zum Glück kein Kind den nassen Freizeitspaß mit dem Leben. Die DLRG Ortsgruppe Hohnstein e. V. setzt auf Prävention durch das DLRG/NIVEA-Kindergartenprojekt.Kinder im Vorschulalter gehören nach wie vor zu den am meisten gefährdeten Risikogruppen in der Wasserfreizeit.
Zum Glück gibt es die Baderegeln. Genau die sind der Kernpunkt des DLRG/ NIVEA-Kindergartenprojektes: Die Vorschulkinder sollen mit viel Spiel, Spaß und durch eigene Aktivität die Baderegeln gelehrt bekommen. Dies soll sie auf Gefahren im und am Wasser aufmerksam machen und lehren, wie diese vermieden werden können. Die Kenntnis der Baderegeln ist eine wichtige Vorraussetzung zur Unfallprävention und soll die Zahl der jungen Opfer deutlich mindern.
Die Mitglieder der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft Ortsgruppe Hohnstein e. V. (siehe nnz-Archiv) aus Neustadt haben in ihrem Wirkungskreis noch kein Ertrinkungsopfer genannter Art zu vermelden. Grund dafür ist neben der zuverlässigen Durchführung des Rettungswachdienstes nicht zuletzt das DLRG/ NIVEA-Kindergartenprojekt, das die Ortsgruppe nun seit zwei Jahren aktiv und erfolgreich durchführt. Allein an den Aktionen in den Kindergärten haben die beiden Teammitglieder der OG, Ines Rahn und Manuela Jauer, rund 100 Kinder im Alter von fünf und sechs Jahren erreicht. Daneben gab es noch zahlreiche Veranstaltungen, zu denen die Gliederung Ausschnitte aus den Projektteilen vorstellten. Insgesamt kann man die Zahl der Kinder, die an Aktionen des Kindergartenprojektes beteiligt gewesen sind, auf 160 schätzen.
Eine besonders enge Zusammenarbeit verbindet die beiden mit dem Neustädter Kindergarten. Doch nicht nur hier, sondern auch in der Kindertagesstätte Wolkramshausen besuchten sie im letzten Jahr die Kinder. Zum Jahreshöhepunkt, dem Waldbadfest im Juli, halfen alle OG-Mitglieder, den jungen Nichtschwimmern das Einmal-Eins des sicheren Schwimmens beizubringen. Neben den Vorschulkindern aus Neustadt wollte in diesem Jahr auch die Kindertagesstätte in Ilfeld die DLRG bei sich begrüßen. Am 1. Juni beim Kinderfest in Neustadt durften die ehrenamtlichen Kindergärtner der Ortsgruppe natürlich nicht fehlen, und auch zum Waldbadfest 2004 wollten die jüngsten Gäste beschäftigt werden.
Neben den Elementen, die bei der Schulung zum Teammitglied bereits im Kindergartenprojekt enthalten sind, ergänzt die Ortsgruppe zu allen Veranstaltungen weitere Bewegungsspiele, Tauchtiere und eine Geschichte zu Vorlesen. Bei den kleinen Wasserhüpfern fanden jedoch die 15 Meter lange Folienrutsche, die Poolnoodeln, das Ausprobieren der Rettungsgeräte und natürlich das Kasperletheater den größten Anklang. Zu den Events, bei denen die Ortsgruppe Teile des Kindergartenprojektes vorstellt, hat sie auch für die größeren Kleinen stets etwas dabei. So gab es beispielsweise zum diesjährigen Waldbadfest ein Schlauchbootrennen, bei dem sogar Jugendliche gegen Erwachsene antraten.
Die Begeisterung über die Aktionen ist jedoch nicht nur bei den teilnehmenden Kindern groß, sondern auch Eltern und Erzieher zeigen sich sehr zufrieden. Die Eltern sind insbesondere von den Beschäftigungsmöglichkeiten im Wasser, der Folienrutsche und den gespielten Kinderliedern angetan. Es sei für die Kleinen von anderer Wichtigkeit und sie würden es anders aufnehmen, wenn die DLRG-Teammitglieder die Baderegeln erklärten. Die Wichtigkeit der Baderegeln erkennen sowohl die Eltern als auch die Erzieherinnen uneingeschränkt an. Neben der Begeisterung der Kinder empfanden letztere den Ideenreichtum, die Anschaulichkeit und die Zweckmäßigkeit des Kindergartenprojektes als vorteilhaft. Nicht zu vergessen sei auch die Tatsache, dass das Kindergartenprojekt auf rein ehrenamtlichem Engagement beruht.
Das wichtigste, der Lerneffekt, ist bei den Kindern durchaus erkennbar. Nach dem ersten Besuch der Teammitglieder im Kindergarten wussten die jungen Wasserhüpfer auch zur Fortsetzung im Waldbad noch die Baderegeln. Auch der Wiedererkennungseffekt ist deutlich. Die Kinder bringen die beiden ehrenamtlichen DLRG-Frauen klar mit dem Kindergartenprojekt in Verbindung. Viele erkannten die übrigen Mitglieder und die Fahne auf einer anderen Veranstaltung im Waldbad, ja sogar die Kollegen an der Ostsee konnte ein Kind im Urlaub zuordnen.
Traurig und nachdenklich stimmt dagegen die Tatsache, dass den Eltern im Vorfeld zum Kindergartenprojekt innerhalb der OG nicht bewusst war, dass Kinder im Vorschulalter die am meisten gefährdete Risikogruppe darstellen, wenn es um Ertrinkungsunfälle geht. Ein wenig tröstlich ist hingegen, dass die Erzieherin dies aus Zeitungen bereits wusste. Auch der berüchtigte Unfallort Gartenteich war ihr bekannt.
Es muss also hinsichtlich solch konkreter Tatsachen noch viel Aufklärungsarbeit durch die DLRG geleistet werden. Das Kindergartenprojekt kann hierbei ein wichtiges Element sein. Auf Elternabenden und zu Vorstellungen der DLRG im Vorfeld der Projektaktionen muss den Eltern verdeutlicht werden, wie gefährdet ihre Sprösslinge sind. Dies kann die Wichtigkeit des DLRG/ NIVEA-Kindergartenprofektes nur unterstreichen, insbesondere im Hinblick auf die bundesweite Ausbildungsoffensive 2005 der DLRG. Denn nur wenn Eltern und Erzieher erkennen, wie nötig und wichtig die Präventionsarbeit der DLRG ist, kann die Ausbildungsoffensive 2005 erfolgreich sein.
Die DLRG Ortsgruppe Hohnstein e. V. wird sich im kommenden Jahr mithilfe des Kindergartenprojektes an der Ausbildungsoffensive beteiligen. Die Resonanz bei den Eltern, den Erziehern und natürlich den Kindern treibt dieses Vorhaben noch voran. Ebenso wichtig ist die positive Resonanz in der lokalen Presse, die das Kindergartenprojekt besonders in diesem Jahr zu jeder Veranstaltung erfahren hat, auch in der nnz.
