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Betroffenheit erwünscht

Mittwoch, 29. September 2004, 17:23 Uhr
Nordhausen (nnz). Sonst zeigen Ausstellungen schöne Kunst, diese neu eröffnete in der Flohburg soll betroffen machen. Heute wurde „Opfer“, so der Titel, eröffnet. Welche Kunst dort zu sehen ist, das hat sich die nnz schon mal angesehen.

Betroffenheit erwünscht (Foto: nnz) Betroffenheit erwünscht (Foto: nnz)
„Wer will das schon sehen? Täglich diese Katastrophenmeldungen im Fernsehen, das stumpft ab.“ Diese Abstumpfung zu überwinden ist Zeil einer Ausstellung in der Flohburg, die vom 30. September bis 15. Oktober gezeigt wird. Der Titel „Opfer“ meint nicht etwa jene anonyme Personen von denen man in den täglichen Meldungen hört, sondern das Leid von Frauen und Kindern in der unmittelbaren Nachbarschaft.

15 Studenten setzten sich trotz anfänglicher Skepsis bezüglich der Akzeptanz des Themas mit den Opfern von Kriminalität auseinander. 40 Jugendliche hatten zuerst Interesse gezeigt an dem Projekt der Uni Weimar. Gemeinsam mit Professor Werner Holzwarth und Dozent Peter Gamper erstellten sie Poster, Objekte, Videofilme und Radiospots. Ein Teil davon ist jetzt zusehen.

In Nordhausen ist der Weiße Ring seit 1995 aktiv. Acht Menschen opfern einen Teil ihrer Freizeit um Opfern von Verbrechen beizustehen. Michael Bethke als ehrenamtlicher Leiter begrüßte die zahlreichen Eröffnungsgäste. Er berichtete, daß besonders die Zahl der Opfer von Kindesmißbrauch und sexueller Gewalt in den letzten neun Jahren stetig gestiegen ist. Seit vier Jahren gibt es auch eine Selbsthilfegruppe von Betroffenen. Das sei in Nordthüringen einmalig.

Thüringenweit baten rund 360 Menschen im ersten Halbjahr 2004 um Hilfe. 262 von ihnen bekamen auch finanzielle Unterstützung, 15 davon aus Nordhausen. Dafür wurden 76.000 Euro zur Verfügung gestellt. Mehr als 5.400 Stunden ehrenamtliche Arbeit leistete der Weiße Ring. 80 Tage verbrachten die 158 Mitarbeiter mit Weiterbildung. Die meisten Menschen finden die Arbeit der Opferhilfe gut. 920 Mitglieder ünterstützen mit mindestens 2,50 Euro monatlich diese Arbeit.

Neben der Hilfe für die Opfer soll auch Prävention betrieben werden. Deshalb organisieren die Mitarbeiter Vorträge und Veranstaltungen. Die heute in Nordhausen eröffnete Ausstellung „Opfer“ gehört dazu. Im März hatte sie in Erfurt Premiere. Bis November 2005 ist sie schon thüringenweit gebucht. Auch in Artern und Altenburg besuchten viele Schüler im Rahm,en des Ethik –Unterrichts die Ausstellung.
Autor: wf

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