Wunschkandidat im Urlaub gefunden?
Freitag, 10. August 2001, 11:08 Uhr
Nordhausen (nnz). Auch kommunale Politiker sind eigentlich nur Menschen. Wie Sie und ich benötigen auch Land-, Kreis- oder Stadträte ab und zu mal eine Verschnaufpause. In seinem Urlaub hatte auch Landrat Joachim Claus (CDU) viel Zeit zum Entspannen und Nachdenken.
Kaum zurück in sein Hoheitsgebiet wurde er wieder mit vielen Unannehmlichkeiten konfrontiert. Da schwelt der Streit im Rettungsdienstzweckverband auf der einen Seite, oder die Abwicklung der EGN auf der anderen ruft die zänkischen Sozialdemokraten in die Stellung. Doch Joachim Claus dachte im Urlaub auch über seine künftigen Kollegen in der Führungsetage des Landratsamtes nach. Wir erinnern uns: Am 21. August sollen die hauptamtlichen Beigeordneten gewählt werden. Als klare Favoriten gelten immer noch Loni Grünwald (PDS) und Matthias Jendricke (SPD).
Dem Landrat gebührt bei einem solchen Wahlakt eine Sonderstellung. Er kann als Ausschreiber von seinem Vorschlagsrecht Gebrauch machen. Was er im vergangen Jahr nicht tat, das hat er sich im Urlaub vorgenommen. Joachim Claus wird einen (oder zwei?) Kandidaten am 21. 8. 01 vorschlagen. Nach nnz-Informationen wird ein Wunschkandidat Winfried Theuerkauf (SPD) sein. Theuerkauf regiert seit der letzten Kommunalwahl an der Seite von Claus als ehrenamtlicher Beigeordneter, vertrat Claus jetzt in dessen Urlaub.
Theuerkauf sei zwar sehr streitbar, was aber für Joachim Claus wichtiger ist, er sei ein verlässlicher Partner. Der Sozialdemokrat hat sich für einen Beigeordnetenplatz beworben, was allerdings nicht halb so viel Überraschung in der SPD hervorrief wie die unangekündigte und nicht abgesprochene Kandidatur von Hubert Rein. Also könnte man schlussfolgern, die Kandidatur von Theuerkauf sei als eine Ersatzvariante für Jendricke abgesprochen gewesen.
Die CDU-Fraktion im Kreistag reibt sich indessen die Hände. Die Christdemokraten wissen, dass sie keinen ihrer Lieblingskandidaten durchbringen können, solange die rot-rote Koalition halten wird. Aber sie werden wohl eher Theuerkauf, denn dem ungeliebten, weil stets aufsässigen, Jendricke ihre Stimmen geben. Schlimmstenfalls könnte für Rot-Rot ein ähnliches Wahldesaster herauskommen wie im Jahr 1994. Um das zu verhindern, werden die beiden Fraktionen in Probeabstimmungen ihre Taktik festlegen und alle möglichen Varianten durchspielen müssen. Dazu gehört auch der kurzfristige Verzicht Theuerkaufs auf eine Kandidatur. Vollzähligkeit am 21. August ist da natürlich eine der grundlegenden Voraussetzungen für einen Wahlsieg.
Doch auch nach der vermutlichen Wahl von Jendricke oder Grünwald wird für beide Gewählten eine Zeit der Ungewißheit folgen. Konkurrentenklagen der Unterlegenen seien nicht ausgeschlossen, heißt es bereits heute im Landratsamt, denn so richtig sollen die beiden Fraktions-Kandidaten die geforderten und bereits herabgesetzten Kriterien auch diesmal nicht erfüllen.
Apropos Vorschlagsrecht: Landrat Joachim Claus will mit seinem Vorschlag nicht hinter den politischen Berg halten. Am Montag will er ihn dem Ältestenrat verkünden. So gespannt kann man also auch nicht mehr sein, denn selbst der Urlaub eines Landrates hat für die Medien sein Gutes.
Peter-Stefan Greiner
Autor: nnzKaum zurück in sein Hoheitsgebiet wurde er wieder mit vielen Unannehmlichkeiten konfrontiert. Da schwelt der Streit im Rettungsdienstzweckverband auf der einen Seite, oder die Abwicklung der EGN auf der anderen ruft die zänkischen Sozialdemokraten in die Stellung. Doch Joachim Claus dachte im Urlaub auch über seine künftigen Kollegen in der Führungsetage des Landratsamtes nach. Wir erinnern uns: Am 21. August sollen die hauptamtlichen Beigeordneten gewählt werden. Als klare Favoriten gelten immer noch Loni Grünwald (PDS) und Matthias Jendricke (SPD).
Dem Landrat gebührt bei einem solchen Wahlakt eine Sonderstellung. Er kann als Ausschreiber von seinem Vorschlagsrecht Gebrauch machen. Was er im vergangen Jahr nicht tat, das hat er sich im Urlaub vorgenommen. Joachim Claus wird einen (oder zwei?) Kandidaten am 21. 8. 01 vorschlagen. Nach nnz-Informationen wird ein Wunschkandidat Winfried Theuerkauf (SPD) sein. Theuerkauf regiert seit der letzten Kommunalwahl an der Seite von Claus als ehrenamtlicher Beigeordneter, vertrat Claus jetzt in dessen Urlaub.
Theuerkauf sei zwar sehr streitbar, was aber für Joachim Claus wichtiger ist, er sei ein verlässlicher Partner. Der Sozialdemokrat hat sich für einen Beigeordnetenplatz beworben, was allerdings nicht halb so viel Überraschung in der SPD hervorrief wie die unangekündigte und nicht abgesprochene Kandidatur von Hubert Rein. Also könnte man schlussfolgern, die Kandidatur von Theuerkauf sei als eine Ersatzvariante für Jendricke abgesprochen gewesen.
Die CDU-Fraktion im Kreistag reibt sich indessen die Hände. Die Christdemokraten wissen, dass sie keinen ihrer Lieblingskandidaten durchbringen können, solange die rot-rote Koalition halten wird. Aber sie werden wohl eher Theuerkauf, denn dem ungeliebten, weil stets aufsässigen, Jendricke ihre Stimmen geben. Schlimmstenfalls könnte für Rot-Rot ein ähnliches Wahldesaster herauskommen wie im Jahr 1994. Um das zu verhindern, werden die beiden Fraktionen in Probeabstimmungen ihre Taktik festlegen und alle möglichen Varianten durchspielen müssen. Dazu gehört auch der kurzfristige Verzicht Theuerkaufs auf eine Kandidatur. Vollzähligkeit am 21. August ist da natürlich eine der grundlegenden Voraussetzungen für einen Wahlsieg.
Doch auch nach der vermutlichen Wahl von Jendricke oder Grünwald wird für beide Gewählten eine Zeit der Ungewißheit folgen. Konkurrentenklagen der Unterlegenen seien nicht ausgeschlossen, heißt es bereits heute im Landratsamt, denn so richtig sollen die beiden Fraktions-Kandidaten die geforderten und bereits herabgesetzten Kriterien auch diesmal nicht erfüllen.
Apropos Vorschlagsrecht: Landrat Joachim Claus will mit seinem Vorschlag nicht hinter den politischen Berg halten. Am Montag will er ihn dem Ältestenrat verkünden. So gespannt kann man also auch nicht mehr sein, denn selbst der Urlaub eines Landrates hat für die Medien sein Gutes.
Peter-Stefan Greiner
