Ökumenepreis 2016
Die Ökumene ist der Erdkreis
Montag, 28. November 2016, 21:10 Uhr
Für die Kirche beginnt das Jahr nicht erst mit dem Silvesterfeuerwerk, sondern traditionell nach dem ersten Advent. Zum kirchlichen Neujahrsempfang lud man heute Abend wieder in die Frauenbergkirche und nutzte den Anlass um mit dem Ökumenepreis Vereine und Initiativen zu ehren, die sich für die Überwindung von Vorurteilen engagieren unabhängig von Glaube und Kultur...
"Noch bevor sich der Kalender wendet beginnt das Kirchenjahr und wendet sich dem neuen zu", Superintendent Andreas Schwarze begrüßte in der Frauenbergkirche heute Abend unter dem Beisein zahlreicher Gäste das neue Kirchenjahr. Mit dem Neubeginn sei auch neue Hoffnung verbunden, predigte Schwarze, den Weg frei machen für Gottes Herrlichkeit, Tiefen überwinden auch wenn es schwer fällt und frische Kraft schöpfen - das war die Kernbotschaft die der Superintendent den versammelten Gästen mit auf dem Weg in das neue Jahr gab. Die eigentlich Aufgabe der Adventszeit sei nicht die Vorbereitung auf das Fest, das Warten auf die Weihnacht, sondern sondern "ebene Bahnen zu schaffen" und in sich selbst "aufzuräumen". Die Aufgaben vor einem solle man nicht als bedrückend sehen, sondern als zu bewältigen.
Für musikalische Abwechslung sorgte das Nordhäuser Männerquartett (Foto: Regina Englert)
Aufgaben wird die evangelische Kirche im kommenden Jahr viele haben, in den letzten zwölf Monaten der "Lutherdekade" wartet man auch im Südharz noch einmal mit einer ganzen Reihe an Programmangeboten rund um das 500. Reformationsjubiläum auf. Für das kulturelle Rahmenprogramm sorgten am Abend nicht allein die sakralen Lieder aus den Kehlen der versammelten Gemeinde, sondern auch das Nordhäuser Männerquartett, das klassische Choräle und alte wie auch moderne Lieder präsentierte.
Es sei das erste Jubiläum, welches mit einer Botschaft der Ökumene, der konfessionellen Versöhnung von Katholiken und Protestanten einhergehe, sagte Propst Dr. Christian Stawenow, Regionalbischof aus Eisenach. Man habe auf dem Weg vom Konflikt zur Gemeinschaft in den letzten zehn Jahren viele Meilensteine gesehen. Stawenow ging dabei auch auf die dunklen Kapitel der reformatorischen Bewegung von Ketzerprozessen bis Hexenverbrennung und Judenfeindschaft mit ihren Folgen gerade für die deutsche Gesellschaft ein. Enttäuscht das sich die Juden nicht der Reformation anschlossen rief der große Reformator Luther selbst dazu auf die Juden zu vertreiben und ihre Synagogen nieder zu brennen. Vermischt mit der Rassenideologie der Nationalsozialisten mündete der Judenhass schließlich im Holocaust. Heute habe man sich von Luthers Judenfeindschaft unmissverständlich distanziert, sagte der Regionalbischof, und schlug den Bogen zum Verhältnis zum Islam. Hier offenbare sich ein großes Wissensdefizit und man müsse erkennen das der Islam auch ein "Universum" verschiedener Strömungen und Auslegungstraditionen darstelle, Alleinvertretungsansprüchen auf die absolute Wahrheit von Fanatikern, islamisch wie auch christlich, erteilte der Propst dabei eine deutliche Absage.
Man habe eine Wandlung von konfessionalistischen Denken hin zur Ökumene erlebt und auf der anderen, der weltlichen Seite weg vom nationalistischen zum globalen Denken, auch wenn ersteres zur Zeit versuche wieder an Einfluss zu gewinnen. Man sehe sich der Gefahr über das die Welt zu weit und zu kompliziert erscheine, das man nach einfachen Antworten suche. Ihre Kompliziertheit und ihre Weite müsse man aber anerkennen. Gott führe in die Weite, so wie die Reformation in die Weite geführt habe. Die Dekade habe ihm einen großen Erkenntnisgewinn gebracht, so..., sie sei weniger Event als vielmehr Besinnung gewesen.
Die Laudatio hielt Pfarrerin Cordula Haase (Foto: Regina Englert)
Es fiel der Pfarrerin Cordula Haase vom Lothar-Kreyssig Ökumenezentrum zu die Laudatio auf die diesjährigen Preisträger des Ökumenepreises zu halten. Die Auszeichnung nahm in diesem Jahr Matthias Hänel entgegen, Pfarrer der Gemeinde Nordhausen Salza-Niedersalza. "Was sie wohl in besonderer Weise auszeichnet sind offene Türen und offene Herzen für Menschen die hier in Deutschland und in Nordhausen Zuflucht suchen, offene Türen und Herzen für Menschen aus anderen Kulturkreisen", sagte die Pfarrerin. Seit sieben Jahren engagiert man sich in der Gemeinde in der Flüchtlingshilfe, mit viel Zeit, Raum und Herausforderung. Das sei für Pfarrer Hänel nicht etwa eine "zweite Aufgabe" neben der Gemeindearbeit sondern ein unmittelbarer Teil derselben. "Sie haben die Menschen in ihrer Ehre geachtet und in ihrer Würde geschützt. Wo sie sich anderen Menschen zuwenden, lassen Sie sie das spüren. Dazu gehört Leibsorge, Seelsorge, Schutz des Lebens, das Bemühen dem anderen gerecht zu werden, die Sprache des Herzens zu sprechen um sich zu verständigen." sagte Cordula Haase. "Es ist eine große Herausforderung jedem Einzelnen gerecht zu werden, darauf haben sie sich eingelassen. Sie haben Menschen das Ankkommen erleichtert", so die Pfarrerin in ihrer Laudatio, Humanitäre Hilfe brauche zuweilen Mut und Zivilcourage, in Salza habe man "das Maximum an Schutz und Gastfreundschaft gewährt, das einer Gemeinde möglich ist."
"Alleine geht es gar nicht" - Pfarrer Matthias Hänel hatte einige Gemeindemitglieder mitgebracht (Foto: Regina Englert)
Dotiert ist der Ökumene-Preis mit 1.500 Euro, Blumen und vielen Glückwünschen.
"Ich bin fremd gewesen und ihr habt mich aufgenommen. Was ihr einem von diesen meinen Brüder getan habt, das habt ihr mir getan", heißt es bei Matthäus. In der Offenheit für die Arbeit und Begegnung mit Schutzsuchenden Flüchtlingen finde die Gemeinde immer wieder zu den Wurzeln des Glaubens und des Evangeliums. In den Gottesdiensten versammeln sich inzwischen Menschen aus bis zu sieben Nationen. Das Engagement des Pfarrers Hänel, seiner Familie und Gemeinde endet dabei nicht an der Kirchenpforte, sondern zieht sich bis in das Wohnzimmer von Familie Hänel. Man hilft beim Erlernen der deutschen Sprache, bei Behördengängen und dem Schriftverkehr mit Ämtern, bei Arbeitssuche, Wohnungsvermittlung und im Alltag. Man lernt gemeinsam, arbeitet gemeinsam, speist gemeinsam und feiert zusammen Gottesdienste, auch auf Farsi, Arabisch und Urdu. Das "Vater Unser" hängt im Vorraum inzwischen in 15 Sprachen aus. Als Brückenbauer, meine man es ernst mit dem Evangelium, sagte Pfarrerin Haase, "möge ihr Engagement viele Anstecken und ihnen Mut machen".
Man verstehe unter der Ökumene die Arbeit für alle schutzsuchenden Bewohner der Erde, den nichts anderes als "Erdkreis" habe Ökumene ursprünglich bedeutet. In diesem Sinne verstehe man sich als weltoffene Gemeinde, sagte Hänel in seiner Dankesrede. "Es sind viel, viel mehr als hier vorne stehen", so der Pfarrer, der in Begleitung einiger Gemeindemitglieder gekommen war. Anders ginge es auch gar nicht, der eine helfe bei den Finanzen, der andere mit dem Auto oder der offenen Wohnung. Es sei schon lange vor der ganzen Flüchtlingsgeschichte Tradition das in dieser Gemeinde in jedem Gottesdienst der Verfolgten Gedacht werde. Die Arbeit sei eine sehr persönliche und immer wieder auch eine Herausforderung, auch für seine Familie, sagte Hänel, man diskutiere viel, mache das aber mit Freude, "die Aufgabe ist einfach dran".
Drei Wünsche äußerte Hänel zum Schluss: ehrlicher müsse man miteinander umgehen und offen ansprechen was es für Probleme gibt, sei es der Umgang mit Frauen, Anfeindungen von Christen in den Heimen oder auch ungeduldige Forderungen von Geflüchteten. Der zweite Wunsch: mehr Vetrauen. Zum einen von den Hilfesuchenden selbst, zum anderen von den Ämtern und Behörden. Man sei kein "seltsames Gegenüber" sondern ein Miteinander. Er stelle es groß in Frage wenn eine Bundesbehörde, ein weltliches Amt, es bezweifele das man rechtmäßig getauft habe, sagte Hänel. Sein letzter Wunsch: mehr Klarheit. Man solle seinen Glauben fröhlich und offen leben und mit Liebe dazu einladen.
Mit der Auszeichnung verbunden ist ein Preis in Höhe von 1.500 Euro. Was man mit dem Geld machen wolle, das wisse man noch nicht, sagte Hänel im Anschluss, das werde man noch entscheiden. Gemeinsam, versteht sich.
Angelo Glashagel
Autor: red"Noch bevor sich der Kalender wendet beginnt das Kirchenjahr und wendet sich dem neuen zu", Superintendent Andreas Schwarze begrüßte in der Frauenbergkirche heute Abend unter dem Beisein zahlreicher Gäste das neue Kirchenjahr. Mit dem Neubeginn sei auch neue Hoffnung verbunden, predigte Schwarze, den Weg frei machen für Gottes Herrlichkeit, Tiefen überwinden auch wenn es schwer fällt und frische Kraft schöpfen - das war die Kernbotschaft die der Superintendent den versammelten Gästen mit auf dem Weg in das neue Jahr gab. Die eigentlich Aufgabe der Adventszeit sei nicht die Vorbereitung auf das Fest, das Warten auf die Weihnacht, sondern sondern "ebene Bahnen zu schaffen" und in sich selbst "aufzuräumen". Die Aufgaben vor einem solle man nicht als bedrückend sehen, sondern als zu bewältigen.
Für musikalische Abwechslung sorgte das Nordhäuser Männerquartett (Foto: Regina Englert)
Aufgaben wird die evangelische Kirche im kommenden Jahr viele haben, in den letzten zwölf Monaten der "Lutherdekade" wartet man auch im Südharz noch einmal mit einer ganzen Reihe an Programmangeboten rund um das 500. Reformationsjubiläum auf. Für das kulturelle Rahmenprogramm sorgten am Abend nicht allein die sakralen Lieder aus den Kehlen der versammelten Gemeinde, sondern auch das Nordhäuser Männerquartett, das klassische Choräle und alte wie auch moderne Lieder präsentierte. Es sei das erste Jubiläum, welches mit einer Botschaft der Ökumene, der konfessionellen Versöhnung von Katholiken und Protestanten einhergehe, sagte Propst Dr. Christian Stawenow, Regionalbischof aus Eisenach. Man habe auf dem Weg vom Konflikt zur Gemeinschaft in den letzten zehn Jahren viele Meilensteine gesehen. Stawenow ging dabei auch auf die dunklen Kapitel der reformatorischen Bewegung von Ketzerprozessen bis Hexenverbrennung und Judenfeindschaft mit ihren Folgen gerade für die deutsche Gesellschaft ein. Enttäuscht das sich die Juden nicht der Reformation anschlossen rief der große Reformator Luther selbst dazu auf die Juden zu vertreiben und ihre Synagogen nieder zu brennen. Vermischt mit der Rassenideologie der Nationalsozialisten mündete der Judenhass schließlich im Holocaust. Heute habe man sich von Luthers Judenfeindschaft unmissverständlich distanziert, sagte der Regionalbischof, und schlug den Bogen zum Verhältnis zum Islam. Hier offenbare sich ein großes Wissensdefizit und man müsse erkennen das der Islam auch ein "Universum" verschiedener Strömungen und Auslegungstraditionen darstelle, Alleinvertretungsansprüchen auf die absolute Wahrheit von Fanatikern, islamisch wie auch christlich, erteilte der Propst dabei eine deutliche Absage.
Man habe eine Wandlung von konfessionalistischen Denken hin zur Ökumene erlebt und auf der anderen, der weltlichen Seite weg vom nationalistischen zum globalen Denken, auch wenn ersteres zur Zeit versuche wieder an Einfluss zu gewinnen. Man sehe sich der Gefahr über das die Welt zu weit und zu kompliziert erscheine, das man nach einfachen Antworten suche. Ihre Kompliziertheit und ihre Weite müsse man aber anerkennen. Gott führe in die Weite, so wie die Reformation in die Weite geführt habe. Die Dekade habe ihm einen großen Erkenntnisgewinn gebracht, so..., sie sei weniger Event als vielmehr Besinnung gewesen.
Die Laudatio hielt Pfarrerin Cordula Haase (Foto: Regina Englert)
Es fiel der Pfarrerin Cordula Haase vom Lothar-Kreyssig Ökumenezentrum zu die Laudatio auf die diesjährigen Preisträger des Ökumenepreises zu halten. Die Auszeichnung nahm in diesem Jahr Matthias Hänel entgegen, Pfarrer der Gemeinde Nordhausen Salza-Niedersalza. "Was sie wohl in besonderer Weise auszeichnet sind offene Türen und offene Herzen für Menschen die hier in Deutschland und in Nordhausen Zuflucht suchen, offene Türen und Herzen für Menschen aus anderen Kulturkreisen", sagte die Pfarrerin. Seit sieben Jahren engagiert man sich in der Gemeinde in der Flüchtlingshilfe, mit viel Zeit, Raum und Herausforderung. Das sei für Pfarrer Hänel nicht etwa eine "zweite Aufgabe" neben der Gemeindearbeit sondern ein unmittelbarer Teil derselben. "Sie haben die Menschen in ihrer Ehre geachtet und in ihrer Würde geschützt. Wo sie sich anderen Menschen zuwenden, lassen Sie sie das spüren. Dazu gehört Leibsorge, Seelsorge, Schutz des Lebens, das Bemühen dem anderen gerecht zu werden, die Sprache des Herzens zu sprechen um sich zu verständigen." sagte Cordula Haase. "Es ist eine große Herausforderung jedem Einzelnen gerecht zu werden, darauf haben sie sich eingelassen. Sie haben Menschen das Ankkommen erleichtert", so die Pfarrerin in ihrer Laudatio, Humanitäre Hilfe brauche zuweilen Mut und Zivilcourage, in Salza habe man "das Maximum an Schutz und Gastfreundschaft gewährt, das einer Gemeinde möglich ist."
"Alleine geht es gar nicht" - Pfarrer Matthias Hänel hatte einige Gemeindemitglieder mitgebracht (Foto: Regina Englert)
Dotiert ist der Ökumene-Preis mit 1.500 Euro, Blumen und vielen Glückwünschen.
"Ich bin fremd gewesen und ihr habt mich aufgenommen. Was ihr einem von diesen meinen Brüder getan habt, das habt ihr mir getan", heißt es bei Matthäus. In der Offenheit für die Arbeit und Begegnung mit Schutzsuchenden Flüchtlingen finde die Gemeinde immer wieder zu den Wurzeln des Glaubens und des Evangeliums. In den Gottesdiensten versammeln sich inzwischen Menschen aus bis zu sieben Nationen. Das Engagement des Pfarrers Hänel, seiner Familie und Gemeinde endet dabei nicht an der Kirchenpforte, sondern zieht sich bis in das Wohnzimmer von Familie Hänel. Man hilft beim Erlernen der deutschen Sprache, bei Behördengängen und dem Schriftverkehr mit Ämtern, bei Arbeitssuche, Wohnungsvermittlung und im Alltag. Man lernt gemeinsam, arbeitet gemeinsam, speist gemeinsam und feiert zusammen Gottesdienste, auch auf Farsi, Arabisch und Urdu. Das "Vater Unser" hängt im Vorraum inzwischen in 15 Sprachen aus. Als Brückenbauer, meine man es ernst mit dem Evangelium, sagte Pfarrerin Haase, "möge ihr Engagement viele Anstecken und ihnen Mut machen".
Man verstehe unter der Ökumene die Arbeit für alle schutzsuchenden Bewohner der Erde, den nichts anderes als "Erdkreis" habe Ökumene ursprünglich bedeutet. In diesem Sinne verstehe man sich als weltoffene Gemeinde, sagte Hänel in seiner Dankesrede. "Es sind viel, viel mehr als hier vorne stehen", so der Pfarrer, der in Begleitung einiger Gemeindemitglieder gekommen war. Anders ginge es auch gar nicht, der eine helfe bei den Finanzen, der andere mit dem Auto oder der offenen Wohnung. Es sei schon lange vor der ganzen Flüchtlingsgeschichte Tradition das in dieser Gemeinde in jedem Gottesdienst der Verfolgten Gedacht werde. Die Arbeit sei eine sehr persönliche und immer wieder auch eine Herausforderung, auch für seine Familie, sagte Hänel, man diskutiere viel, mache das aber mit Freude, "die Aufgabe ist einfach dran".
Drei Wünsche äußerte Hänel zum Schluss: ehrlicher müsse man miteinander umgehen und offen ansprechen was es für Probleme gibt, sei es der Umgang mit Frauen, Anfeindungen von Christen in den Heimen oder auch ungeduldige Forderungen von Geflüchteten. Der zweite Wunsch: mehr Vetrauen. Zum einen von den Hilfesuchenden selbst, zum anderen von den Ämtern und Behörden. Man sei kein "seltsames Gegenüber" sondern ein Miteinander. Er stelle es groß in Frage wenn eine Bundesbehörde, ein weltliches Amt, es bezweifele das man rechtmäßig getauft habe, sagte Hänel. Sein letzter Wunsch: mehr Klarheit. Man solle seinen Glauben fröhlich und offen leben und mit Liebe dazu einladen.
Mit der Auszeichnung verbunden ist ein Preis in Höhe von 1.500 Euro. Was man mit dem Geld machen wolle, das wisse man noch nicht, sagte Hänel im Anschluss, das werde man noch entscheiden. Gemeinsam, versteht sich.
Angelo Glashagel

