IHK: Konjunktur kühlt sich ab
Donnerstag, 26. Juli 2001, 12:57 Uhr
Nordhausen/Erfurt (nnz/ihk). Die Ergebnisse der aktuellen Konjunkturanalyse der Industrie- und Handelskammer Erfurt unter 1.078 Unternehmern zeigen, dass sich die regionale Wirtschaft nicht von den bundesweiten Abschwächungstendenzen abkoppeln kann. Erste Auswirkungen der Abkühlung der Weltkonjunktur auf die konjunkturelle Dynamik im Kammerbezirk sind also nicht zu übersehen. Mehr dazu mit einem Klick auf MEHR.
Der Konjunkturklimaindex, der sowohl die aktuelle Geschäftslage der Firmen als auch die Erwartungen und Pläne berücksichtigt, erreichte 120 von 200 möglichen Prozentpunkten und sank zur vorhergehenden Befragung um 18 Punkte. Damit wurde das pessimistischste Lageurteil seit fünf Jahren abgegeben. Ausschlaggebend für das schlechte Ergebnis ist vor allem die Einschätzung der nächsten Monate. So beurteilen 33 Prozent der Firmen ihre zukünftige Geschäftslage skeptisch, zum Jahreswechsel gaben nur 16 Prozent ein negatives Urteil ab. Die derzeitige Konjunkturlage bewerten immerhin noch 77 Prozent der Firmen als gut bzw. befriedigend.
Neben den gestiegenen außenpolitischen Risiken hat sich auch das wirtschaftspolitische Klima eingetrübt. Die Unternehmer registrieren einen zunehmend gewerkschaftsorientierten Kurs der Bundesregierung. Maßnahmen wie der gesetzliche Anspruch auf Teilzeit oder die Reform der Betriebsverfassung haben den Mittelstand demotiviert. Auch die Rücknahme der Wachstumsprognosen von Forschungsinstituten und Banken trägt sicherlich zur pessimistischen Stimmung bei.
Die Abkühlung der Konjunktur hat sich bisher nicht negativ auf die Investitionspläne der Unternehmen ausgewirkt. Immerhin 58 Prozent der Befragten planen ein höheres bzw. gleichbleibendes Budget für Investitionen ein. Alarmierend die Beschäftigungspläne der Betriebe. Lediglich 17 Prozent aller befragten Unternehmen beabsichtigen, Personal einzustellen, 28 Prozent kündigen dagegen Entlassungen an. Die aktuelle Arbeitslosenquote von 15,9 Prozent liegt immer noch deutlich über dem Bundesdurchschnitt.
Branchen im Focus:
Der nachlassende Schwung der wirtschaftlichen Entwicklung zeigt sich auch im Votum der Industrieunternehmen. Der Geschäftsklima-Indikator liegt 20 Prozentpunkte unter dem Niveau der vorhergehenden Befragung. So berichten nur 17 Prozent der Firmen von einer verbesserten Gewinnlage, zum Jahreswechsel waren es noch 44 Prozent. Dennoch bleibt die Exportzuversicht der Firmen groß. Immerhin knapp 60 Prozent der befragten Unternehmen erwarten in den nächsten Monaten ein lebhaftes Auslandsgeschäft. Der industrielle Bereich bleibt das eindeutige Zugpferd der regionalen Konjunkturentwicklung. Jedes dritte Unternehmen bewertet seine gegenwärtige wirtschaftliche Situation noch mit dem Prädikat gut.
Das Baugewerbe bleibt weiterhin das konjunkturelle Schlusslicht. Die Baupreise sind am Boden und ermöglichen den Unternehmern kaum noch Gewinne. Preisdumping, Schwarzarbeit sowie eine schlechte Zahlungsmoral erschweren die Situation bei sinkender Baunachfrage. Der Prozess der schmerzhaften Strukturanpassung setzt sich unvermindert fort.
Die Umsätze im Thüringer Einzelhandel sind in den ersten beiden Monaten im Vergleich zum Vorjahr um 2 Prozent gesunken, die Beschäftigtenzahlen gingen um 4,7 Prozent zurück. Gründe für diese Entwicklung sehen die Händler vor allem beim Kursverfall an den Börsen und den stark gestiegenen Rohölpreisen, auf die die Branche wie ein Seismograf reagiert. Außerdem fließt immer weniger privates Einkommen in den Einzelhandel, sondern wird zunehmend in Reisen, Dienstleistungen und den Freizeitbereich investiert. Die von der Bundesregierung angekündigte Einführung eines so genannten Zwangspfands für nicht recyclebare Verpackungen bezeichnen die Händler als Katastrophe. Auch der Thüringer Großhandel muss Umsatzeinbußen verkraften.
Die Gesamtsituation im Verkehrsgewerbe ist angesichts der Preisexplosion bei den Kraftstoffen nach wie vor schwierig. Auch künftig sehen die Unternehmen kaum Chancen, einen Teil der Kostensteigerung auf die Transportpreise umzulegen.
Das Konjunkturklima im Gastgewerbe hat sich wieder verschlechtert. Während jeder Bundesbürger im Jahr für etwa tausend Mark gastronomische Leistungen in Anspruch nimmt, war bei einem Thüringer bislang bei knapp 700 Mark Schluss. Im Dienstleistungsgewerbe beeinflussen vor allem die positiven Lageurteile der unternehmensnahen Dienstleister das Stimmungsbild der Branche. Vor allem die verstärkte Nutzung von Informations- und Kommunikationstechniken verspricht eine hohe Wachstumsdynamik.
Fazit: Der Export wird in den nächsten Monaten Motor der Konjunktur bleiben, obwohl sich das Wachstumstempo in der Industrie deutlich verlangsamt hat. Die Lage im Baugewerbe spitzt sich dramatisch zu. Optimistisch bleiben die Manager im unternehmensnahen Dienstleistungsgewerbe.
nnz setzt die Berichterstattung in den kommenden Tagen fort.
Autor: nnzDer Konjunkturklimaindex, der sowohl die aktuelle Geschäftslage der Firmen als auch die Erwartungen und Pläne berücksichtigt, erreichte 120 von 200 möglichen Prozentpunkten und sank zur vorhergehenden Befragung um 18 Punkte. Damit wurde das pessimistischste Lageurteil seit fünf Jahren abgegeben. Ausschlaggebend für das schlechte Ergebnis ist vor allem die Einschätzung der nächsten Monate. So beurteilen 33 Prozent der Firmen ihre zukünftige Geschäftslage skeptisch, zum Jahreswechsel gaben nur 16 Prozent ein negatives Urteil ab. Die derzeitige Konjunkturlage bewerten immerhin noch 77 Prozent der Firmen als gut bzw. befriedigend.
Neben den gestiegenen außenpolitischen Risiken hat sich auch das wirtschaftspolitische Klima eingetrübt. Die Unternehmer registrieren einen zunehmend gewerkschaftsorientierten Kurs der Bundesregierung. Maßnahmen wie der gesetzliche Anspruch auf Teilzeit oder die Reform der Betriebsverfassung haben den Mittelstand demotiviert. Auch die Rücknahme der Wachstumsprognosen von Forschungsinstituten und Banken trägt sicherlich zur pessimistischen Stimmung bei.
Die Abkühlung der Konjunktur hat sich bisher nicht negativ auf die Investitionspläne der Unternehmen ausgewirkt. Immerhin 58 Prozent der Befragten planen ein höheres bzw. gleichbleibendes Budget für Investitionen ein. Alarmierend die Beschäftigungspläne der Betriebe. Lediglich 17 Prozent aller befragten Unternehmen beabsichtigen, Personal einzustellen, 28 Prozent kündigen dagegen Entlassungen an. Die aktuelle Arbeitslosenquote von 15,9 Prozent liegt immer noch deutlich über dem Bundesdurchschnitt.
Branchen im Focus:
Der nachlassende Schwung der wirtschaftlichen Entwicklung zeigt sich auch im Votum der Industrieunternehmen. Der Geschäftsklima-Indikator liegt 20 Prozentpunkte unter dem Niveau der vorhergehenden Befragung. So berichten nur 17 Prozent der Firmen von einer verbesserten Gewinnlage, zum Jahreswechsel waren es noch 44 Prozent. Dennoch bleibt die Exportzuversicht der Firmen groß. Immerhin knapp 60 Prozent der befragten Unternehmen erwarten in den nächsten Monaten ein lebhaftes Auslandsgeschäft. Der industrielle Bereich bleibt das eindeutige Zugpferd der regionalen Konjunkturentwicklung. Jedes dritte Unternehmen bewertet seine gegenwärtige wirtschaftliche Situation noch mit dem Prädikat gut.
Das Baugewerbe bleibt weiterhin das konjunkturelle Schlusslicht. Die Baupreise sind am Boden und ermöglichen den Unternehmern kaum noch Gewinne. Preisdumping, Schwarzarbeit sowie eine schlechte Zahlungsmoral erschweren die Situation bei sinkender Baunachfrage. Der Prozess der schmerzhaften Strukturanpassung setzt sich unvermindert fort.
Die Umsätze im Thüringer Einzelhandel sind in den ersten beiden Monaten im Vergleich zum Vorjahr um 2 Prozent gesunken, die Beschäftigtenzahlen gingen um 4,7 Prozent zurück. Gründe für diese Entwicklung sehen die Händler vor allem beim Kursverfall an den Börsen und den stark gestiegenen Rohölpreisen, auf die die Branche wie ein Seismograf reagiert. Außerdem fließt immer weniger privates Einkommen in den Einzelhandel, sondern wird zunehmend in Reisen, Dienstleistungen und den Freizeitbereich investiert. Die von der Bundesregierung angekündigte Einführung eines so genannten Zwangspfands für nicht recyclebare Verpackungen bezeichnen die Händler als Katastrophe. Auch der Thüringer Großhandel muss Umsatzeinbußen verkraften.
Die Gesamtsituation im Verkehrsgewerbe ist angesichts der Preisexplosion bei den Kraftstoffen nach wie vor schwierig. Auch künftig sehen die Unternehmen kaum Chancen, einen Teil der Kostensteigerung auf die Transportpreise umzulegen.
Das Konjunkturklima im Gastgewerbe hat sich wieder verschlechtert. Während jeder Bundesbürger im Jahr für etwa tausend Mark gastronomische Leistungen in Anspruch nimmt, war bei einem Thüringer bislang bei knapp 700 Mark Schluss. Im Dienstleistungsgewerbe beeinflussen vor allem die positiven Lageurteile der unternehmensnahen Dienstleister das Stimmungsbild der Branche. Vor allem die verstärkte Nutzung von Informations- und Kommunikationstechniken verspricht eine hohe Wachstumsdynamik.
Fazit: Der Export wird in den nächsten Monaten Motor der Konjunktur bleiben, obwohl sich das Wachstumstempo in der Industrie deutlich verlangsamt hat. Die Lage im Baugewerbe spitzt sich dramatisch zu. Optimistisch bleiben die Manager im unternehmensnahen Dienstleistungsgewerbe.
nnz setzt die Berichterstattung in den kommenden Tagen fort.
