nnz-online
ERNST RILK AUS HAINRODE WAR:

Bürgermeister mit Leib und Seele

Mittwoch, 16. November 2016, 18:37 Uhr
Seine ersten Schritte als Bürgermeister der Gemeinde Hainrode ging der gelernte Polsterer und Dekorateur Ernst Rilk an einem Maitag des Jahres 1973. Als er das Büro im Bürgermeisteramt des Dorfes betrat, ahnte er nicht, dass er 37 Jahre lang die Geschicke des Dorfes bestimmen würde. Am Montag verstarb er...


Bürgermeister mit Leib und Seele: Ernst Rilk (Foto: Kurt Frank) Bürgermeister mit Leib und Seele: Ernst Rilk (Foto: Kurt Frank) Hainrode. Fast vier Jahrzehnte Bürgermeister. Ein Novum im Südharz. Der damals 38-Jährige aber brachte mit, was für dieses Amt notwendig war: Zuversicht, einen starken Willen, ein Konzept, Stehvermögen und eine verständnisvolle Frau. Ich lernte ihn kennen, da arbeitete er noch in der PGH „Schönes Heim“. Für die Lokalredaktion hatte er eine Sitzbank gefertigt.

Er war einer meiner Lieblingsbürgermeister, weshalb ich ihn gern besuchte. Es war für einen Zeitungsmenschen angenehm, mit ihm zu plaudern. Über die Jahre hinweg lernte ich ihn schätzen. Ernst war Bürgermeister mit Leib und Seele. Auch in schwierigen Zeiten duckte er sich nicht unter dem Wind.

In den Blickpunkt wollte er sein geliebtes Dorf rücken. Über Kreisgrenzen hinaus sollte es bekannt werden. Das war sein Ehrgeiz, der ihn all die Jahre nicht mehr losließ. So war ihm bei einem Spaziergang durch das anmutige Teichtal die Idee gekommen, diese landschaftliche Idylle für die Erholung vieler Menschen nutzbar zu machen. Heute kommen Erholung Suchende aus allen Bundesländern in das „kleine Paradies“, wie es Besucher nennen. Mit Kind und Kegel.

Die Augen des Gemeindeoberhauptes strahlten, wenn er mir über Erfolge für sein Dorf berichtete. Unter seiner Regie blühte die Gemeinde auf: zentrale Wasserversorgung, intakte Gehwege und Straßen, Parkplatz, altersgerechtes Wohnhaus, ein reges gesellschaftliches Leben und anderes mehr.

In seinem Amtszimmer hingen zahlreiche Urkunden. Mehrmals wurde Hainrode „Schönster Ort des Kreises“ und darf sich außerdem „Staatlich anerkannter Erholungsort“ nennen. Auf die Ehrenurkunde im Bundeswettbewerb „Umweltfreundliche Verkehrsorte in Deutschland“, die er von der damaligen Bundesministerin für Umwelt und Naturschutz und heutigen Bundeskanzlerin, Angela Merkel, empfing, und auf den „Verdienstorden am Bande“ war Ernst besonders stolz.

Ohne die Hilfe vieler Einwohner und der Tatkraft meiner Ratsmitglieder wäre all das nicht möglich geworden, betonte er mir gegenüber immer wieder. Einen Durchhänger hatte er im Wendejahr 1989/90. Wie würde man ihn beurteilen? Vielleicht als „roten Socken“ bezeichnen, den man aus dem Amt jagen müsse. Zweifel, die ihn beschäftigten.

Niemand im Ort aber war ernsthaft auf den Gedanken gekommen, seine Person in Frage zu stellen. Das Dorf setzte auf Kompetenz und Sachverstand. Über 90 Prozent der Einwohner gaben ihm bei der nächsten Wahl das Vertrauen als Gemeindeoberhaupt. Es setzte sich in den Jahren danach fort.

Um nicht in den Wendejahren über den Tisch gezogen zu werden und vertraut mit den neuen Gesetzlichkeiten zu sein, drückte der Bürgermeister nochmals die Schulbank und schloss die Prüfung zum Verwaltungsfachwirt im gehobenen Dienst mit Bravour ab.

Im Juni des Jahres 2010 kam das Ende seiner Ära. Nach 37 Jahren verließ Ernst die Kommandobrücke. Da war er 75. Der Ruhestand war redlich verdient. Auch mich hatte er zur Abschiedsfeier eingeladen. Sein letzter Auftritt erfolgte im Saal der Gaststätte „Lindenüber“.

Prominentester Gast war die damalige Ministerpräsidentin des Landes Thüringen, Christine Lieberknecht. Sie nannte den aus dem Amt Scheidenden einen „wahren Menschen“, der sich uneigennützig für seine Gemeinde einsetzte. Ein „Vorbild, das Geschichte schrieb“, befand auch Joachim Claus, damals Landrat.

Ich bin mir sicher: In den Annalen der Gemeindegeschichte wird Ernst Rilk einen würdigen Platz finden.
Kurt Frank
Autor: nnz

Drucken ...
Alle Texte, Bilder und Grafiken dieser Web-Site unterliegen dem Urherberrechtsschutz.
© 2026 nnz-online.de