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Persönlicher Brief an den Wacker-Präsident

Lieber Nico Kleofas...

Mittwoch, 26. April 2017, 09:00 Uhr
Heute sollen im Umfeld des Punktspiels gegen Lok Leipzig weitere Personalien bei Wacker Nordhausen verkündet werden. Als Journalist habe ich da zwar ein hohes Maß an Interessiertheit, doch ich bin seit 21 Jahren nunmal eben auch Mitglied dieses Vereins. Als Vereinsmitglied will ich Nico Kleofas heute einen mehr oder weniger offenen Brief schreiben...

Weiter geht es, Nico! (Foto: Bernd Peter) Weiter geht es, Nico! (Foto: Bernd Peter)

Lieber Nico,

von den 21 Jahren meiner Mitgliedschaft habe ich mindestens 15 im Sprecherturm des Albert-Kuntz-Sportparks verbracht. Ich konnte also manche Entwicklung sozusagen aus einer anderen Perspektive beobachten. An denkwürdigen Ereignissen kommt da einiges zusammen. Die haben mit Höhen und Tiefen dieses Fußballsportvereins zu tun, wobei ich nicht abschätzen kann, wohin da das Erinnerungs-Pendel schwingt. Waren es die tollen Spiele und Siege in der ersten “Regionalliga-Runde” gegen Dynamo Dresden oder zum Beispiel gegen den jungen Michael Ballack im Dress des Chemnitzer FC? Oder war es der anschließende Niedergang des Vereins bis in die Landesklasse?

Ich will das nicht aufwiegen, Fakt ist nur, es war immer mal unruhig an der Parkallee in Nordhausen. Aber, es wurde sich immer mal wieder aufgerappelt: Sei es durch Männer wie Detlef Zeitler, Olaf Schulze oder Klaus Verkouter im Präsidium, durch Arndt Forberger, Michael John, Hans-Joachim Junker oder Bernd Seidenstücker im sponsorischen Hintergrund. Sie sollen nur stellvertretend genannt werden, ungezählte andere kommen hinzu.

Dann hast Du mit einer verschworenen Gemeinschaft das Heft des Handelns in die Hand genommen. Ich glaube, das ist acht Jahre her. Seit dem ging und geht es nur bergauf. Zugegeben, wir alle, die wir “Wacker sind”, wurden verwöhnt, wir eilten mit dem Präsidium, vor allem aber mit den Jungs da auf dem Platz von Erfolg zu Erfolg. Niemand und nichts schien uns aufzuhalten. Die Finanzen, sonst immer ein Thema in Nordhausen, spielten keine Rolle. Doch es kamen die Personen, die Probleme mitbrachten.

Für viele Fans war das ungewohnt, vielleicht auch für die Männer, die das Sagen hatten und haben in unserem Verein, vielleicht auch für Dich selbst. Jörg Goslar musste gehen, Martin Hauswald übernahm. Soweit so gut? Nein, denn die Mannschaft zeigte zwei Gesichter, zweimal - so glaube ich mich zu erinnern - wurden wir Herbstmeister, zweimal ging es danach in Richtung Tabellenkeller, zweimal rappelten sich die Jungs auf dem Platz wieder auf. Über Gründe kann nur spekuliert werden, Du wirst sie kennen.

Dann, im vergangenen Jahr, kam die ganz große Euphorie. Joe Albersinger wurde Dir als Trainer empfohlen. Den kannte niemand und er kannte weder Nordhausen noch die Liga, geschweige denn die angestammten Spieler. Aber er kannte den designierten Sportdirektor und einstigen exzellenten Bundesliga- und Nationalspieler Maurizio Gaudino. In der sich bildenden Symbiose gab es noch einen dritten Mann, dessen Namen ich nicht erwähnen werde, er ist es nicht wert. Diese Symbiose hat dem Verein geschadet, ich hatte das beruflich mehrfach benannt. Es ging mir eben nicht um Personen, sondern immer nur um den Verein. Ich hoffe, das ist nun Geschichte.

Lieber Nico,

ich komme noch einmal zu Momenten, die ich aus der Sprecherkabine beobachten konnte und die belegen, wie toll und wie furchtbar Fußball sein kann. Emotional war für mich eine freundschaftliche Umarmung auf dem Platz am 16. Oktober vor zwei Jahren. Elf Monate später das 0:5-Debakel gegen Viktoria Berlin.

Letzteres wirkt bis heute nach und hat zweifelsfrei mit dem einstigen Nationalspieler zu tun, von dem sich der Verein nun endlich trennen wird. Leicht wird Dir das nicht fallen, letztlich hast Du dafür die Verantwortung übernommen. Du steht dazu, Du wiegelst nicht ab. Das schätze ich an Dir. Egal, wie am Abend das Spiel gegen Lok Leipzig ausgehen wird, ich hoffe, Du nennst uns einen Trainernamen, der künftig in Nordhausen für Fußball sorgen wird, den eine und nicht mehrere Wacker-Mannschaften spielen. Einen Trainer, der losgelöst von Abhängigkeiten (außer seinem Arbeitsvertrag), eine Mannschaft formen kann, die wieder angreift, Kraft, Mut und Hoffnung schöpft, die vielleicht tatsächlich einmal aufsteigen will und die wieder als Team einen Draht zu den Fans findet.

Ich wünsche Dir für die anstehende Personalentscheidung diesmal ein glücklicheres Händchen. Ich wünsche mir aber auch eine Mannschaft, die endlich zusammenwächst, die vielleicht neu formiert werden muss, die angreifen will, die kämpfen kann und so - wenn es sein muss - zum Spiel findet.

Mit der heutigen Verkündung von Personalentscheidungen wird es nicht getan sein, die Arbeit fängt damit vermutlich erst an, du hast gesagt, die Uhr wird auf Null gestellt. Die Fans, die Freunde des gepflegten Wacker-Fußballs müssen aber auch mitziehen, sie sind letztlich der Sensor für das, was Du und die anderen an der Parkallee in den kommenden Monaten vorhaben.

Der neue Trainer sollte die Liga kennen, sollte ihre Sprache sprechen können, muss sich vor die Spieler stellen und sie nicht immer Dreck oder Gras fressen lassen. Er muss nicht nur zu Dir, sondern er muss zu uns hier in Nordhausen, zum gesamten Verein passen. Wegen mir kann er auch die gleiche Kopfhaarfrisur haben wie Du. Du weißt, wer gemeint ist.

Mit sportlichen Grüßen
Peter-Stefan Greiner
Autor: red

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