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Neue Wahrzeichen für Nordhausen

Keine Mauern, dafür Wälle

Mittwoch, 24. Mai 2017, 11:00 Uhr
Wer mit offenen Augen am süd-östlichen Rand von Nordhausen unterwegs ist, der wird in den zurückliegenden Monaten, Wochen und Tagen einige landschaftliche Veränderungen wahrgenommen haben. Entwicklung nennen das die Planer im Nordhäuser Rathaus. Doch diese Entwicklung kann förderlich oder hemmend sein...

Dieser Wall schützt Seelano und begrünt sich derzeit (Foto: nnz) Dieser Wall schützt Seelano und begrünt sich derzeit (Foto: nnz)

Wer von Sondershausen kommend, die B4 entlangfährt, der hat sich womöglich an den Erdwall rechter Hand gewöhnt. Der wurde aufgeschütttet und begrünt, um die künftigen Seelano-Teilhaber vom Straßenlärm abzuschotten. Der Blick auf den See ist für alle Zeit versperrt. Ein langwieriges Planungsverfahren war dem vorausgegangen, die Investoren wurden dabei auch vom Amt für Zukunftsfragen und Stadtentwicklung unterstützt.

Dazu ist solch ein Amt natürlich auch da. Es schaut in die Zukunft und es entwickelt. Die neueste Entwicklung ist an der Zufahrt zum Strandbad an den Kiesteichen zu bestaunen. Auch hier erhebt sich mittlerweile ein imposanter Wall. In mittelalterlichen Kategorien gedacht, erinnert das, was da entsteht, an eine Festung.

Dieser Wall schützt vier künftige Wohnhäuser (Foto: nnz) Dieser Wall schützt vier künftige Wohnhäuser (Foto: nnz)

Vier Einfamilienhäuser sollen dahinter gebaut werden, sozusagen "Feuerland 2". Alles beschlossen, wie die Stadtentwickler der nnz auf Anfrage mitteilen. Die "Aufschüttung" ist genehmigt worden, um das dahinter liegende Wohngebiet von den Blicken der Neugierigen "abzuschirmen". Man will ungestört sein und diejenigen, die daran vorbeifahren fragen sich, warum der gemeine Wohngrundstückbesitzer einen Zaun nicht höher als 180 Zentimeter errichten darf. Aber der gemeine Grundstücksbesitzer wohnt auch in Nordhausen-Ost oder Salza und nicht am See.

Auch Familie H. (Name von der Redaktion geändert) ) fährt an dem neuen Wall immer wieder entlang. In zufälligen Gesprächen erfuhren die H.'s, dass es entlang des Wirtschaftsweges parallel zur Zorge in Richtung gesperrter Brücke in Bielen ein kleines Grundstück gibt, das neben zwei weiteren bebauten Grundstücken liegt und das einen eher ungenutzten Zustand vermuten lässt. Nach Recherchen stellte sich heraus, dass dieses Grundstück im Besitz der Parkhaus- und Bädergesellschaft ist, defacto also in kommunaler Hand. Dieses Unternehmen hätte durchaus Gespräche über einen Verkauf oder eine Verpachtung geführt, denn die interessierte Familie wollte dort einen kleinen Geräteschuppen aus dem Baumarkt aufstellen, wollte ein paar Beete anlegen, wie es die Nachbarn tun und wollte einfach Natur genießen.

Dieses "Handtuch" darf nicht entwickelt werden. (Foto: Google Earth) Dieses "Handtuch" darf nicht entwickelt werden. (Foto: Google Earth)

Dieses Begehren der normalen Familie sahen die Entwickler des besagten Amtes schon nach ersten Informationen sehr kritisch. Wie sich dann herausstellte, darf auf diesem schmalen Handtuch überhaupt nichts entwickelt werden, schon gar nicht vom gemeinen Bürger. Auf Nachfrage bei den kommunalen Entwicklern, ließen die mitteilen, dass hier Freizeit und Erholung entwickelt werden können. Allerdings bestehe hier Überflutungsgefahr durch die benachbarte Zorge. Wörtlich: "Der Uferbereich zwischen Strandbad und Zorgebrücke ist Überschwemmungsgebiet. Erst nach dem Brückenneubau und nach Ausbaumaßnahmen an der Zorge und deren Ufer ist eine Freilegung von der Überflutungsgefahr möglich." Trotzdem gibt es natürlich Planungsaussagen und es seien bereits mehrere Versuche gestartet worden, einen B-Plan aufzustellen, doch "bisher scheiterte es am Überschwemmungsgebiet und an wirtschaftlich darstellbaren Nutzungen", ließen die Entwickler mitteilen. Final hieß es: "Bauflächen sind nicht zulässig." Familie H. würde das Überschwemmungsrisiko eingehen, die weggeschwemmten Erdbeerpflanzen seien verkraftbar.

nnz-Recherchen zufolge soll es Ende des vorigen Jahrtausends bereits kommunale Versuche gegeben haben, diesem Stück bracher Erde Leben einzuhauchen, doch es entwickelte sich anders. Ein solches Verhalten ist für den Laien eher unverständlich und lässt Schlussfolgerungen zu. Hier - im Kleinen - wird alles, aber auch alles "kritisch" gesehen. Im Großen verhält sich das Amt anders. Als die nnz vor Wochen Anfragen zum Stand der Planungen rund um das Seelano-Vorhaben an das Entwicklungsamt stellte, gab es von da keine Antwort, stattdessen rief einen Tag später der Investor in der Redaktion an, um die nnz zu einem Gespräch einzuladen. Seit diesem Zeitpunkt sind wir mit baurechtlichen Anfragen - zumindest an das Rathaus - eher vorsichtig.

Zurück zum Begehren des normalen Bürgers. Der hätte das "Handtuch-Grundstück" großzügigerweise pachten können. Maximal für zwei oder drei Jahre. Der Traum des normalen Bürger ging dennoch nicht in Erfüllung, wie hätte er den Werkzeugschuppen, Erdbeeren oder Kartoffeln schützen können. Einen Zaun zu errichten wird dank der Entwickler nicht möglich sein. Vielleicht sollte es Familie H. mal mit der Beantragung für die Errichtung eines mehrere Meter hohen Erdwalls versuchen. Derartige planerischen Komponenten passen wahrscheinlich eher in die Entwicklung der Stadt Nordhausen.
Peter-Stefan Greiner
Autor: red

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