Grüne Landtagsfraktion zu Gast im Gipskarst
Das ist eine ganz bittere Situation
Montag, 08. Mai 2017, 12:05 Uhr
Am Kuhberg bei Niedersachswerfen soll ein neues Gipsabbaugebiet entstehen. Im Südharzer Gipskarststreit sorgte diese Nachricht vom vergangenen Freitag für einiges Aufsehen. Heute waren, eher zufällig, Vertreter der Landtagsfraktion der Grünen im Gipskarst zu Gast. Die Entscheidung sei "eine bittere Sache" aber noch wolle man die Flinte nicht ins Korn werfen...
Es gibt Momente, da scheint das Wetter einen gewissen Sinn für Dramatik zu haben: pünktlich zur Ankunft der Grünen Landtagsabgeordneten und ihrer Mitarbeiter zogen sich über der Salzaquelle dunkle Wolken zusammen.
Das Unwetter, das sich über dem Gipskarst dieser Tage wieder einmal zusammenbraut nahm seinen Anfang derweil schon am Freitag. Da gab das Landesbergbauamt bekannt das man dem Betriebsplan der Firma Saint-Gobain Formula für einen Gipsabbau am Kuhberg in Niedersachswerfen die Zulassung erteilt habe. Eine "Unzumutbare Beeinträchtigungen für die Bevölkerung" sei nach Einschätzung des Amtes nicht zu erwarten, da "der Tagebau in über 1 Kilometer Entfernung von der nächsten Wohnbebauung liegen wird". Für Abbaugegner wie den Naturschutzbund BUND ein "Schlag in die Magengrube all derer, die sich seit Jahren für den Erhalt des Raumes östlich der B4 eingesetzt haben".
Für die Fraktion der Grünen im Thüringer Landtag, deren Partei mit Anja Siegesmund die Umweltministerin stellt, sei das "eine bittere Situation", sagte heute der Vorsitzende der Frakion, Dirk Adams. Zusammen mit einigen Fraktionskollegen war man zu Besuch im Südharz, eine Wanderung an der Salzaquelle und ein Besuch in der Rüdigsdorfer Schweiz standen auf dem Programm.
Grüne Landtagsfraktion zu Gast in Nordhausen (Foto: Angelo Glashagel)
Den jährlichen Ausflug hatte man bereits im vergangenen Herbst geplant, dass nun die Hiobsbotschaft der Abbaugenehmigung den alten Streit just wieder anheizt, das war eher dem Zufall zuzuschreiben. Er selbst sei "unglücklich bis sauer" gewesen von der Genehmigung aus den Medien zu erfahren, sagte Adams. Für den Abend sei ein Treffen mit Ministerin Siegesmund geplant, man wolle besprechen wie es weiter gehen soll. Frau Siegesmunds Ministerium untersteht auch das Landesbergbauamt, was unter den Gegnern des Abbaus für zusätzlichen Unmut gesorgt hatte. Es enstehe der Eindruck das "Oberbergamt agiere losgelöst von seiner Dienstherrin", kritisiserte etwa der Nordhäuser Kreisverband des BUND. Tatsächlich entscheide das Amt nicht nach dem Willen der Ministerin, sondern nach Recht und Gesetz, verteidigte Adam das Umweltministerium.
Die Genehmigung um die sich alles dreht stamme noch aus der Mitte der 90er Jahre, die Industrie habe es inzwischen geschafft, alle rechtlichen Hürden aus dem Weg zu räumen sodass man im Bergbauamt wohl keine Chance mehr gesehen habe, den Abbau weiterhin zu verweigern. Zudem habe des "massiven Druck" von Seiten der Industrie gegeben, die mit einer weiteren Klage gedroht habe, sollte das Bergbauamt weiter blockieren, erläuterte Adams.
Noch wollen die Grünen ihren Widerstand aber nicht aufgeben. "Das kann nicht der Weg für die Region sein. Die Leute vor Ort akzeptieren den Bergbau nicht mehr, dem müssen sich alle stellen und das muss auch die Industrie erkennen". Es gelte nun die Sache "nüchter und sachlich" zu betrachten, sagte Adams der nnz. Man werde weiteren Widerstand prüfen, er wolle den Leuten aber auch "keinen Sand in die Augen streuen". Anders ausgedrückt: den Abbau am Kuhberg doch noch einen Riegel vorzuschieben wird schwer.
An anderer Stelle müsse man sich nun "doppelt engagieren", Schutzgebiete ausweiten und Gipsrecycling Bundesweit zur Verpflichtung machen, so Adams weiter. Für den Nachmittag ist auch ein Treffen mit der Bürgerinitiative geplant, die gegen den Abbau am Winkelberg bei Rüdigsdorf kämpft.
Auch nach bald drei Jahrzehnten geht der Kampf um den Gipskarst also munter weiter. Die aktuelle Runde geht dabei wohl an die Abbaubefürworter. Ob der Sturm aus Sicht der Gegner doch noch vorrüberzieht oder ob die Anwohner und Kommunen mitsamt den Grünen im sprichwörtlichen Regen stehen bleiben, steht in den Sternen. In Niedersachswerfen, nur ein Stück hinter dem Freibad, sieht es zumindest im Moment aber erst einmal so aus als würden die die Lkw bald rollen.
Angelo Glashagel
Autor: redEs gibt Momente, da scheint das Wetter einen gewissen Sinn für Dramatik zu haben: pünktlich zur Ankunft der Grünen Landtagsabgeordneten und ihrer Mitarbeiter zogen sich über der Salzaquelle dunkle Wolken zusammen.
Das Unwetter, das sich über dem Gipskarst dieser Tage wieder einmal zusammenbraut nahm seinen Anfang derweil schon am Freitag. Da gab das Landesbergbauamt bekannt das man dem Betriebsplan der Firma Saint-Gobain Formula für einen Gipsabbau am Kuhberg in Niedersachswerfen die Zulassung erteilt habe. Eine "Unzumutbare Beeinträchtigungen für die Bevölkerung" sei nach Einschätzung des Amtes nicht zu erwarten, da "der Tagebau in über 1 Kilometer Entfernung von der nächsten Wohnbebauung liegen wird". Für Abbaugegner wie den Naturschutzbund BUND ein "Schlag in die Magengrube all derer, die sich seit Jahren für den Erhalt des Raumes östlich der B4 eingesetzt haben".
Für die Fraktion der Grünen im Thüringer Landtag, deren Partei mit Anja Siegesmund die Umweltministerin stellt, sei das "eine bittere Situation", sagte heute der Vorsitzende der Frakion, Dirk Adams. Zusammen mit einigen Fraktionskollegen war man zu Besuch im Südharz, eine Wanderung an der Salzaquelle und ein Besuch in der Rüdigsdorfer Schweiz standen auf dem Programm.
Grüne Landtagsfraktion zu Gast in Nordhausen (Foto: Angelo Glashagel)
Den jährlichen Ausflug hatte man bereits im vergangenen Herbst geplant, dass nun die Hiobsbotschaft der Abbaugenehmigung den alten Streit just wieder anheizt, das war eher dem Zufall zuzuschreiben. Er selbst sei "unglücklich bis sauer" gewesen von der Genehmigung aus den Medien zu erfahren, sagte Adams. Für den Abend sei ein Treffen mit Ministerin Siegesmund geplant, man wolle besprechen wie es weiter gehen soll. Frau Siegesmunds Ministerium untersteht auch das Landesbergbauamt, was unter den Gegnern des Abbaus für zusätzlichen Unmut gesorgt hatte. Es enstehe der Eindruck das "Oberbergamt agiere losgelöst von seiner Dienstherrin", kritisiserte etwa der Nordhäuser Kreisverband des BUND. Tatsächlich entscheide das Amt nicht nach dem Willen der Ministerin, sondern nach Recht und Gesetz, verteidigte Adam das Umweltministerium. Die Genehmigung um die sich alles dreht stamme noch aus der Mitte der 90er Jahre, die Industrie habe es inzwischen geschafft, alle rechtlichen Hürden aus dem Weg zu räumen sodass man im Bergbauamt wohl keine Chance mehr gesehen habe, den Abbau weiterhin zu verweigern. Zudem habe des "massiven Druck" von Seiten der Industrie gegeben, die mit einer weiteren Klage gedroht habe, sollte das Bergbauamt weiter blockieren, erläuterte Adams.
Noch wollen die Grünen ihren Widerstand aber nicht aufgeben. "Das kann nicht der Weg für die Region sein. Die Leute vor Ort akzeptieren den Bergbau nicht mehr, dem müssen sich alle stellen und das muss auch die Industrie erkennen". Es gelte nun die Sache "nüchter und sachlich" zu betrachten, sagte Adams der nnz. Man werde weiteren Widerstand prüfen, er wolle den Leuten aber auch "keinen Sand in die Augen streuen". Anders ausgedrückt: den Abbau am Kuhberg doch noch einen Riegel vorzuschieben wird schwer.
An anderer Stelle müsse man sich nun "doppelt engagieren", Schutzgebiete ausweiten und Gipsrecycling Bundesweit zur Verpflichtung machen, so Adams weiter. Für den Nachmittag ist auch ein Treffen mit der Bürgerinitiative geplant, die gegen den Abbau am Winkelberg bei Rüdigsdorf kämpft.
Auch nach bald drei Jahrzehnten geht der Kampf um den Gipskarst also munter weiter. Die aktuelle Runde geht dabei wohl an die Abbaubefürworter. Ob der Sturm aus Sicht der Gegner doch noch vorrüberzieht oder ob die Anwohner und Kommunen mitsamt den Grünen im sprichwörtlichen Regen stehen bleiben, steht in den Sternen. In Niedersachswerfen, nur ein Stück hinter dem Freibad, sieht es zumindest im Moment aber erst einmal so aus als würden die die Lkw bald rollen.
Angelo Glashagel

