nnz-online

Nobas wieder vor dem Aus?

Sonntag, 19. September 2004, 19:59 Uhr
Nordhausen (nnz). Während in der vergangenen Woche die Ansiedlung eines neuen Unternehmens gefeiert wurde, könnten in Nordhausen derweil über 100 bestehende Arbeitsplätze „den Bach“ runter gehen. Die nnz mit einer deprimierenden Bestandsaufnahme.


Es war fast exakt vor einem Jahr, da drohte Günther Papenburg der Belegschaft der Nordhäuser Nobas mit der Schließung des Unternehmens. Die Stadt Nordhausen und das Land Thüringen, das damalige Arbeitsamt und auch die Arbeitnehmer zogen an einem Strick und das auch noch am gleichen Ende. Das Ergebnis: Die Nobas war gerettet, das Arbeitsamt zahlte Umschulungen, ein neues Unternehmen, der Spezialmaschinenbau wurde geboren. Es war fast Euphorie angesagt in der Rolandstadt. Doch hinter den Kulissen, da lief das Spiel des Günther Papenburg völlig anders. Es wurde nach dem Motto gespielt: Aufgeschoben ist nicht aufgehoben. Doch dazu später.

Am Wochenende erhielten die Nobas-Mitarbeiter Post von ihrem Arbeitgeber. Darin befand sich ein neuer Arbeitsvertrag, den es zu unterschreiben gilt. Die Einleitung des Schreibens war knallhart, die nnz fast zusammen: Entweder unterschreiben oder zum Ende des Jahres wird das Unternehmen mit seinen Standorten in Nordhausen und Teltow dicht gemacht. Was die Arbeitnehmer unterschreiben sollen, das mutet nicht nur auf den ersten Blick wie die blanke Erpressung an. Weniger Geld, dafür eine Wochenarbeitszeit bis zu 46 Stunden, ohne Lohnausgleich versteht sich. Wobei fairer weise zu bemerken ist, sollen die 43., die 44. und die 45. Arbeitsstunde jedoch entlohnt werden. Hinzu kommt eine weitere Kürzung der Löhne und Gehälter um 10 Prozent, was de facto einer Kürzung um insgesamt 20 Prozent nach sich ziehen würde. Weiterhin sollen die Nobas-Leute auf Urlaubsgeld und Sonderzahlungen verzichten. Dafür wird zwar eine Arbeitsplatzgarantie bis Ende 2007 versprochen, allerdings das Recht auf Kündigung wird sich in den Entwürfen der neuen Arbeitsverträge im Paragraph 14 vorbehalten.

Doch das ist nicht alles, für den Monat August wurden den Baumaschinenherstellern in der Rothenburgstraße gleich mal 18 Stunden Arbeitszeit abgezogen und die Löhne noch einmal gekürzt. Denn schließlich soll der neue Arbeitsvertrag rückwirkend ab dem 1. August gelten.

Nun geht die Angst um in der Nobas, die Arbeitnehmer sollen sich entscheiden, schnell natürlich. Damit haben die Nobas-Beschäftigten kaum die Möglichkeit, sich von kompetenter Stelle eine Rechtsauskunft einzuholen. So zum Beispiel, wie das mit der Zeit der Betriebszugehörigkeit gemeint ist, vor allem bei den Kollegen, die im vergangenen Jahr in die neue GmbH wechselten. Doch eigentlich ist die Unsicherheit unbegründet, sie müssen nach nnz-Recherchen den neuen Arbeitsvertrag überhaupt nicht unterschreiben. Dafür muß ihnen das Unternehmen eine Änderungskündigung zuschicken. Damit, so Arbeitsrechtsexperten, würde der Arbeitgeber aber bei jedem Arbeitsgerichtsverfahren gnadenlos durchfallen. Derzeit hat das Nordhäuser Arbeitsgericht schon wieder viel zu tun. Nach nnz-Informationen laufen bereits 90 Leistungsklagen.

Bleibt immer noch die indirekt angedrohte Schließung. Sie wird in dem Brife der geschäftsleitung wie folgt beschrieben: „Wir als Geschäftsleitung appellieren an Sie, den vorgeschlagenen Weg gemeinsam mit uns zu gehen, damit eine sonst drohende schließung, verbunden mit dem Verlust aller Arbeitsplätze, verhindert werden kann.“

Das ist zwar das absolute Horrorszenario, das im vergangenen Jahr schon einmal aufgezogen wurde und da kommen wir zum Ausgangspunkt zurück. Nach nnz-Recherchen soll Nobas-Besitzer Papenburg schon im vergangenen Jahr die Schließung des Unternehmen beschlossen haben. Doch der aktuelle Ton ist wesentlich härter. Warum? Die Schließung wäre damals dem Unternehmer mit den besten Verbindungen zur Politik in Hannover und jetzt in Berlin teuer zu stehen gekommen. Noch steht Papenburg vermutlich unter einem vertraglichen Zwang, hier in Nordhausen und in Teltow Arbeitsplätze zu erhalten. Auf diesen Vertrag pocht die Nachfolgerin der Treuhand, BvS. Sollte Papenburg dagegen verstoßen, drohe ihm eine saftige Vertragsstrafe. So der damalige Stand.

Allerdings könnte dieses finanzielle Damoklesschwert wird für Günther Papenburg Ende dieses Jahres verschwunden sein, dann läuft die vertragliche Bindung mit der BvS ab. Und dann kann Papenburg mit der Nobas, vor allem aber mit den Arbeitnehmer machen was er will.
Autor: nnz

Drucken ...
Alle Texte, Bilder und Grafiken dieser Web-Site unterliegen dem Urherberrechtsschutz.
© 2026 nnz-online.de