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5-Elemente Küche

Kulinarisches a lá Fernost

Dienstag, 09. Mai 2017, 16:00 Uhr
Wenn hierzulande zu Tisch gebeten wird, dann geht es, natürlich, um das Essen. In Fernost geht man hingegen einen Schritt weiter und würzt den Alltag traditionell auch gleich noch mit einer ganzen Menge Philosophie. Das Ergebnis soll nicht zu einem gesünderen sondern auch glücklicheren Leben führen. Ein Ausflug in die 5-Elemente Küche...

5-Elemente - eine Küche - Kochen für das Wohlbefinden lehrt Helene Kempe  (Foto: Angelo Glashagel) 5-Elemente - eine Küche - Kochen für das Wohlbefinden lehrt Helene Kempe (Foto: Angelo Glashagel)

Der Barsch gehört ins Wasser, Bohne und Erbse zur Erde, die Brennessel zum Feuer. Nachvollziehbar, auch für Otto-Normal-Mitteleuropäer. Der kennt vier Elemente: Wasser, Erde, Feuer und Luft. Wie sich einzelne Dinge in der Natur zu diesem Weltbild verhalten könnten würde sich wohl den meisten erschließen.

Die alten Chinesen mochten es etwas komplizierter. Mit Erde, Feuer, Wasser, Holz und Metall kennt man hier gleich fünf Elemente. Und während man hierzulande bei "Elementen" nach den großen Vier als nächstes wahrscheinlich an das Periodensystem denkt, steht hinter der fernöstlichen Einteilung gleich eine ganze Philosophie die hinabreicht bis in den heimischen Kochtopf.

Die Elemente korrespondieren mit Jahreszeiten, Lebensphasen, Charaktereigenschaften, Organen, Geschmäckern und der Tageszeit. Holz etwa steht für den Frühling, das Wachstum und die Kindheit aber auch für die Leber und Galle, Kreativität und Schöpferkraft, für saures, Impulsivität und Zorn.

Einfacher ausgedrückt: alles ist mit allem verbunden. Die Elemente und ihre Aspekte stehen in ständiger Wechselbeziehung. Wird diese Beziehung gestört, geht es dem Menschen schlecht. Man gerät aus dem Lot. Ziel ist der Ausgleich, das Gleichgewicht. Yin und Yang.

Helene Kempe hat die ganzheitliche Elementelehre aus Fernost während ihrer Ausbildung zur Ernährungsberaterin für sich entdeckt. Irgendwann haben dann Freunde und Bekannte gefragt, was sie da eigentlich in der Küche macht. Eins kam zum anderen und man traf sich zum gemeinsamen kochen. Aus den sporadischen Treffen entstand irgendwann ein Kurs, der heute rappelvoll ist und erste Nachfolger nach sich zieht.

Das philosophische Konstrukt hinter der 5-Elemente-Küche gehört für Helene Kempe dazu und muss zumindest angerissen werden, wenn die kulinarische Seite erklärt werden soll. Vielen ihrer Kursteilnehmer geht es denn auch eher um eine andere Art der Ernährung und des kochens und um ihr Wohlbefinden. Der fernöstliche Ansatz verspricht Milderung bei Alltagsleiden wie Schlafstörungen, Schwindel, Unwohlsein, ständiger Kälte und einiges mehr.

Die Zutaten können auch exotischerer Natur sein. Ein Muss ist das aber nicht. Ein Frühstück nach dem Elemente Ansatz kann auch aus Spiegelei, Haferflocken und Himbeerkompott bestehen. Dabei sollten alle Elemente in der Mahlzeit enthalten sein und nur ein oder zwei das Gericht dominieren.

"Wichtig ist vor allem das man selber kocht. Durch die Hitze wird dem Essen Energie zugeführt.", erklärt Ernährungsberaterin Kempe, Energie die dem Körper dann leichter zur Verfügung steht. Gefrühstückt wird zwischen 7 und 9, und zwar möglichst warm, erwärmt oder wenigstens vorgekocht. Gegen Abend sollte man nach Möglichkeit gar nicht mehr oder nur sehr leicht essen. Von Rohkost rät Kempe eher ab. Wer zum Abendbrot eine Schüssel Salat ist, hat sich zwar grundlegend gesund ernährt, der Körper braucht aber viel Energie um das frische Grün auch zu verarbeiten. Eben davon hat man am Abend aber nicht mehr soviel wie während des Tages. Ruft erst einmal die Couch, sollte sich auch der Magen eine Pause gönnen dürfen.

Selber kochen, schön und gut. Aber wer hat dafür heute schon noch Zeit? "Das Schöne ist, dass es kein sehr rigoroses System ist. Ich kann mir auch "Fast Food" selber machen. Einmal kochen, drei mal genießen. Eine Kraftbrühe zum Beispiel ist schnell gekocht, lässt sich leicht konservieren, hält sich mehrere Wochen und gibt viel Energie", erklärt Helene Kempe die Alltagstauglichkeit, "das ist Kochmanagement."

Der Weg dahin scheint zumindest auf den ersten Blick allerdings nicht ganz leicht. Nicht nur wegen der philosophischen Fallstricke. Aus welchen Aspekten sich das eigene Essen zusammensetzen sollte und warum, welches Nahrungsmittel mit welchen Element in Verbindung steht und was das dann bedeutet - all das will erst einmal verstanden werden.

Helene Kempe ist trotzdem zuversichtlich, das es funktioniert. "Es ist wie mit dem Essen: man muss erst einmal Wissen aufnehmen und "verstoffwechseln" bevor es einem wirklich zur Verfügung steht". Den Stoff dazu liefert sie selbt, in zweiteiligen Workshops die sich mit Theorie und Praxis befassen versucht sie das komplexe Thema verständlich zu machen.

Die 5-Elemente-Ernährung sei natürlich nicht die Lösung für alles, sagt Helene Kempe, "aber man ernährt sich wesentlich bewusster schon allein weil man sich Gedanken darüber macht, was man zu sich nimmt. Das kostet zwar erst einmal Energie, macht das Leben aber am Ende leichter. Das allgemeine Wohlbefinden, das ist es was wirklich wichtig ist."
Angelo Glashagel
Autor: red

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