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Brief von Dr. Klaus Zeh

Abschied von Martin Höfer

Samstag, 27. Mai 2017, 11:00 Uhr
Heute wird Martin Höfer im engsten Familien- und Freundeskreis beerdigt. Die nnz wird diese Bitte respektieren. An dieser Stelle veröffentlichen wir einen letzten Brief des ehemaligen OB an den Verstorbenen...


Lieber Martin,
ich kann Dich heute leider nicht persönlich auf Deinem letzten Gang begleiten, um Abschied von Dir zu nehmen, dem Wegbegleiter und guten Freund. Ein zwingender Aufenthalt weiter weg von Nordhausen bindet mich an einen anderen Ort. Das tut mir sehr leid. Deshalb schreibe ich Dir noch einmal einen Brief.

Ein paar Tage vor Deinem Weggang haben wir uns noch an unserem Gartentor getroffen. Wir haben herumgealbert und Du hattest mir noch zu meinem „Rückzug“ vom OB-Amt gesagt: „Ich kann Dich gut verstehen. Ich wäre auch gegangen. Gesundheit geht vor.“ Vielleicht wusstest Du da noch nicht, dass Dein Herz krank war. So bist Du ganz plötzlich gegangen. Dein Tod kam für alle unerwartet. Er hat viele Leute ins Mark getroffen. Das konnte man in den sogenannten ‚Sozialen Netzen‘ im Internet lesen. Mit großem Respekt und Trauer haben sie von Dir geschrieben.

Mit dem Verstand lässt sich Dein Tod und Sterben nicht begreifen. Auch lassen sich die Gefühle Deiner Familie, die Du durch Deinen Weggang als geliebter Mensch nun allein lässt, nicht annähernd beschreiben. Es wird für sie heute noch einmal ein schwerer Tag. Daher ist es ein schwacher Trost für Deine Familie, dass Du nur vorausgegangen bist, wo letztlich jeder von uns hin muss. Ich möchte für sie Albert Schweitzer zitieren: „Was ein Mensch an gutem in die Welt hinausgibt, geht nicht verloren.“

Dein Wirken, lieber Martin, hinterlässt Spuren in Deiner Heimatstadt Nordhausen und bei vielen Mitmenschen. Deine ungestüme, direkte Art hat zwar manchen Leuten nicht gepasst, aber sie war in Deiner ungeschminkten Offenheit und Ehrlichkeit wohltuend gegenüber mancher Scheinheiligkeit. Für mich als Oberbürgermeister gehörtest Du, Martin, zu den verlässlichsten Mitgliedern im Stadtrat. Auf Dich konnte ich vertrauen. Im biblischen Sinne war Dein JA ein ‚JA JA‘, und Dein NEIN ein ‚NEIN NEIN‘. Dabei warst Du auch manchmal unbequem! Aber Du hast Dich korrigiert, wenn Du gemerkt hast, dass Du womöglich einem Irrtum aufgesessen warst.

Oft konntest Du mit Humor gewürzt die Sachen schnell wieder auf den Punkt bringen. Deshalb möchte ich Dir herzlich danken für Dein Mittun in der Stadt, im Stadtrat und in der Politik. Du standest nicht am Rande der Arena mit erhobenem Zeigefinger. Du standest mitten in der Gesellschaft. Es ist immer leicht, am Rande als Zuschauer zu stehen und zu kritisieren. Schwerer ist es, sich einzubringen, der Kritik auszusetzen und dennoch nicht aufzugeben. Martin, Du hast nicht aufgegeben oder Dich entmutigen lassen. Auch wenn die Kritik heftig wurde: Deine Überzeugungen hast Du nicht verkauft! Du hinterlässt eine schmerzliche Lücke. Dein fröhliches Gemüt wird uns fehlen. Es werden uns Deine Karikaturen fehlen. Es werden uns Deine Kolumnen fehlen. Martin, DU wirst uns und mir sehr fehlen.

Deiner Familie wünsche ich viel Kraft für die kommende Zeit. Wir fühlen uns mit Deiner trauernden Familie verbunden. Daher möchte ich ihr von ganzem Herzen mein Beileid und Mitgefühl übermitteln. Sie sind in ihrem Schmerz nicht allein.

Als Christ möchte ich für sie den großen Kirchenvaters Hieronymus zitieren. Vielleicht kann er doch etwas Trost, Hoffnung und Zuversicht geben: „Wir sollen nicht trauern, dass wir die Toten verloren haben, sondern dankbar dafür sein, dass wir sie gehabt haben, ja auch jetzt noch besitzen. Denn wer heimkehrt zum Herrn, bleibt in der Gottesfamilie und ist nur vorausgegangen.“

Mit herzlichen Grüßen antworte ich Dir gern auf Deinen „Mein Oberbürgermeister“-Gruß mit
Dein Oberbürgermeister (nunmehr „a.D.“) und Dein Klaus

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Autor: red

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