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Nummer 252 wurde entschärft

Freitag, 10. August 2001, 16:56 Uhr
Nordhausen (nnz). Es war exakt 16.13 Uhr: Da hatte Rainer Döring den „Zünder 101“ in der Hand. Nordhausen konnte aufatmen. Ein tödliches Erbe aus dem zweiten Weltkrieg, das nur einen halben Meter tief in der Erde schlummerte, ist für immer unschädlich!


Die Nummer 252 ist jetzt ungefährlich. 252 mal das gleiche Prozedere in der Rolandstadt. Bombe gefunden, Begutachten, Festlegen der Sperrmaßnahmen, Evakuierung, Entschärfung. Man könnte fast meinen, die Nordhäuser hätten eine Art Routine entwickelt. Nein, vor allem die alten Nordhäuser werden in solchen Stunden zurück zu ihren Erinnerungen an jene Tage im April 1945 geholt, als die Stadt fast gänzlich in Schutt und Asche versank.

Das Stück mit der Nummer 252 war eine Bombe amerikanischer Bauart, abgeworfen von einem britischen Bomber. Sie war den beiden Experten Dieter Volkmann und Rüdiger Kaltbach sowie Sprengmeister Rainer Döring bestens bekannt. Und trotzdem: es ist jedes Mal eine Herausforderung, eine Kombination von Fingerspitzengefühl, Erfahrung und Routine. Präzise wurde der mechanische Zünder herausgeschraubt, das Werk war getan. Die 3.800 Nordhäuser, die zeitweise ihre Wohnungen verlassen mussten, konnte zurückkehren. Die 85 eingesetzten Kameraden der Feuerwehren fuhren mit ihren Fahrzeugen zurück in die Depots. „Schicht“ auch für einige Kollegen der Rettungsdienste und des Katastrophenschutzes.

Doch wie lange? Das weiß keiner. Karten, die den Thüringer Bombenexperten aus Archiven in London zur Verfügung gestellt wurden, können immer nur annähernd Aufschluß über weitere Blindgänger geben. Also heißt es auch in den kommenden Jahr in Nordhausen: Immer schön vorsichtig buddeln.
Autor: nnz

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