"Baggerei" in der Wiedigsburg-Halle
Montag, 06. August 2001, 10:27 Uhr
Nordhausen (nnz) Um 16.00 Uhr schrillte gestern der Anpfiff durch die Wiedigsburg-Halle. Das lang erwartete Volleyball-Länderspiel der Nationalmannschaften zwischen Deutschland und Japan wurde zum Ende hin richtig spannend. Auch nnz-Mitarbeiterin Manuela Jauer befand sich nah am Netz und faßt das Geschehen zusammen.
Gut besucht war die Wiedigsburg-Halle in jedem Fall. Mehr als 1.400 Zuschauer wollten sich die Begegnung der beiden National-Mannschaften nicht entgehen lassen. Ihr Weg hatt sich gelohnt. Bis zum letzten Aufschlag blieb die Entscheidung offen, wobei man den Japanern im Nachhinein einige Vorteile zugestehen muss.
Schon ab 15.00 Uhr konnten die Volleyball-Insider beobachten, wie man sich in einer Profi-Volleyball-Mannschaft aufwärmt. Bereits hier konnte man Unterschiede erkennen: Während die Asiaten sehr schnell zu einem intensiven Stretching übergingen, schienen Unsere eher Wert auf ausreichende Bewegung zu legen. Was allerdings nicht unbedingt Einfluss auf den Ausgang des Spiels gehabt haben muss. Auf beiden Seiten nahm das Einspielen am Netz die meiste Zeit ein, wobei besonders Schmetterbälle und Aufgaben vorbereitet wurden.
Nach der Aufstellung beider Mannschaften hielt der Präsident des SVC Nordhausen e.V., Gerd Störmer, eine kurze Begrüßungs- und Eröffnungsansprache. Er richtete ein berechtigtes Dankeschön an alle, die die Ausrichtung des Spiels in der Roland-Stadt möglich gemacht haben. Seine Anerkennung galt auch den Initiatoren und Organisatoren, die im Vorfeld für eine gründliche Vorbereitung und während des Ereignisses für einen reibungslosen Ablauf gesorgt haben. Anschließend erhob man sich gemeinsam zu den Nationalhymnen. Nach der Begrüßung der Schieds- und Linienrichter folgte die einzelne Aufstellung der Spieler, wobei jeder Akteur vorgestellt wurde.
Dass es im Publikum nicht an Zuspruch und Interesse fehlte, war vom ersten Aufschlag an zu spüren. Die Zuschauer unterstützten das Geschehen am Netz nicht nur mit Klatschen und Pfeifen, sondern auch mit rhythmischen Trommelschlägen und rasselnd-knatternden Holzratschen. Es gab keinen Moment, in dem sie nicht mitfieberten und die Mannschaften nicht anfeuerten.
Schon im ersten Satz ging es mächtig zur Sache. Für Hobby-Volleyballer und Laien mag das Tempo, das die Spieler an den Tag legten, zu Anfang wohl etwas überraschend gewesen sein. Ungeübte Augen könnten das ein oder andere Problem gehabt haben, dem Spielverlauf genau zu folgen. Dort lag auch eine der Stärken von japanischer Seite: Wie man den Vorberichten bereits entnehmen konnte, sind die Gäste etwas kleiner als ihre Gastgeber und dadurch schneller und wendiger. Wobei der Begriff Klein eigentlich neu definiert werden müsste. Zwar kommen sie an die zwei Meter einiger deutscher Spieler nicht heran, aber immerhin darf bei ihnen das Maßband auch nicht kürzer als 1,80 Meter sein.
Während des ersten Satzes kam die Mannschaft vom deutschen National-Trainer schon in starke Bedrängnis. Den Zwischenstand von 16:10 für Japan konnten die Führenden schnell zu einem 23:10 ausbauen, bis nach 30 Minuten ein erstes Ergebnis von 25:17 erreicht wurde.
Auch im zweiten Satz konnten sich die Asiaten behaupten. Nach einer kurzen Aufholjagd der Deutschen im ersten Teil, glichen sie rasch wieder aus und konnten mit einem Endstand von 23:25 auch diesen Part für sich entscheiden. Kein Wunder, dass die bis dahin Unterlegenen einen zunehmend verbisseneren und deprimierteren Eindruck machten. Das Wissen um die eigenen Fehler trug sicher dazu bei, zumal diese doch recht offensichtlich waren. Des öfteren sah man unglückliche Aufgaben, nicht angenommene Bälle und Lücken im Feld.
Die Gegner gaben sich stets gut gelaunt, gelassen und locker. Grund dazu hatten sie, denn mit ihrer durchaus besseren Technik, ihrer schnellen Reaktion und Wendigkeit konnten sie sich bis dahin auf der sicheren Seite sehen. Die Zuschauer konnten sich an flott gespielten Bällen, sauberen Annahmen, geordneten Zuspielen, gezielten Schmetterbällen und gekonnten Blocks erfreuen.
Der ein oder andere mag das Spiel schon für entschieden gehalten haben, aber es kam anders. Vielleicht waren die beiden neu eingebrachten Spieler Ilja Wiederschein und Libero Frank Bachmann der Ausschlag gebende Punkt für die Wende. Plötzlich machten auch die Deutschen mehr Tempo, agierten gezielter und aggressiver. Mit dem Erfolg kam auch die Motivation ins deutsche Team zurück. Das Spiel wurde weniger hektisch und besser in der Abstimmung und Koordination. Beim Zwischenstand von 21:16 für Deutschland wirkten auch die Asiaten nicht mehr ganz so relaxt. Doch auch nach der Niederlage von 17:25 behielten sie einen kühlen Kopf. Es war ja noch nichts verloren.
Ähnlich verlief der vierte Spielsatz. Die Vorteile lagen klar in deutschen Händen, wie einige schöne Block-Aktionen zeigten, die anfangs noch zu wünschen gelassen hatten. Im fünften und letzten Satz musste nun die Entscheidung durch Tiebreak erspielt werden. Die Halle geriet mächtig ins Brodeln, das Publikum feuerte die hoffende deutsche Mannschaft lautstark an. Vielleicht war die Motivation und das Engagement dann ein bisschen zu groß, denn nach einem anfänglichen Rückstand holten die Gäste im Nu wieder auf. Am Schluss rissen sich die Japaner noch einmal zusammen und zeigten erneut ihre schnelle Reaktion und Wendigkeit. Bei 10:12 für Japan wurde es richtig spannend. Dann wurden abwechselnd die Punkte bis zum Gleichstand ausgeglichen, sodass die Sorgenfalten ständig von deutschen auf japanische Stirnen hin und her wechselten. Im letzten Moment half auch der Heimvorteil nicht mehr weiter, und die Deutschen mussten sich mit 14:16 geschlagen geben.
Damit konnten die Japaner einen verdienten, wenn auch knappen Sieg mit nach Hause nehmen. In Technik und Tempo haben sie klare Vorteile gegenüber ihren deutschen Gegnern gezeigt. Ihr Spiel wirkte nicht hektisch, stets koordiniert und ließ auch die Abstimmung untereinander erkennen. In all diesen Punkten musste man bei den Deutschen klare Abstriche machen. Oder lag es auch ein bisschen an der Einstellung? Die Japaner machten während des gesamten Spiels einen deutlich entspannteren Eindruck. Im Gegensatz zu ihren Duellpartnern wirkten sie während der Rückstände zwar etwas niedergeschlagener, aber nie unkonzentriert oder unmotiviert.
Mit dieser Begegnung in Nordhausen beenden beide Teams eine Serie von drei Spielen gegeneinander. Am Freitag und Samstag hatten Stelian Moculescus Schützlinge zwei 3:2-Erfolge gegen die Gäste aus Japan erzielt. Die Spiele dienten als Vorbereitung auf die WM-Vorausscheide in Finnland Mitte diesen Monats. Dort wird den Deutschen Bosnien-Herzegowina, Gastgeber Finnland und Weltmeister Jugoslawien gegenüber stehen. Wollen wir hoffen, dass die gefundenen Schwachstellen nicht mehr länger als solche existieren und zur WM keine Probleme mehr bereiten werden.
Manuela Jauer (nnz)
Autor: nnzGut besucht war die Wiedigsburg-Halle in jedem Fall. Mehr als 1.400 Zuschauer wollten sich die Begegnung der beiden National-Mannschaften nicht entgehen lassen. Ihr Weg hatt sich gelohnt. Bis zum letzten Aufschlag blieb die Entscheidung offen, wobei man den Japanern im Nachhinein einige Vorteile zugestehen muss.
Schon ab 15.00 Uhr konnten die Volleyball-Insider beobachten, wie man sich in einer Profi-Volleyball-Mannschaft aufwärmt. Bereits hier konnte man Unterschiede erkennen: Während die Asiaten sehr schnell zu einem intensiven Stretching übergingen, schienen Unsere eher Wert auf ausreichende Bewegung zu legen. Was allerdings nicht unbedingt Einfluss auf den Ausgang des Spiels gehabt haben muss. Auf beiden Seiten nahm das Einspielen am Netz die meiste Zeit ein, wobei besonders Schmetterbälle und Aufgaben vorbereitet wurden.
Nach der Aufstellung beider Mannschaften hielt der Präsident des SVC Nordhausen e.V., Gerd Störmer, eine kurze Begrüßungs- und Eröffnungsansprache. Er richtete ein berechtigtes Dankeschön an alle, die die Ausrichtung des Spiels in der Roland-Stadt möglich gemacht haben. Seine Anerkennung galt auch den Initiatoren und Organisatoren, die im Vorfeld für eine gründliche Vorbereitung und während des Ereignisses für einen reibungslosen Ablauf gesorgt haben. Anschließend erhob man sich gemeinsam zu den Nationalhymnen. Nach der Begrüßung der Schieds- und Linienrichter folgte die einzelne Aufstellung der Spieler, wobei jeder Akteur vorgestellt wurde.
Dass es im Publikum nicht an Zuspruch und Interesse fehlte, war vom ersten Aufschlag an zu spüren. Die Zuschauer unterstützten das Geschehen am Netz nicht nur mit Klatschen und Pfeifen, sondern auch mit rhythmischen Trommelschlägen und rasselnd-knatternden Holzratschen. Es gab keinen Moment, in dem sie nicht mitfieberten und die Mannschaften nicht anfeuerten.
Schon im ersten Satz ging es mächtig zur Sache. Für Hobby-Volleyballer und Laien mag das Tempo, das die Spieler an den Tag legten, zu Anfang wohl etwas überraschend gewesen sein. Ungeübte Augen könnten das ein oder andere Problem gehabt haben, dem Spielverlauf genau zu folgen. Dort lag auch eine der Stärken von japanischer Seite: Wie man den Vorberichten bereits entnehmen konnte, sind die Gäste etwas kleiner als ihre Gastgeber und dadurch schneller und wendiger. Wobei der Begriff Klein eigentlich neu definiert werden müsste. Zwar kommen sie an die zwei Meter einiger deutscher Spieler nicht heran, aber immerhin darf bei ihnen das Maßband auch nicht kürzer als 1,80 Meter sein.
Während des ersten Satzes kam die Mannschaft vom deutschen National-Trainer schon in starke Bedrängnis. Den Zwischenstand von 16:10 für Japan konnten die Führenden schnell zu einem 23:10 ausbauen, bis nach 30 Minuten ein erstes Ergebnis von 25:17 erreicht wurde.
Auch im zweiten Satz konnten sich die Asiaten behaupten. Nach einer kurzen Aufholjagd der Deutschen im ersten Teil, glichen sie rasch wieder aus und konnten mit einem Endstand von 23:25 auch diesen Part für sich entscheiden. Kein Wunder, dass die bis dahin Unterlegenen einen zunehmend verbisseneren und deprimierteren Eindruck machten. Das Wissen um die eigenen Fehler trug sicher dazu bei, zumal diese doch recht offensichtlich waren. Des öfteren sah man unglückliche Aufgaben, nicht angenommene Bälle und Lücken im Feld.
Die Gegner gaben sich stets gut gelaunt, gelassen und locker. Grund dazu hatten sie, denn mit ihrer durchaus besseren Technik, ihrer schnellen Reaktion und Wendigkeit konnten sie sich bis dahin auf der sicheren Seite sehen. Die Zuschauer konnten sich an flott gespielten Bällen, sauberen Annahmen, geordneten Zuspielen, gezielten Schmetterbällen und gekonnten Blocks erfreuen.
Der ein oder andere mag das Spiel schon für entschieden gehalten haben, aber es kam anders. Vielleicht waren die beiden neu eingebrachten Spieler Ilja Wiederschein und Libero Frank Bachmann der Ausschlag gebende Punkt für die Wende. Plötzlich machten auch die Deutschen mehr Tempo, agierten gezielter und aggressiver. Mit dem Erfolg kam auch die Motivation ins deutsche Team zurück. Das Spiel wurde weniger hektisch und besser in der Abstimmung und Koordination. Beim Zwischenstand von 21:16 für Deutschland wirkten auch die Asiaten nicht mehr ganz so relaxt. Doch auch nach der Niederlage von 17:25 behielten sie einen kühlen Kopf. Es war ja noch nichts verloren.
Ähnlich verlief der vierte Spielsatz. Die Vorteile lagen klar in deutschen Händen, wie einige schöne Block-Aktionen zeigten, die anfangs noch zu wünschen gelassen hatten. Im fünften und letzten Satz musste nun die Entscheidung durch Tiebreak erspielt werden. Die Halle geriet mächtig ins Brodeln, das Publikum feuerte die hoffende deutsche Mannschaft lautstark an. Vielleicht war die Motivation und das Engagement dann ein bisschen zu groß, denn nach einem anfänglichen Rückstand holten die Gäste im Nu wieder auf. Am Schluss rissen sich die Japaner noch einmal zusammen und zeigten erneut ihre schnelle Reaktion und Wendigkeit. Bei 10:12 für Japan wurde es richtig spannend. Dann wurden abwechselnd die Punkte bis zum Gleichstand ausgeglichen, sodass die Sorgenfalten ständig von deutschen auf japanische Stirnen hin und her wechselten. Im letzten Moment half auch der Heimvorteil nicht mehr weiter, und die Deutschen mussten sich mit 14:16 geschlagen geben.
Damit konnten die Japaner einen verdienten, wenn auch knappen Sieg mit nach Hause nehmen. In Technik und Tempo haben sie klare Vorteile gegenüber ihren deutschen Gegnern gezeigt. Ihr Spiel wirkte nicht hektisch, stets koordiniert und ließ auch die Abstimmung untereinander erkennen. In all diesen Punkten musste man bei den Deutschen klare Abstriche machen. Oder lag es auch ein bisschen an der Einstellung? Die Japaner machten während des gesamten Spiels einen deutlich entspannteren Eindruck. Im Gegensatz zu ihren Duellpartnern wirkten sie während der Rückstände zwar etwas niedergeschlagener, aber nie unkonzentriert oder unmotiviert.
Mit dieser Begegnung in Nordhausen beenden beide Teams eine Serie von drei Spielen gegeneinander. Am Freitag und Samstag hatten Stelian Moculescus Schützlinge zwei 3:2-Erfolge gegen die Gäste aus Japan erzielt. Die Spiele dienten als Vorbereitung auf die WM-Vorausscheide in Finnland Mitte diesen Monats. Dort wird den Deutschen Bosnien-Herzegowina, Gastgeber Finnland und Weltmeister Jugoslawien gegenüber stehen. Wollen wir hoffen, dass die gefundenen Schwachstellen nicht mehr länger als solche existieren und zur WM keine Probleme mehr bereiten werden.
Manuela Jauer (nnz)
