Crashkurs für Bienenfreunde
Ein honigsüßes Hobby
Sonntag, 20. November 2016, 12:37 Uhr
Sie sind klein, sie sind fleißig und nicht nur nützlich, sondern unverzichtbar. Die Rede ist von Bienen. In Zeiten, in denen selber machen immer beliebter wird, gelangt auch die Bienenzucht zu neuer Popularität. In Niedersachswerfen versammelten sich gestern potentielle Nachwuchsimker um zu erfahren, wie man seine Völker sicher durch das Bienenjahr begleitet...
1,4 Kilogramm Honig verbraucht der Deutsche im Schnitt pro Jahr, weiß die Statistik, das sind rund 90.000 Tonnen. Aus heimischer Produktion stammen gerade mal 15.000 bis 20.000 Tonnen, der Rest kommt aus aller Welt. Doch das ändert sich gerade. Der Schnupperkurs rund um die Honigbiene zu dem die Südharzer Imkergemeinschaft gestern geladen hatte, fand regen Zuspruch. Es war nicht das erste mal, seit Jahren nimmt die Zahl der Privat- und Hobbyimker zu. Wolte man Lehrgänge wie die der Südharzer Imker besuchen, musste man früher bis nach Weimar fahren, heute gibt es sie im gesamten Freistaat.
Andreas Danner freut die Entwicklung. Er selber hat sich 2011 einen 40 Jahre lang gehegten Traum erfüllt, schon als Junge hatte ihn der Nachbar der Großmutter mit zu seinen Bienen genommen. Die Zeit war da, das Grundstück war da - irgendwann hat alles gepasst, erzählte Danner, die Erfahrungen, die er gemacht hat gab er gestern an potentielle Neuimker weiter. Denn mit Blume plus Biene gleich Honig ist es nicht getan. Jeder Imker entwickele seine eigenen Arbeitsweisen und Vorlieben, zwei Imker fünf Meinungen scherzt man unter Bienenfreunden, das fängt schon bei der Wahl des Volkes an.
In Mitteleuropa imkert man vor allem mit Carnica und Buckfast, beliebt wegen ihrer Wabenstetigkeit - soll heißen die kleinen Tiere tendieren eher dazu auf ihrer Wabe sitzen zu bleiben wenn der Imker kommt, als wild umherzufliegen. Insgesamt gibt es rund 560 verschiedene Arten von Wildbienen, gerade einmal 10 davon stechen tatsächlich auch.
Schnupperkurs für angehende Imker - selber machen liegt im Trend, auch die Bienenzucht wird wieder beliebter (Foto: Angelo Glashagel)
Viel Aufwand muss man für die Imkerei nicht betreiben, Profis wenden pro Volk ungefähr sieben Stunden auf. Im Jahr. Vor allem der Anfang ist schwer, auch weil die Möglichkeiten vielfältig sind. Welche Beute, also welche Art von künstlichem Bienenstock, ist für mich am besten? In Deutschland kann man hier aus einer Vielzahl an Systemen wählen, aus Holz oder Kunststoff, groß oder klein – welche es am Ende wird ist der Biene egal, der Imker muss die Beute finden, die am besten zu ihm oder ihr passt. Ein bisschen Muskelkraft sollte man auch mitbringen, bis zu 25 Kilogramm wiegen die einzelnen Segmente der Beute.
Wie die Kästen aufgebaut sind und welchen Sinn die einzelnen Teile haben wurde ebenso geklärt, wie mögliche Standorte für die eigenen Völker. Wie viele Schwärme sind für den Anfang gut? Was passiert eigentlich in der Beute? Wie entwickeln sich die Bienen? Wann und wie erntet man den Honig? Was macht man mit dem Wachs? Und was bitte tut man wenn es Zeit fürs schwärmen ist?
Letzteres ist die natürliche Art und Weise der Bienenvölker sich zu vermehrren. Der Schwarm spaltet sich, die alte Königin macht einer neuen Platz und nimmt einen Teil ihres Hofstaates mit sich. Bienen sind wilde Tiere, die hören auf kein Kommando und machen was sie wollen, erklärte Danner seinen Zuhörern, die Kunst des Imkerns besteht darin, sich die natürlichen Verhaltensweisen der Tiere bei der Schwarmpflege zu nutze zu machen. Das Bienenjahr beginnt zwischen Februar und März, da regt es sich so langsam in der Natur und auch im Bienenstock. Bis dahin haben die Bienen eng beieinander hängend in ihrer angenehm temperierten Heimstatt verbracht und von ihren Vorräten gezehrt. Die erste Honigernte erwartet man im Juni, Ende August geht das Jahr der Biene auch schon wieder seinem Ende entgegen. Den Imker beschäftigt noch die Beutenpflege und die Vorbereitungen für das kommende Jahr. Wichtig und vom Gesetz vorgegeben ist der Kampf gegen Krankheitserreger wie die Varroamilbe. Die wurde vom Menschen aus dem asiatischen Raum eingeschleppt, die hiesigen Bienen haben den Plagegeistern nicht viel entgegen zu setzen. Ein wilder Schwarm hat heute eigentlich keine Chance mehr, sagt der Imker. Die Milben setzen sich auf die Larven, die fertigen Bienen kommen verkrüppelt zur Welt, der Schwarm stirbt Stück für Stück, wenn der Mensch nicht helfend eingreift. Methoden den Milben zu Leibe zu rücken gibt es verschiedene, vom Einsatz von Ameisensäure und ätherischen Ölen bishin zu medizinischen Präparaten.
An sich ist imkern nicht schwer, Anfänger werden von der Vielfalt der Möglichkeiten aber schnell überwältigt (Foto: Angelo Glashagel)
Für die Grundausstattung mit Schutzkleidung, Smoker, Besen, Stockmeißel und Co. (und natürlich ein Volk) legt man inzwischen 280 und 350 Euro hin. Teurer wird es wenn es um die Honiggewinnung geht, eine Honigschleuder schlägt mit rund 400 Euro zu Buche, die kann man sich am Anfang aber auch ausleihen, meint …. Die Anschaffungkosten amortisieren sich früher oder später wieder, wenn man seinen Honig auch verkauft, viele Imker beschränken sich aber auch auf den Eigenverbrauch, oder beschenken Nachbarn und Freunde.
Einfach loszuimkern, davon raten die Experten ab. Ein Crashkurs in Sachen Biene wie gestern reicht nicht, es zählt die Erfahrung. Besser sei es deswegen, einen Bienenpaten zu finden, also einen erfahrenen Imker, den man über das Bienenjahr begleitet. Hilfe gibt es auch in den verschiedenen Vereinen, die Südharzer Imker nennen das ihr rundum-sorglos-Paket. Neben praktischen Vorführungen wie gestern und den Bienenpaten hilft man auch beim Erwerb der richtigen Ausrüstung, berät beim beantragen von Fördermitteln.
Im neuen Jahr wird man noch einmal tiefer in die Materie eintauchen können, an sechs Wochenende wollen die Südharzer Bienenfreunde angehenden Neuimker bereit machen für ein erfolgreiches Bienenjahr und reiche Ernte.
Angelo Glashagel
Autor: red1,4 Kilogramm Honig verbraucht der Deutsche im Schnitt pro Jahr, weiß die Statistik, das sind rund 90.000 Tonnen. Aus heimischer Produktion stammen gerade mal 15.000 bis 20.000 Tonnen, der Rest kommt aus aller Welt. Doch das ändert sich gerade. Der Schnupperkurs rund um die Honigbiene zu dem die Südharzer Imkergemeinschaft gestern geladen hatte, fand regen Zuspruch. Es war nicht das erste mal, seit Jahren nimmt die Zahl der Privat- und Hobbyimker zu. Wolte man Lehrgänge wie die der Südharzer Imker besuchen, musste man früher bis nach Weimar fahren, heute gibt es sie im gesamten Freistaat.
Andreas Danner freut die Entwicklung. Er selber hat sich 2011 einen 40 Jahre lang gehegten Traum erfüllt, schon als Junge hatte ihn der Nachbar der Großmutter mit zu seinen Bienen genommen. Die Zeit war da, das Grundstück war da - irgendwann hat alles gepasst, erzählte Danner, die Erfahrungen, die er gemacht hat gab er gestern an potentielle Neuimker weiter. Denn mit Blume plus Biene gleich Honig ist es nicht getan. Jeder Imker entwickele seine eigenen Arbeitsweisen und Vorlieben, zwei Imker fünf Meinungen scherzt man unter Bienenfreunden, das fängt schon bei der Wahl des Volkes an.
In Mitteleuropa imkert man vor allem mit Carnica und Buckfast, beliebt wegen ihrer Wabenstetigkeit - soll heißen die kleinen Tiere tendieren eher dazu auf ihrer Wabe sitzen zu bleiben wenn der Imker kommt, als wild umherzufliegen. Insgesamt gibt es rund 560 verschiedene Arten von Wildbienen, gerade einmal 10 davon stechen tatsächlich auch.
Schnupperkurs für angehende Imker - selber machen liegt im Trend, auch die Bienenzucht wird wieder beliebter (Foto: Angelo Glashagel)
Viel Aufwand muss man für die Imkerei nicht betreiben, Profis wenden pro Volk ungefähr sieben Stunden auf. Im Jahr. Vor allem der Anfang ist schwer, auch weil die Möglichkeiten vielfältig sind. Welche Beute, also welche Art von künstlichem Bienenstock, ist für mich am besten? In Deutschland kann man hier aus einer Vielzahl an Systemen wählen, aus Holz oder Kunststoff, groß oder klein – welche es am Ende wird ist der Biene egal, der Imker muss die Beute finden, die am besten zu ihm oder ihr passt. Ein bisschen Muskelkraft sollte man auch mitbringen, bis zu 25 Kilogramm wiegen die einzelnen Segmente der Beute.
Wie die Kästen aufgebaut sind und welchen Sinn die einzelnen Teile haben wurde ebenso geklärt, wie mögliche Standorte für die eigenen Völker. Wie viele Schwärme sind für den Anfang gut? Was passiert eigentlich in der Beute? Wie entwickeln sich die Bienen? Wann und wie erntet man den Honig? Was macht man mit dem Wachs? Und was bitte tut man wenn es Zeit fürs schwärmen ist?
Letzteres ist die natürliche Art und Weise der Bienenvölker sich zu vermehrren. Der Schwarm spaltet sich, die alte Königin macht einer neuen Platz und nimmt einen Teil ihres Hofstaates mit sich. Bienen sind wilde Tiere, die hören auf kein Kommando und machen was sie wollen, erklärte Danner seinen Zuhörern, die Kunst des Imkerns besteht darin, sich die natürlichen Verhaltensweisen der Tiere bei der Schwarmpflege zu nutze zu machen. Das Bienenjahr beginnt zwischen Februar und März, da regt es sich so langsam in der Natur und auch im Bienenstock. Bis dahin haben die Bienen eng beieinander hängend in ihrer angenehm temperierten Heimstatt verbracht und von ihren Vorräten gezehrt. Die erste Honigernte erwartet man im Juni, Ende August geht das Jahr der Biene auch schon wieder seinem Ende entgegen. Den Imker beschäftigt noch die Beutenpflege und die Vorbereitungen für das kommende Jahr. Wichtig und vom Gesetz vorgegeben ist der Kampf gegen Krankheitserreger wie die Varroamilbe. Die wurde vom Menschen aus dem asiatischen Raum eingeschleppt, die hiesigen Bienen haben den Plagegeistern nicht viel entgegen zu setzen. Ein wilder Schwarm hat heute eigentlich keine Chance mehr, sagt der Imker. Die Milben setzen sich auf die Larven, die fertigen Bienen kommen verkrüppelt zur Welt, der Schwarm stirbt Stück für Stück, wenn der Mensch nicht helfend eingreift. Methoden den Milben zu Leibe zu rücken gibt es verschiedene, vom Einsatz von Ameisensäure und ätherischen Ölen bishin zu medizinischen Präparaten.
An sich ist imkern nicht schwer, Anfänger werden von der Vielfalt der Möglichkeiten aber schnell überwältigt (Foto: Angelo Glashagel)
Für die Grundausstattung mit Schutzkleidung, Smoker, Besen, Stockmeißel und Co. (und natürlich ein Volk) legt man inzwischen 280 und 350 Euro hin. Teurer wird es wenn es um die Honiggewinnung geht, eine Honigschleuder schlägt mit rund 400 Euro zu Buche, die kann man sich am Anfang aber auch ausleihen, meint …. Die Anschaffungkosten amortisieren sich früher oder später wieder, wenn man seinen Honig auch verkauft, viele Imker beschränken sich aber auch auf den Eigenverbrauch, oder beschenken Nachbarn und Freunde.
Einfach loszuimkern, davon raten die Experten ab. Ein Crashkurs in Sachen Biene wie gestern reicht nicht, es zählt die Erfahrung. Besser sei es deswegen, einen Bienenpaten zu finden, also einen erfahrenen Imker, den man über das Bienenjahr begleitet. Hilfe gibt es auch in den verschiedenen Vereinen, die Südharzer Imker nennen das ihr rundum-sorglos-Paket. Neben praktischen Vorführungen wie gestern und den Bienenpaten hilft man auch beim Erwerb der richtigen Ausrüstung, berät beim beantragen von Fördermitteln.
Im neuen Jahr wird man noch einmal tiefer in die Materie eintauchen können, an sechs Wochenende wollen die Südharzer Bienenfreunde angehenden Neuimker bereit machen für ein erfolgreiches Bienenjahr und reiche Ernte.
Angelo Glashagel





