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Geheimplan Südharz oder: Wer mit wem? (2)

Dienstag, 28. September 2004, 08:03 Uhr
Nordhausen (nnz). Im ersten Teil dieses Beitrags hatte die nnz gestern auf Notwendigkeiten einer kleinen Gebietsreform aufmerksam gemacht. Jetzt soll das an einigen Beispielen erläutert werden.


Im Landkreis Nordhausen gibt es kommunale Entscheider, die eigentlich immer nur jammern und weiter wurschteln, so beschreibt der Bürgermeister der Einheitsgemeinde Hohenstein, Martin Höche, derzeit die Szenerie. Das Nachdenken über Möglichkeiten der Kostenoptimierung, sprich Senkung, komme da viel zu kurz. „Wir müssen uns vergegenwärtigen, daß wir im 21. Jahrhundert angekommen sind“, meint Höche im Gespräch mit der nnz.

Wie an alten Zöpfen oder Gewohnheiten festgehangen wird, das hat Höche in den zurückliegenden Monaten selbst erfahren. Nicht beim Diskutieren über Gemeindezusammenschlüsse, sondern bei der Schaffung effektiverer Strukturen in den Wasser- und Abwasserzweckverbänden. Aus dem Wasserverband Nordhausen will Höche als Verbandsvorsitzender eine GmbH machen und dieses Gebilde mit den zahlreichen Abwasserverbänden „fusionieren“. Widerstand gab und gibt es vor allem in den kleinen Mitgliedgemeinden. Man fürchtet die Aufgabe von Einfluß auf Entscheidungen, vielleicht auch die der eigenen politischen Daseinsberechtigung. Mehr denn je spürte Höche die „Hartleibigkeit“ von Bürgermeistern, die sich von den alten Zöpfen, die sich Strukturen nennen, nicht trennen wollen.

Doch nicht nur bei den Verbänden muß es zu neuen Strukturen kommen, auch bei den Kommunen. Die Verwaltungseinheiten müssen unbedingt größer werden. Ob der moderne Mensch im Landkreis Nordhausen nun in einer Einheitsgemeinde oder in einer Verwaltungsgemeinschaft wohnt, das interessiert ihn nicht wirklich. Ihn interessiert eher, ob die jeweilige Struktur noch bezahlbar ist, auch von ihm. Zurück zu Martin Höche. Die Aufgabe der Struktur der Einheitsgemeinde Hohenstein wäre für ihn kein Problem, wenn er auch nur einen Meter Grenzlinie mit der Stadt Nordhausen habe. „Dann würde ich schon im Nordhäuser Stadtrat sitzen“, so seine Devise. Der Radikale aus dem Nordwesten des Landkreises muß so denken, schließlich macht auch ihm die schwindende Einwohnerzahl in Hohenstein schwer zu schaffen. Unter 3.000 ist die gerutscht, im Jahr 1994 wohnten in Mackenrode & Co. noch 3.137 Frauen und Männer.

Mit einem Schwund haben auch viele andere Kommunen im Landkreis Nordhausen zukämpfen. Bleicherode hat in den zurückliegenden zehn Jahren über 1.000 Einwohner verloren, in Nordhausen waren es fast 4.000, 300 in der Verwaltungsgemeinschaft Hainleite, ebensoviele in Sollstedt. Wohnten im gesamten Landkreis Nordhausen Ende 1994 noch 102.405 Menschen, so waren es Ende 2003 nur noch 95.620. Das bedeutet in dieser Dimension neben einer schwindenden Kaufkraft vor allem weniger Geld vom Land. Der Rückgang wird sich in den kommenden Jahren weiter fortsetzen, vor allem kleine Verwaltungsgebilde erhalten weniger Geld als die Großen.

Viereinhalb Jahre will Martin Höche im politischen und im Verwaltungsspiel noch mitmischen. Für ihn jedoch ist das Jahr 2006 eine magische Zahl, da werden wieder viele Bürgermeister gewählt und dann sei vielleicht auch das Ende der Verwaltungsgemeinschaften (VG) gekommen. Deren Chefs sind ja eigentlich jetzt schon machtlos, sie können das mehr oder weniger kleine Übel nur noch verwalten. In der VG „Südharz/Hohnstein“ wird dann auch der Luxus eines hauptamtlichen Bürgermeisters für Niedersachswerfen – trotz einer Einwohnerzahl jenseits der 3.000er Marke – Geschichte sein. Eine Neuordnung wird anstehen. Ob die Gemeinde Niedersachswerfen bereits an das Nordhäuser Rathaus angeklopft hat, kann nicht genau gesagt werden, fakt ist aber, andere Kommunen der VG haben es getan. Nur lukrativ sei das alles nicht für Nordhausen, die würden neben ihren Einwohnern natürlich auch jede Menge Schulden mitbringen, war aus dem Nordhäuser Rathaus zu hören.

Lukrativ wäre eine kommunale Ehe wohl eher mit Hohenstein, deren Bürgermeister Höche sagte, daß er bei einer Hochzeit immer der jenige Partner sein werde, der weniger Schulden als Mitgift einbringen würde. Nur – es gibt zwischen Nordhausen und der „Mackenröder Grafschaft“ keine Verbindung. Jedenfalls solange, wie Mauderode zur Einheitsgemeinde Werther gehört.
Autor: nnz

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