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Bänke zertreten, Geländer rausgesägt

Mittwoch, 01. August 2001, 12:49 Uhr
Nordhausen (nnz). Zertretene Bänke und kaputte Treppengeländer: In den letzten Tagen haben erneut Unbekannte in der Stadt gewütet - diesmal in der Gegend des Primariusgrabens und des Finkenhofwalls. Alltag in Nordhausen, fragt die nnz.?


Vandalismus gehört in Nordhausen ja nun schon fast zum Volkssport. Im jüngsten Fall gingen die noch unbekannten Täter vermutlich mit einem Plan vor: Es wurde sogar Werkzeug mitgebracht, denn das Treppengeländer war teilweise sorgfältig rausgesägt. Der Schaden diesmal so um die 1.000 Mark. „Bis zum Altstadtfest haben das der Bauhof und das Gartenamt in Ordnung gebracht. An dieser Stelle noch einmal ein herzlicher Dank an die Bürger, die uns gleich Bescheid gesagt haben“, sagte Anne Lange vom städtischen Gartenamt.

Doch damit ist die Sache nicht abgetan, hier scheint es eine Serie von derartigen Straftaten zu geben. Erst vor einigen Tagen wurden in der Rolandstadt jede Menge Verkehrs- und Straßenschilder umgekippt, abgeknickt und zerstört. Seit Jahren schon beklagt das städtische Gartenamt Schäden im Stadtpark. Die Schäden, die jährlich allein in Nordhausen durch Vandalismus entstehen, gehen in einen fünfstelligen Bereich. Nicht mitgerechnet sind dabei die „Hinterlassenschaften“ an privaten Gebäuden durch das Aufsprühen von rechten und linken Parolen oder von individuellen Liebesbekenntnissen.

Es sind, und das bestätigt die Polizei, meist jugendliche Täter. Die, die gefasst werden, sind jedoch nur die quantitative Spitze des Eisberges. Als Motive werden oftmals Frust, Lust am Zerstören oder Wut angegeben. Sie liegen eigentlich tiefer. Es ist der Verlust von den Werten, die eine intakte Gesellschaft stark prägen. Die jungen Menschen werden jedoch oft geprägt von einer starken innerlichen Isolation, sagt der Psychologe. Sie seien einzeln schwach, kehren in der Gruppe ihre Pseudostärke heraus. Eigentum sei ein Begriff, mit dem die junge Generation nur wenig anzufangen weiß, den viele der jungen Leute nicht einmal fehlerfrei schreiben könnten.

Was der Fachmann hier etwas salopp von sich gibt, trifft doch eigentlich voll „des Pudels Kern“ oder vielleicht beißt sich das Tierchen da auch nur immer wieder in den eigenen Schwanz? Was hilft nun aber gegen das „Wut- oder Frustsyndrom“? Vielleicht noch mehr Jugendklubs, Freizeittreffs, vielleicht sogar ein autonomes Jugendzentrum? Vielleicht noch mehr gut ausgebildete Sozialarbeiter?

Der Staat oder die Gesellschaft sollte vielleicht etwas Härte zeigen. Die jedoch darf nicht nur vom „Otto-Normal-Verbraucher“, sprich, dem gemeinen Bürger gefordert werden. Wem ist Zivilcourage noch vermittelbar, wenn der Staat versagt? Wer wird sich noch einmal für den schwächeren Mitmenschen einsetzen, wenn der derjenige, der auf diesen einprügelt, am nächsten Tag wieder zu einem Streifzug durch die Nordhäuser Promenade ansetzt?

Sollten für den Vandalismus der zurückliegenden Tage und Wochen in Nordhausen keine Vandalen ermittelt und bestraft werden, dann müssen Meldungen wie diese noch für sehr lange Zeit kommentiert werden. Dann wird sich nichts ändern, außer der Höhe des angerichteten Schadens.
Autor: nnz

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