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Besuch im Neustädter Hospiz

Gebaut auf vielen Schultern

Donnerstag, 02. Februar 2017, 16:35 Uhr
Zwei schicke neue Bilder hängen seit kurzem im "Haus Geborgenheit", dem Neustädter Hospiz. Die Kunstwerke sind das jüngste Beispiel für die Unterstützung, die das Krankenhaus über die Jahre aus unterschiedlichster Richtung erhalten hat. Vom Fundament bis zum Leben der Gäste - die Idee der palliativen Begleitung ruht auf vielen Schultern...

Unterstützung für das Neustädter Hospiz (Foto: Angelo Glashagel) Unterstützung für das Neustädter Hospiz (Foto: Angelo Glashagel)

Bunt ist es, ein wenig wild und lädt zum nachdenken ein. Häuser sind zu erkennen, gepaart rund um einen leuchtend rotes Zentrum, die Ziege muss man finden, Hügel, Berge, viele kleine und größere Details mit der Zeit erkennen, am Ende steht vielleicht sogar die Erkenntniss, das hier ein alter Dorfanger gezeigt wird.

Das großformatige Gemälde hängt seit kurzem im Speisesaal des Neustädter Hospizes. Gemalt wurde es von Kindern der Jugendkunstschule, die im Farbenrausch der Jugend für den bunten Untergrund sorgten, und Carl Beleitis, der für die Details sorgte. Mit 84 Jahren ist er der älteste Laienkünstler der Kunstschule.

Seinen Weg nach Neustadt fand das Bild über die Kreissparkasse. In deren Räumlichkeiten hatte die Jugendkunstschule unter der Schirmherrschaft der Energieversorgung Nordhausen einige ihrer Werke versteigert. Der Erlös sollte dem Hospiz zu Gute kommen, die Landtagsabgeordnete Katja Mitteldorf und Sparkassenchef Wolfgang Asche steuerten zwei der von Ihnen erworbenen Bilder bei.

v.l.: Mario Laufer (EVN), Vera Angelstein (Kreissparkasse), Katja Mitteldorf (MdL), Sylvia Böhnke, Margret Holzapfel, Hans-Christoph Wisch (Hospiz), Martina Degenhardt (Jugendkunstschule)  (Foto: Angelo Glashagel) v.l.: Mario Laufer (EVN), Vera Angelstein (Kreissparkasse), Katja Mitteldorf (MdL), Sylvia Böhnke, Margret Holzapfel, Hans-Christoph Wisch (Hospiz), Martina Degenhardt (Jugendkunstschule) (Foto: Angelo Glashagel)

v.l.: Mario Laufer (EVN), Vera Angelstein (Kreissparkasse), Katja Mitteldorf (MdL), Sylvia Böhnke, Margret Holzapfel, Hans-Christoph Wisch (Hospiz), Martina Degenhardt (Jugendkunstschule)

Auf Unterstützung, auf Netzwerke, auf uneigennützige Hilfe hat das "Haus Geborgenheit" von Anfang an gebaut. Und das wortwörtlich: schon beim Fundament hatten Fachleute unentgeltlich ausgeholfen, als man vor drei Jahren vor jedes Zimmer einen Balkon setzen konnte, hatte die ausführende Firma zwar das Material nicht aber die Arbeitszeit berechnet. Mit dem Hospizverein in Nordhausen ist man eng verbunden, über die Diakonie-Krankenhaus Harz GmbH mit der weiteren Region verbunden. Aus bis zu 40 Kilometer Entfernung kämen die "Gäste", erzählte Hospizleiter Hans Christoph Wisch. Förderung vom Land gab es bis kurz vor der Eröffnung im Jahr 2009 nicht, beim Außengelände sprang der Freistaat bei. Bis heute finanziert man sich zum Teil über Spenden und gelegentlich auch auf ehrenamtliche Hilfe, etwa bei Veranstaltungen wie dem Frühlingsmarkt oder dem Apfelfest.

"Die Idee und den Bedarf für ein Hospiz hat man in Neustadt damals erkannt", sagte Wisch, dabei war das Hospiz aus einer Mitarbeiterbeschwerde heraus entstanden - das Personal wollte mehr Zeit für die Schwerstkranken und sterbenden Patienten aufwenden können, ihnen besser beistehen. "Wir wollen immer den Moment beachten", sagt Wisch, "daraus machen wir was und verfallen nicht in Traumtänzerei über das was morgen oder nächste Woche sein könnte. Wir wissen nicht wieviel Zeit wir haben."

In der Arbeit des Hauses gehe es um kleine Erfolge, um Selbstständigkeit und Selbstwertgefühl. Das schaffe Zufriedenheit und Zufriedenheit baue Ängste ab, erklärte Wisch seinen Gästen. Als christliches Hospiz sei man auch vom religiösen Gedanken getragen, verpflichtend sei der aber nicht. Eine kleine Kapelle gibt es, die eigentlich Seelsorge findet aber auch andernorts statt. "Seelsorge das ist wenn sich jemand Zeit nimmt mir zuzuhören und man nicht nur über das Wetter spricht", sagte Wisch, das brauche keinen religiösen Hintergrund, für die konfessionelle Seelsorge hole man sich die "Spezialisten" ins Haus.

Die beiden Bilder die das Hospiz jetzt zieren fügten sich gut in das Haus ein, sehen so aus als hätten sie schon immer hier gehangen, meint Margret Holzapfel vom Förderverein des Krankenhauses. Den Gästen und Mitarbeitern würden sie gefallen, man habe sich schon an Interpretationen versucht. Für Hans Christoph Wisch bieten sich auch eine Möglichkeit, mit seinen Gästen im Moment zu leben.
Angelo Glashagel
Autor: red

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