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Alltag in der Bahnhofstraße

Es ist nicht mehr auszuhalten

Donnerstag, 18. Mai 2017, 16:00 Uhr
Wie hatte sich Familie B. gefreut, als sie in der Nordhäuser Bahnhofstraße eine Wohnung beziehen konnte. Doch die Freude darüber währte nicht lange. Ein Besuch zwischen Lärm und Krach...

Hinter der Fassade ist der Lärm unerträglich (Foto: nnz) Hinter der Fassade ist der Lärm unerträglich (Foto: nnz)

Familie B. wohnt in der dritten Etage. Prima Aussicht, Mitten im Zentrum. Seit neun Monaten ist es das neue Zuhause, seit neun Monaten aber auch, so Frau B., die Hölle. Ähnlich wie bei Familie Einecke sind es die Mieter in der darüberliegenden Wohnung. Dort soll eine Familie aus dem Balkan, vermutlich Bulgarien wohnen.

Doch wie groß die Familie ist, das erschließt sich den B.'s nicht. "Ständig kommen neue Leute aus der Wohnung, den ganzen Tag über ein ständiges Kommen und Gehen, das Getrampel, nicht das Laufen in der Wohnung ist permanent, ich kann das nicht mehr aushalten", sagt Frau B. im Gespräch mit der nnz.

Die Tochter macht gerade das Abitur, das Vorbereiten auf auf die Prüfungen ist nahezu unmöglich, eigentlich nur mit Oropax. Selbst, wenn der Lärm mal aussetzt und Stille herrscht, wartet man auf den akustischen "nächsten Angriff". Der folgt.

Natürlich haben die B.'s den Vermieter, die SWG, mit ihren Problemen konfrontiert. Das kommunale Unternehmen hat auch reagiert, hat Sozialarbeiter ins Haus geschickt, hat Gespräche mit den Mietern in der oberen Etage geführt. Ein durchschlagender Erfolg war den Sozialarbeitern nicht vergönnt, denn bald musste die SWG eine erste Abmahnung aussprechen, bestätigte Geschäftsführerin Inge Klaan der nnz. Für eine weitere Abmahnung und einer Kündigung habe es nicht gereicht, denn bei der Befragung anderer Mieter habe man die Lärmbelästigungen nicht bestätigt bekommen.

Für Familie B. ist das unverständlich und bei unseren mehrfachen Besuchen in der Bahnhofstraße ebenso wenig. Wir haben einfach mal das Handy auf Aufnahme gestellt und das ist das Ergebnis . Einen Zusammenschnitt weiterer Tage finden Sie hier .

Sicher, die Wohnungen im Plattenbaustil sind in ihrem Innern hellhörig. Das wissen die Mieter auch. Allerdings - und das erwartet Familie B. einfach - sollten sich alle Mieter auch darauf einstellen. Dass vielleicht mal gefeiert wird, ist normal, das ist verkraftbar. Die Dauerbeschallung aus einer einzelnen Wohnung heraus, kann nicht akzeptiert werden. Einen Hinweis sollen Mitarbeiter der SWG denn auch für die Familie gehabt haben: Vielleicht kommen die Geräusche ja auch aus anderen Wohnungen, nebenan oder schräg darüber?

Familie B. wird vermutlich nichts anderes übrig bleiben als den Eineckes in Salza. Die sind wahrscheinlich ausgezogen, der Name ist an den Klingelschildern nicht mehr zu finden.
Peter-Stefan Greiner
Autor: red

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