Heinz Huber - der ‚Salome‘-Intendant der Spielzeit 1925/1926
Vom Nordhäuser Theater zur Bühne des KZ Auschwitz
Dienstag, 07. Februar 2017, 18:18 Uhr
Es gibt wohl kaum einen Kunst- und Kulturinteressierten in unserer Region, der nicht von der ‚Salome‘-Inszenierung am Theater Nordhausen berührt worden ist. Es ist und war wie ein Sog – nach dem mehr als gelungenen "Kunstsalon" zu Salome im Kunsthaus Meyenburg die Premiere...
Selbst Menschen, die sehr schnell in Wort und Kommentaren sind – wie die Unterzeichnenden – brauchten Zeit, um den Eindruck dieser Inszenierung zu verarbeiten. Aus Sicht langjähriger Besucher am Buchstand: einfach genial! Vielleicht aber eine scheinbare Nebensächlichkeit: Seit der Spielzeit 1925/1926 war hier und heute das erste Mal wieder die Salome im Theater Nordhausen zu erleben.
Damals – vor 91 Jahren – unter dem Direktor des Musiktheaters Heinz Huber, der in dieser Spielzeit immerhin 14 Opern und zehn Operetten zur Aufführung brachte! Nach seiner Zeit als Leiter des Musiktheaters und Intendant (1923 -1927) leitete er als alleiniger Intendant das Theater bis 1933. Am 7. März 1933 konnte er seine letzte Inszenierung zur Premiere bringen. Er musste seinen Stuhl räumen, weil er nicht seinen Ehrgeiz darin sah, dass sein Stadttheater eine Stätte deutscher Kunst und völkischer Erhebung werde (Heinz Sting, Oberbürgermeister Nordhausens 1933).
Er ging nach Saarbrücken – das Saarland damals bis 1935 ‚Mandatsgebiet des Völkerbundes‘ - und leitete dort das Staatstheater. Weiter führte ihn sein Weg nach Beuthen, heute Bytom im damaligen Oberschlesien. Und dort war dieses Theater neben anderen Bühnen zuständig für die ‚Unterhaltung‘ des KZ-Personals des Vernichtungslagers Auschwitz, das Bespielen der dortigen Bühne. Belegt ist, dass Heinz Huber am 7. Juni 1944 dort das Lustspiel Heimliche Brautfahrt organisierte. Welch eine Belastung für solch eine Persönlichkeit!
Recherchiert man das Programm dieser ‚Spielstätte‘, so gab es im Jahr 1944 fast zweiwöchentlich Gastspiele - oft Komödien oder beispielsweise einen ‚Wiener Abend‘. Gekrönt wurde das Perverse dieses Regimes, als im Februar 1944 Großdeutschlands jüngste Bühne – das ‚Oberschlesische Schauspiel-Theater der Stadt Gleiwitz‘ gegründet wurde. Heinz Huber blieb aber soweit er konnte dem Regime fern und wurde nach 1945 Intendant des Pfalztheaters Kaiserslautern.
Danach verlieren sich seine Spuren. Vielleicht lohnt aber eine weitergehende Recherche? Er war immerhin einer der Intendanten dieser nunmehr 100 Jahre bestehenden Nordhäuser Bühne!
Hannelore und Wolfgang R. Pientka
Autor: redSelbst Menschen, die sehr schnell in Wort und Kommentaren sind – wie die Unterzeichnenden – brauchten Zeit, um den Eindruck dieser Inszenierung zu verarbeiten. Aus Sicht langjähriger Besucher am Buchstand: einfach genial! Vielleicht aber eine scheinbare Nebensächlichkeit: Seit der Spielzeit 1925/1926 war hier und heute das erste Mal wieder die Salome im Theater Nordhausen zu erleben.
Damals – vor 91 Jahren – unter dem Direktor des Musiktheaters Heinz Huber, der in dieser Spielzeit immerhin 14 Opern und zehn Operetten zur Aufführung brachte! Nach seiner Zeit als Leiter des Musiktheaters und Intendant (1923 -1927) leitete er als alleiniger Intendant das Theater bis 1933. Am 7. März 1933 konnte er seine letzte Inszenierung zur Premiere bringen. Er musste seinen Stuhl räumen, weil er nicht seinen Ehrgeiz darin sah, dass sein Stadttheater eine Stätte deutscher Kunst und völkischer Erhebung werde (Heinz Sting, Oberbürgermeister Nordhausens 1933).
Er ging nach Saarbrücken – das Saarland damals bis 1935 ‚Mandatsgebiet des Völkerbundes‘ - und leitete dort das Staatstheater. Weiter führte ihn sein Weg nach Beuthen, heute Bytom im damaligen Oberschlesien. Und dort war dieses Theater neben anderen Bühnen zuständig für die ‚Unterhaltung‘ des KZ-Personals des Vernichtungslagers Auschwitz, das Bespielen der dortigen Bühne. Belegt ist, dass Heinz Huber am 7. Juni 1944 dort das Lustspiel Heimliche Brautfahrt organisierte. Welch eine Belastung für solch eine Persönlichkeit!
Recherchiert man das Programm dieser ‚Spielstätte‘, so gab es im Jahr 1944 fast zweiwöchentlich Gastspiele - oft Komödien oder beispielsweise einen ‚Wiener Abend‘. Gekrönt wurde das Perverse dieses Regimes, als im Februar 1944 Großdeutschlands jüngste Bühne – das ‚Oberschlesische Schauspiel-Theater der Stadt Gleiwitz‘ gegründet wurde. Heinz Huber blieb aber soweit er konnte dem Regime fern und wurde nach 1945 Intendant des Pfalztheaters Kaiserslautern.
Danach verlieren sich seine Spuren. Vielleicht lohnt aber eine weitergehende Recherche? Er war immerhin einer der Intendanten dieser nunmehr 100 Jahre bestehenden Nordhäuser Bühne!
Hannelore und Wolfgang R. Pientka
