Eine Annäherung
Die Seele erzählt nicht...
Samstag, 25. Februar 2017, 16:00 Uhr
"Die Seele erzählt nicht, sie tanzt" - hinter dem poetischen Titel verbirgt sich das neueste Stück der Nordhäuser Ballettkompanie. Also alles Pirouette, Tütü und sterbender Schwan? Die nnz hat sich das Stück mit den Augen eines Ballettbanausen angesehen...
Ballett, dass sind Männer und Frauen die zu klassischer Musik in rosa Leibchen auf der Bühne Verrenkungen machen, niemand weiß was eigentlich vor sich geht, es sei denn man hat die Hochkultur schon mit der Muttermilch aufgesogen, dann ist das alles ganz toll. Solche oder ähnliche Gedanken dürften so manchen Zeitgenossen durch den Kopf gehen, wenn von der hohen Kunst des Tanzes die Rede ist.
Mit derlei engen Vorstellungen und offenem Geist ließ sich die nnz gestern im Theatersessel nieder, auf dem Programm stand "Die Seele erzählt nicht, sie tanzt", die jüngste Produktion der Nordhäuser Ballettkompanie, inszeniert von Ivan Alboresi und Pedro Lozano Gómez.
In zwei Teile würde sich der Abend teilen, soviel verriet der kurze Blick ins Programm, die erste Inszenierung aus der Hand des Gastchoreographen Gómez würde sich mit "der Instabilität des Lebens" befassen, der zweite Teil Musik und Tanz aus drei Jahrhunderten verbinden. Klingel, Licht, Vorhang, und Bitte.
Von rosa keine Spur. Stattdessen lässt die Lichtinstallation graue Wellen über die Leinwand wabern, während sich ein menschlicher Knoten entschält und zu wogendem Wasser wird, gefolgt von wildem Durcheinander. Bühnenbild und Kostüme sind in höchstem Maße minimalistisch und offen symbolisch für das auf und ab des Seelenlebens. Aus dem Chaos und dem Wandel der ersten, mit lebhaften Tönen untermalten Szenen teilt sich die Seele in helle und dunklere Teile, die miteinander ringen, begleitet vom tiefen dröhnen elektronischer Bässe und Dissonanzen. Die Seele richtet sich. Sie richtet sich hin im Rausch, richtet sich auf, trägt sich selbst und urteilt über sich. Sie driftet auseinander, kämpft mit sich verschmilzt ihren hellen und dunklen Aspekte wieder zu einem ganzen, holt ihre letzten Teile noch in zäher Mühe aus den letzten Ecken des Seins und steht am Ende vor dem Licht.
Oder auch nicht. Die Stärke des Darbietung in ihrem ersten Teil liegt darin, das sie komplett offen ist für Interpretationen. Der Betrachter schwankt zwischen Bewunderung für das Können der Tänzer und dem Willen dem Geschehen auf der Bühne Sinn zu geben. Sieht man eine Seele die mit sich kämpft oder ist es eine ganze Reihe? Sind es vielleicht zwei Personen, die zueinander in Beziehung stehen? Ist es das werden und wachsen eines jungen Geistes, der durch Höhen und Tiefen geht? Für jedes Szenario und mehr ließen sich Hinweise finden.
Als Laie kann man über die Tänze kaum ein Urteil fällen, welches über das Eingeständnis des eigenen Unvermögens sich auch nur annähernd so zu bewegen wie die Tänzer auf der Bühne hinaus geht. Um ein vielfaches Kenntnissreichere Meinungen aus dem Publikum attestieren dem Ensemble in der Pause jedoch höchste Qualität. Die Truppe ist jung, viele kommen frisch von der renommierten Palucca Hochschule für Tanz in Dresden.
Während sich der erste Teil in Musik und Tanz modern bis experimentell zeigte, wurde der zweite Teil des Abends deutlich traditioneller gestaltet. Wuchtige Sttreicherkompositionen unterlegen das von Beginn an. Auch in Bühnenbild und Kostüm geht es jetzt weniger minimalistisch zu, die Damen werden umwirbelt von schwarzen Kleidern, von der Decke senkt sich ein goldenes Konstrukt, das Licht wird wärmer. Die deutliche Symbolik des ersten Teils macht Platz für eine Verneigung vor der Musikgeschichte. Ivan Alboresi nutzt Stücke aus drei verschiedenen Epochen, vor allem Originalkompositionen aus der Zeit des Barock.
Mit dem traditionsreicheren Grundthema kommen eher Kenner und Freunde der klassischen Musik auf ihre Kosten, auch die tänzerische Darbietung erinnert jetzt ein wenig mehr an das, was auch ein Laie mit dem Ballett verbinden mag. Unterbrochen werden die einzelnen Abschnitte immer wieder durch dumpf dröhnende Bässe und industrielle Klänge, wie ein Zitat auf den Seelenringen des ersten Teils.
Die Verbindung beider Stücke erlaubt es sowohl Kennern der Kunst als auch Neulingen einen Einblick zu geben. Wer es mit klassischen Klängen hält, findet ebenso Unterhaltung wie Liebhaber ausgefallener Inszenierungen. Wer Lust an der Interpretation kann ebenso in das Doppelstück eintauchen wie diejenigen, die sich allein von der Bewegung mitreißen lassen können. Hervorzuheben ist auch die Lichtgestaltung beider Stücke, welche ihren ganz eigenen Beitrag zur intensiven Atmosphäre beitragen kann, auch wenn sie nicht immer absolut perfekt ausgeführt wird.
Die nächste Aufführung von "Die Seele erzählt nicht, sie tanzt" ist für den 04. März um 19:30 Uhr angesetzt. Danach wird das Stück bis Ende Mai noch fünf weitere Male auf der Nordhäuser Bühne zu sehen sein. Ausreichend Möglichkeiten selber herauszufinden, wie man es mit dem Ballett so hält.
Angelo Glashagel
Autor: redBallett, dass sind Männer und Frauen die zu klassischer Musik in rosa Leibchen auf der Bühne Verrenkungen machen, niemand weiß was eigentlich vor sich geht, es sei denn man hat die Hochkultur schon mit der Muttermilch aufgesogen, dann ist das alles ganz toll. Solche oder ähnliche Gedanken dürften so manchen Zeitgenossen durch den Kopf gehen, wenn von der hohen Kunst des Tanzes die Rede ist.
Mit derlei engen Vorstellungen und offenem Geist ließ sich die nnz gestern im Theatersessel nieder, auf dem Programm stand "Die Seele erzählt nicht, sie tanzt", die jüngste Produktion der Nordhäuser Ballettkompanie, inszeniert von Ivan Alboresi und Pedro Lozano Gómez.
In zwei Teile würde sich der Abend teilen, soviel verriet der kurze Blick ins Programm, die erste Inszenierung aus der Hand des Gastchoreographen Gómez würde sich mit "der Instabilität des Lebens" befassen, der zweite Teil Musik und Tanz aus drei Jahrhunderten verbinden. Klingel, Licht, Vorhang, und Bitte.
Von rosa keine Spur. Stattdessen lässt die Lichtinstallation graue Wellen über die Leinwand wabern, während sich ein menschlicher Knoten entschält und zu wogendem Wasser wird, gefolgt von wildem Durcheinander. Bühnenbild und Kostüme sind in höchstem Maße minimalistisch und offen symbolisch für das auf und ab des Seelenlebens. Aus dem Chaos und dem Wandel der ersten, mit lebhaften Tönen untermalten Szenen teilt sich die Seele in helle und dunklere Teile, die miteinander ringen, begleitet vom tiefen dröhnen elektronischer Bässe und Dissonanzen. Die Seele richtet sich. Sie richtet sich hin im Rausch, richtet sich auf, trägt sich selbst und urteilt über sich. Sie driftet auseinander, kämpft mit sich verschmilzt ihren hellen und dunklen Aspekte wieder zu einem ganzen, holt ihre letzten Teile noch in zäher Mühe aus den letzten Ecken des Seins und steht am Ende vor dem Licht.
Oder auch nicht. Die Stärke des Darbietung in ihrem ersten Teil liegt darin, das sie komplett offen ist für Interpretationen. Der Betrachter schwankt zwischen Bewunderung für das Können der Tänzer und dem Willen dem Geschehen auf der Bühne Sinn zu geben. Sieht man eine Seele die mit sich kämpft oder ist es eine ganze Reihe? Sind es vielleicht zwei Personen, die zueinander in Beziehung stehen? Ist es das werden und wachsen eines jungen Geistes, der durch Höhen und Tiefen geht? Für jedes Szenario und mehr ließen sich Hinweise finden.
Als Laie kann man über die Tänze kaum ein Urteil fällen, welches über das Eingeständnis des eigenen Unvermögens sich auch nur annähernd so zu bewegen wie die Tänzer auf der Bühne hinaus geht. Um ein vielfaches Kenntnissreichere Meinungen aus dem Publikum attestieren dem Ensemble in der Pause jedoch höchste Qualität. Die Truppe ist jung, viele kommen frisch von der renommierten Palucca Hochschule für Tanz in Dresden.
Während sich der erste Teil in Musik und Tanz modern bis experimentell zeigte, wurde der zweite Teil des Abends deutlich traditioneller gestaltet. Wuchtige Sttreicherkompositionen unterlegen das von Beginn an. Auch in Bühnenbild und Kostüm geht es jetzt weniger minimalistisch zu, die Damen werden umwirbelt von schwarzen Kleidern, von der Decke senkt sich ein goldenes Konstrukt, das Licht wird wärmer. Die deutliche Symbolik des ersten Teils macht Platz für eine Verneigung vor der Musikgeschichte. Ivan Alboresi nutzt Stücke aus drei verschiedenen Epochen, vor allem Originalkompositionen aus der Zeit des Barock.
Mit dem traditionsreicheren Grundthema kommen eher Kenner und Freunde der klassischen Musik auf ihre Kosten, auch die tänzerische Darbietung erinnert jetzt ein wenig mehr an das, was auch ein Laie mit dem Ballett verbinden mag. Unterbrochen werden die einzelnen Abschnitte immer wieder durch dumpf dröhnende Bässe und industrielle Klänge, wie ein Zitat auf den Seelenringen des ersten Teils.
Die Verbindung beider Stücke erlaubt es sowohl Kennern der Kunst als auch Neulingen einen Einblick zu geben. Wer es mit klassischen Klängen hält, findet ebenso Unterhaltung wie Liebhaber ausgefallener Inszenierungen. Wer Lust an der Interpretation kann ebenso in das Doppelstück eintauchen wie diejenigen, die sich allein von der Bewegung mitreißen lassen können. Hervorzuheben ist auch die Lichtgestaltung beider Stücke, welche ihren ganz eigenen Beitrag zur intensiven Atmosphäre beitragen kann, auch wenn sie nicht immer absolut perfekt ausgeführt wird.
Die nächste Aufführung von "Die Seele erzählt nicht, sie tanzt" ist für den 04. März um 19:30 Uhr angesetzt. Danach wird das Stück bis Ende Mai noch fünf weitere Male auf der Nordhäuser Bühne zu sehen sein. Ausreichend Möglichkeiten selber herauszufinden, wie man es mit dem Ballett so hält.
Angelo Glashagel











