NICHTS GEGEN EINEN VERNÜNFTIGEN HOTEL-KOMPROMISS, ABER:
Ein Glaspalast wäre Todesfalle für Vögel!
Sonntag, 09. Juli 2017, 09:58 Uhr
Es hört sich zunächst gut an: Hotel im Park Hohenrode. Ein moderner Glaspalast ist angedacht. Vier Sterne. Bäume sollen sich in der Glasfassade spiegeln. Stille, rauschender Blätterwald ringsum.
Auf der Wiese vor der Villa soll ein modernes Vier-Sterne-Hotel entstehen. Die Variante aus Glas würde die Optik des Parks total zerstören. (Foto: Kurt Frank)
Nordhausen. Bauen will es das Südharz-Klinikum. Als kommunales Unternehmen, argumentiert Klinikchef Guido Hage, könne das Krankenhaus zum Erhalt des Parks beitragen, den Hotelbedarf decken helfen und zugleich den eigenen für Tagungsräume. So schön sich das anhört, so zahlreich sind die Bedenken.
Apropos Glasfassaden. Sicher, das mit dem Glaspalast ist nur eine Vision von mehreren. Dennoch: Eine große Glaswand am Krankenhaus in Heiligenstadt erwies sich als Todesfalle für Vögel. Wie in einem Spiegel erblickten sie sich. Als vermeintliche Gegner gingen sie sich an. Die Gefahr nicht rechtzeitig erkannt, klatschten sie gegen das Glas und brachen sich das Genick. Zahlreich waren die Todesopfer.
Dank zahlreicher Proteste musste gegen den Widerstand des Direktors die gläserne Todeswand mit so genannten Senkrechtstreifen versehen werden. Dafür hatte sich vehement auch der bekannte Eichsfelder Ornithologe und Buchautor Wilhelm Roth eingesetzt. Er kennt Hohenrode. Auch dort wäre das ein Todesfall für die Gefiederten, ist er überzeugt.
Modern soll es werden im Park. Möglichst mit Glas und Stahl. Hohenrode ist jedoch eines der wenigen Refugien für die heimische Vogelwelt, wo sie sich noch geborgen fühlen kann. Nicht nur Ornithologen wissen: Glaswände sind des Vogels Tod. Gisela Hartmann als ehemalige Umweltamtsleiterin müsste das auch wissen und vehement gegen einen modernen Bau sein. Sagt Martin Taeger, ein bekannter und geschätzter Vogel -und Naturschützer im Landkreis.
Park und Villa stehen unter Denkmalschutz ist auf Informationstafeln zu lesen. Hohenrode muss als Naturensemble erhalten bleiben. Ohne moderne Bauten. (Foto: Kurt Frank)
Einen Park erhalten zu wollen, ist lobenswert. Jedoch darf modern Angedachtes den Park-Charakter nicht verderben. Das wäre ein Unding. Die alte ehrwürdige Villa, die man vielseitig nutzen könnte, umgeben von alten Baum-Kostbarkeiten – daneben dann Glas und Beton? Das passt nicht in dieses historische Ensemble. Hohenrode ist bundesweit die einzige in ihrer Gesamtheit erhaltene Siesmayer-Anlage und einzigartig, was sich an gründerzeitlicher Gartenarchitektur findet.
Richtig ist, dass der Förderverein allein es schwer haben wird, den Park zu erhalten. Das Angebot, helfen zu wollen, und Mut zur Vision in allen Ehren. Aber ein Prachtbau widerspricht nicht nur dem Denkmalschutz. Außerdem: Kommt das Hotel auf die vorgesehene Fläche, müssen auch stattliche Bäume fallen. Jeder wäre einer zuviel.
Geht es nicht bescheidener? Genügt nicht ein kleinerer Anbau, der sich harmonisch in die Villa einfügt, sie nicht überragt und der Natur des Areals entspricht? Ohne Glaswände und Schnickschnack? Generell ist doch nichts gegen einen Kompromiss zwischen der notwendigen Erhaltung des Parks und der Investition einzuwenden. Unerlässlich ist eine Variante, die allen Beteiligten, einschließlich Naturschutz, gerecht wird.
Das sieht auch Landrat Matthias Jendricke so. Er kann sich mit der Idee, ein Hotel bauen zu wollen, anfreunden. Das bekundete er in einem Gespräch mit der nnz. Es würde Stadt und Region aufwerten. Selbstverständlich müsse aber, was den Standort betrifft, sorgfältig geprüft und mit allen betreffenden Fachgremien gewissenhaft abgewogen werden, welche Variante dem Charakter des Parks am bestens entspricht.
Kurt Frank
Kommentare nur mit Klarnamen
Autor: red
Auf der Wiese vor der Villa soll ein modernes Vier-Sterne-Hotel entstehen. Die Variante aus Glas würde die Optik des Parks total zerstören. (Foto: Kurt Frank)
Nordhausen. Bauen will es das Südharz-Klinikum. Als kommunales Unternehmen, argumentiert Klinikchef Guido Hage, könne das Krankenhaus zum Erhalt des Parks beitragen, den Hotelbedarf decken helfen und zugleich den eigenen für Tagungsräume. So schön sich das anhört, so zahlreich sind die Bedenken.
Apropos Glasfassaden. Sicher, das mit dem Glaspalast ist nur eine Vision von mehreren. Dennoch: Eine große Glaswand am Krankenhaus in Heiligenstadt erwies sich als Todesfalle für Vögel. Wie in einem Spiegel erblickten sie sich. Als vermeintliche Gegner gingen sie sich an. Die Gefahr nicht rechtzeitig erkannt, klatschten sie gegen das Glas und brachen sich das Genick. Zahlreich waren die Todesopfer.
Dank zahlreicher Proteste musste gegen den Widerstand des Direktors die gläserne Todeswand mit so genannten Senkrechtstreifen versehen werden. Dafür hatte sich vehement auch der bekannte Eichsfelder Ornithologe und Buchautor Wilhelm Roth eingesetzt. Er kennt Hohenrode. Auch dort wäre das ein Todesfall für die Gefiederten, ist er überzeugt.
Modern soll es werden im Park. Möglichst mit Glas und Stahl. Hohenrode ist jedoch eines der wenigen Refugien für die heimische Vogelwelt, wo sie sich noch geborgen fühlen kann. Nicht nur Ornithologen wissen: Glaswände sind des Vogels Tod. Gisela Hartmann als ehemalige Umweltamtsleiterin müsste das auch wissen und vehement gegen einen modernen Bau sein. Sagt Martin Taeger, ein bekannter und geschätzter Vogel -und Naturschützer im Landkreis.
Park und Villa stehen unter Denkmalschutz ist auf Informationstafeln zu lesen. Hohenrode muss als Naturensemble erhalten bleiben. Ohne moderne Bauten. (Foto: Kurt Frank)
Einen Park erhalten zu wollen, ist lobenswert. Jedoch darf modern Angedachtes den Park-Charakter nicht verderben. Das wäre ein Unding. Die alte ehrwürdige Villa, die man vielseitig nutzen könnte, umgeben von alten Baum-Kostbarkeiten – daneben dann Glas und Beton? Das passt nicht in dieses historische Ensemble. Hohenrode ist bundesweit die einzige in ihrer Gesamtheit erhaltene Siesmayer-Anlage und einzigartig, was sich an gründerzeitlicher Gartenarchitektur findet.Richtig ist, dass der Förderverein allein es schwer haben wird, den Park zu erhalten. Das Angebot, helfen zu wollen, und Mut zur Vision in allen Ehren. Aber ein Prachtbau widerspricht nicht nur dem Denkmalschutz. Außerdem: Kommt das Hotel auf die vorgesehene Fläche, müssen auch stattliche Bäume fallen. Jeder wäre einer zuviel.
Geht es nicht bescheidener? Genügt nicht ein kleinerer Anbau, der sich harmonisch in die Villa einfügt, sie nicht überragt und der Natur des Areals entspricht? Ohne Glaswände und Schnickschnack? Generell ist doch nichts gegen einen Kompromiss zwischen der notwendigen Erhaltung des Parks und der Investition einzuwenden. Unerlässlich ist eine Variante, die allen Beteiligten, einschließlich Naturschutz, gerecht wird.
Das sieht auch Landrat Matthias Jendricke so. Er kann sich mit der Idee, ein Hotel bauen zu wollen, anfreunden. Das bekundete er in einem Gespräch mit der nnz. Es würde Stadt und Region aufwerten. Selbstverständlich müsse aber, was den Standort betrifft, sorgfältig geprüft und mit allen betreffenden Fachgremien gewissenhaft abgewogen werden, welche Variante dem Charakter des Parks am bestens entspricht.
Kurt Frank
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