Lutherausstellung in der Flohburg eröffnet
Who is who der Reformation
Mittwoch, 08. März 2017, 06:30 Uhr
Im letzten und wichtigsten Jahr der Lutherdekade wirft nun auch das stadthistorische Museum einen Blick auf die Zeitenwende im beginnenden 16. Jahrhundert und die Spuren, die sie in der Nordhäuser Geschichte hinterlassen hat...
Der wuchtige alte Foliant, der zur Zeit im Keller der Flohburg zu sehen ist, würde heute in kein Bücherregal mehr passen. Nicht minder umfangreich fällt die Schriftgröße des Messbuchs aus. Irgendwann einmal hat man in Nordhausen daraus gelesen, noch war es eine katholische Messe, das Artefakt stammt aus dem 15. Jahrhundert, Prä-Luthersich sozusagen. Die Reformation warf da ihre Schatten hier und da bereits voraus, für die Nordhäuser war aber noch nicht klar, das sich in ihrem Alltag bald einiges grundlegend ändern würde.
Eine ganze Reihe solcher Artefakte und Devotionalen aus fünf Jahrhunderten Reformationsgeschichte in Nordhausen sind seit gestern im stadthistorischen Museum Flohburg zu sehen. Die Ausstellung "Luthers Freunde" betrachtet dabei nicht nur auf uns gekommende Alltagsgegenstände, sondern taucht tief in die Materie ein, angefangen bei einer grundsätzlichen Chronologie der Ereignisse, bishin zu ausführlichen Beschreibungen der wichtigsten Persönlichkeiten. So lässt sich einiges über den Zustand der hiesigen Geistlichkeit am Vorabend der Reformation erfahren. Etwa über eine sogenannte "Visitation" des Nordhäuser Augustinerklosters gegen Ende des 15. Jahrhunderts. Die frühneuzeitliche Betriebsprüfung hält die frommen Brüder unter anderem dazu an endlich das "Konkubinat" aufzugeben und die vorgeschriebenen Messen auch wirklich abzuhalten.
Luther höchstselbst soll eine solchen Besuch bei seinen Augustinerkollegen in der Rolandsstadt durchgeführt haben, im Jahr 1516. Ein gutes Jahr darauf heißt es, habe der Vater der Reformation seine Thesen an die Wittenberger Kirchentür geschlagen. Angeprangert hatte er die unhaltbaren Zustände in der katholischen Kirche, ausgelöst hatte er einen Erdrutsch, der die Weltgeschichte bis heute prägt.
Auch an Nordhausen ging das nicht spurlos vorüber, bereits 1524, genauer am 26. September diesen Jahres, bekennt man sich zum Lutherischen Protestantismus. Garniert mit vielen alten Fotografien längst verschwundener Sakralbauten zeichnet die Ausstellung in der Flohburg nach, was in der Folge geschah, von den "Pfaffenstürmen" über die Bündnispolitik der halbautonomen freien Reichsstadt bis zur künstlerischen Verarbeitung der Umwälzungen. Auch die Kunst gehöre zur Reformation, bis heute, meinte Susanne Hinsching, Leiterin der Flohburg und des Kunsthauses. Das galt schon für Luthers Lebenszeit, einige der ganz großen Namen der deutschen Kunstgeschichte waren Zeitgenossen des Reformators. Aber auch für das 19. und 20. Jahrhundert. Ende Oktober soll ein weiterer Eintrag in dieser Ahnenreihe erfolgen, wenn man auf dem Blasiikirchplatz das neue Lutherdenkmal enthüllen will.
Peter Genßler hat sich tief in die Materie eingarbeitet (Foto: Angelo Glashagel)
Für die Gestaltung ist der Bleicheröder Künstler Peter Genßler zuständig, wie sie ausfallen wird, bleibt vorerst geheim. Das Genßler tief in der Materie steht, sollte aber niemand bezweifeln. Durch einen guten Regalmeter an Literatur habe er sich durchgearbeitet, erzählt er zwischen seinen Bildern. Als Teil der Ausstellung hat der Künstler eine ganze Reihe an Holzschnitten beigesteuert welche, angelehnt an historische Vorlagen, nicht nur die bekannten Gesichter der Reformation zeigt, sondern auch viele der weniger populären Verfechter und Gegner der Luther'schen Lehre.
Man habe die Ausstellung nicht auf den Keller des Hauses beschränken wollen, erklärte Hinsching dazu, auch der Rest der Dauerausstellung und der Grüne Salon sollten mit einbezogen werden. Dass die Schau in kaum mehr als vier Wochen auf die Beine gestellt wurde, sieht man Präsentation und Inhalt nicht an. Allein das Begleitprogramm fällt bis dato eher übersichtlich aus: eine Buchvorstellung Martin Rehahns ist für den 21. März geplant. Zu sehen sein wird die Ausstellung noch bis zum 30. April.
Angelo Glashagel
Autor: redDer wuchtige alte Foliant, der zur Zeit im Keller der Flohburg zu sehen ist, würde heute in kein Bücherregal mehr passen. Nicht minder umfangreich fällt die Schriftgröße des Messbuchs aus. Irgendwann einmal hat man in Nordhausen daraus gelesen, noch war es eine katholische Messe, das Artefakt stammt aus dem 15. Jahrhundert, Prä-Luthersich sozusagen. Die Reformation warf da ihre Schatten hier und da bereits voraus, für die Nordhäuser war aber noch nicht klar, das sich in ihrem Alltag bald einiges grundlegend ändern würde.
Eine ganze Reihe solcher Artefakte und Devotionalen aus fünf Jahrhunderten Reformationsgeschichte in Nordhausen sind seit gestern im stadthistorischen Museum Flohburg zu sehen. Die Ausstellung "Luthers Freunde" betrachtet dabei nicht nur auf uns gekommende Alltagsgegenstände, sondern taucht tief in die Materie ein, angefangen bei einer grundsätzlichen Chronologie der Ereignisse, bishin zu ausführlichen Beschreibungen der wichtigsten Persönlichkeiten. So lässt sich einiges über den Zustand der hiesigen Geistlichkeit am Vorabend der Reformation erfahren. Etwa über eine sogenannte "Visitation" des Nordhäuser Augustinerklosters gegen Ende des 15. Jahrhunderts. Die frühneuzeitliche Betriebsprüfung hält die frommen Brüder unter anderem dazu an endlich das "Konkubinat" aufzugeben und die vorgeschriebenen Messen auch wirklich abzuhalten.
Luther höchstselbst soll eine solchen Besuch bei seinen Augustinerkollegen in der Rolandsstadt durchgeführt haben, im Jahr 1516. Ein gutes Jahr darauf heißt es, habe der Vater der Reformation seine Thesen an die Wittenberger Kirchentür geschlagen. Angeprangert hatte er die unhaltbaren Zustände in der katholischen Kirche, ausgelöst hatte er einen Erdrutsch, der die Weltgeschichte bis heute prägt.
Auch an Nordhausen ging das nicht spurlos vorüber, bereits 1524, genauer am 26. September diesen Jahres, bekennt man sich zum Lutherischen Protestantismus. Garniert mit vielen alten Fotografien längst verschwundener Sakralbauten zeichnet die Ausstellung in der Flohburg nach, was in der Folge geschah, von den "Pfaffenstürmen" über die Bündnispolitik der halbautonomen freien Reichsstadt bis zur künstlerischen Verarbeitung der Umwälzungen. Auch die Kunst gehöre zur Reformation, bis heute, meinte Susanne Hinsching, Leiterin der Flohburg und des Kunsthauses. Das galt schon für Luthers Lebenszeit, einige der ganz großen Namen der deutschen Kunstgeschichte waren Zeitgenossen des Reformators. Aber auch für das 19. und 20. Jahrhundert. Ende Oktober soll ein weiterer Eintrag in dieser Ahnenreihe erfolgen, wenn man auf dem Blasiikirchplatz das neue Lutherdenkmal enthüllen will.
Peter Genßler hat sich tief in die Materie eingarbeitet (Foto: Angelo Glashagel)
Für die Gestaltung ist der Bleicheröder Künstler Peter Genßler zuständig, wie sie ausfallen wird, bleibt vorerst geheim. Das Genßler tief in der Materie steht, sollte aber niemand bezweifeln. Durch einen guten Regalmeter an Literatur habe er sich durchgearbeitet, erzählt er zwischen seinen Bildern. Als Teil der Ausstellung hat der Künstler eine ganze Reihe an Holzschnitten beigesteuert welche, angelehnt an historische Vorlagen, nicht nur die bekannten Gesichter der Reformation zeigt, sondern auch viele der weniger populären Verfechter und Gegner der Luther'schen Lehre. Man habe die Ausstellung nicht auf den Keller des Hauses beschränken wollen, erklärte Hinsching dazu, auch der Rest der Dauerausstellung und der Grüne Salon sollten mit einbezogen werden. Dass die Schau in kaum mehr als vier Wochen auf die Beine gestellt wurde, sieht man Präsentation und Inhalt nicht an. Allein das Begleitprogramm fällt bis dato eher übersichtlich aus: eine Buchvorstellung Martin Rehahns ist für den 21. März geplant. Zu sehen sein wird die Ausstellung noch bis zum 30. April.
Angelo Glashagel













