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Die Legende vom verhinderten Millionenschaden

Donnerstag, 30. März 2017, 07:19 Uhr
Vor fast genau einem Jahr veröffentlichte die CDU Stadtratsfraktion von Nordhausen eine Pressemitteilung unter der Überschrift: CDU: „Zeh hat Nordhausen vor Millionenschaden bewahrt.“ Dazu Anmerkungen eines Nordhäuser Stadtrates...


Inhalt des Artikels war der Verkauf der Aktien der VNG- Verbundnetz Gas AG durch die Stadt Nordhausen. Der Gasversorger hatte 2015, im Jahr des Verkaufs der Aktien durch die Stadt, rote Zahlen geschrieben und einen Fehlbetrag von 53 Millionen Euro erwirtschaftet.

Schlussfolgerungen der CDU Fraktion waren:
1. Es war richtig, die Aktien zu verkaufen, da es auf absehbare Zeit keine Dividende geben wird.
2. Es war richtig, die Aktien schnell zu verkaufen, denn bei den Geschäftsergebnissen wird der Aktienpreis weiter fallen.
3. Ein Millionenschaden für die Stadt wurde verhindert

Die SPD Stadtratsfraktion war grundsätzlich gegen den Verkauf. Kommunales Eigentum sollte im kommunalen Besitz bleiben. Der Stadtrat entschied sich dennoch mehrheitlich für die Veräußerung des Aktienpaketes. Daraufhin gab es die Empfehlung der Stadt SPD, gemeinsam mit den Stadtwerken Erfurt, die ebenfalls einen Verkaufsbeschluss hatten, eine Verkaufsgemeinschaft zu bilden um eine größere Marktgröße und damit einen besseren Preis zu erzielen.

Auch dieser Vorschlag wurde abgelehnt und man verkaufte die Nordhäuser Aktien für 9,96 Euro das Stück für einen Gesamtpreis von 6.995.486 Euro. Die Schwierigkeiten der Stadt Erfurt, einen höheren Preis pro Aktie zu erzielen, wurde regelmäßig von der CDU Fraktion im Stadtrat aufgegriffen und man beglückwünschte sich zur eigenen Weitsicht.

März 2017 - ein Jahr später: Der Geschäftsbericht der VNG 2016 liegt vor. Der Konzernüberschuss beträgt 40,938 Millionen Euro, der Konzernbilanzgewinn 20 Millionen Euro. Der Vorstand der VNG AG schlägt der Hauptversammlung am 18. Mai 2017 vor, den Bilanzgewinn in voller Höhe auszuschütten. Die Prognose der Wirtschaftsprüfer für 2017 lautet: Ein positives Gesamtergebnis im mittleren zweistelligen Millionenbereich.

Tafelsilber verkauft - keine Dividende für Nordhausen. In der vergangenen Woche erreichte uns dann die Meldung, dass die Stadtwerke Erfurt Ihre VNG Aktien verkauft haben. Zwar wurde auch hier nicht der gewünschte Verkaufspreis erreicht, aber immerhin lag der Preis pro Aktie bei 11 Euro. Gemeinschaftlich mit Nordhausen wäre sicherlich noch mehr möglich gewesen.

1,04 Euro pro Aktie mehr in Erfurt als in Nordhausen klingt nicht viel, wäre aber bei 702.358 Aktien die Nordhausen verkaufte, eine Mehreinnahme von 730.452 Euro. Wenn man die fehlende Rendite für 2016 hinzu rechnet erhöht sich dieser Wert noch.

Fazit: Es wurde kein Schaden von der Stadt abgewendet, vielmehr wurde durch übereiltes Handeln ein Schaden erzeugt.
Hans-Georg Müller, Stadtrat, SPD Fraktion
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Autor: red

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