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Areal an der Bäckerstraße

Die letzte Chance für Blick in Unterwelt

Montag, 14. November 2016, 14:21 Uhr
Die Caritas wird nun endlich eine der letzten Baulücken im Herzen von Nordhausen schließen: Das Areal zwischen der Bäckerstraße, der Domstraße und der Kranichstraße soll bebaut werden. Für den Großteil der darunter befindlichen Keller war es das dann. Sie werden verfüllt. Ein letzter Gang in die Nordhäuser Unterwelt...

Das wird künftig der begehbare Abstieg in die Nordhäuser Unterwelt sein. (Foto: nnz) Das wird künftig der begehbare Abstieg in die Nordhäuser Unterwelt sein. (Foto: nnz)
Auf dem Areal wird die Caritas ein Gebäudeensemble bauen, zu dem ein Wohngemeinschafts-Haus für ältere Bewohner gehört, ein öffentlicher, Generationen übergreifenden Quartierstreff mit Begegnungszentrum sowie ein Wohngruppenbereich für 12 Senioren. Soweit die bekannten Fakten.

Heute luden die Stadtverwaltung, die bauausführende Firma, Planer und Architekten zu einem Besuch der Baustelle ein. Und der hatte nahezu historischen Charakter, denn der Großteil der 22 Keller unter der Erdoberfläche, die einst zur Dombrauerei gehörten, soll mit Schotter und mit Schaumbeton verfüllt werden. Lediglich drei Keller werden so saniert, dass sie auch weiterhin eingeschränkt der Öffentlichkeit zugänglich sind. Die Einschränkung bezieht sich auf Begehungen zum Beispiel zum Tag des offenen Denkmals. Als Vorbild könnte der Umgang mit dem Zwinger herhalten, dessen Zugang sich gegenüber der Deutschen Bank befindet.

Mario Manolow vom Stadtplanungsamt berichtete, dass das die Mehrzahl der Keller aus dem 19. Jahrhundert stamme, einige datieren vermutlich bereits aus dem Mittelalter. Sie alle wurden zum Kühlen des gebrauten Gerstensaftes genutzt. Der Boden der tiefsten Keller befindet sich bis zu 12 Meter unter der Erdoberfläche. Die Keller weisen eine Raumhöhe bis zu viereinhalb Meter auf, darüber gibt es vier Meter Erde, die der Isolation gedient haben.

Vier Keller werden, so verlangen es die Statiker, eingedrückt und mit Schotter verfüllt. Darüber wird dann neu gebaut, der Bauantrag werde derzeit im Rathaus geprüft. Mit einem Baubeginn rechnen die Fachleute im Frühjahr kommenden Jahres. Bis dahin müssen die Arbeiten am Nordhäuser Untergrund beendet sein.

Der Zugang zu den dann noch begehbaren Kellern erfolgt über einen zehn Meter in die Tiefe führenden Schacht, in dem eine Treppenanlage eingebaut werden wird. Rund ein Drittel des gesamten Areals wird von der Caritas bebaut. Der Rest sind Aufenthalts- und Grünflächen, es wird in Richtung Bäckerstraße aber auch die Möglichkeit einer weiteren, privaten Wohnbebauung geben.

Dann wird auch dieser Stadtbereich saniert und bebaut sein und eine der letzten städtebaulichen Sünden in Nordhausen zur Geschichte gehören.
Peter-Stefan Greiner
Autor: red

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