Nordhäuser Geschichtsverein
Bad Sachsas hohe Zeiten des Wintersports
Mittwoch, 09. November 2016, 13:59 Uhr
In der Novemberveranstaltung des Nordhäuser Geschichtsvereins ging es diesmal um den Wintersport in Bad Sachsa – Vergangene Hochzeiten. So betitelte Ralph Boehm seinen Vortrag vor den Hobbyhistorikern am Dienstagabend im Nordhäuser Tabakspeicher. nnz mit weiteren Einzelheiten…
Der Referent – ein gebürtiger Hamburger – lebt seit mehreren Jahrzehnten in der niedersächsischen Kleinstadt am Südrand des Harzes und ist als Archivar und Museumsleiter tätig. Unter anderem hat er sich intensiv mit der Entwicklung des Wintersports in seiner Stadt beschäftigt. Mit der Bezeichnung Vergangene Hochzeiten wollte der Referent nicht etwa auf die Feierlichkeiten von Eheschließungen eingehen, vielmehr war es sein Anliegen, die vergangenen hohen Zeiten wintersportlicher Aktivitäten seinen Zuhörern näher zu bringen.
Bad Sachsa – bis 1905 nur Sachsa – warb vor über 100 Jahren vor allem um Gäste aus den wohlhabenden Schichten der Bevölkerung, wie Pensionäre, Offiziere, Unternehmer und reiche Witwen, um die Sommerfrische des Südharzes zu genießen. In der Folge entstanden viele Villen, Pensionen und Hotels, der Straßenbau wurde vorangetrieben, Telefonleitungen verlegt und für Frischwasser gesorgt.
Damals fiel noch reichlich Schnee im Südharz. So kam alsbald das Rodeln auf und wurde als ungemein gesund empfunden. Der nahegelegene Ravensberg mit einer Höhe von 659 Metern bot für die neu entdeckte Freizeitbetätigung ideale Voraussetzungen. In Zeitungsanzeigen wurde häufig für Große Hörnerschlittenpartien bei prächtiger Winterlandschaft geworden. Mit Erfolg. Kein Wunder, dass sich aus einer einstigen Stellmacherei ein Betrieb zur Herstellung von Rodelschlitten entwickelte. Später kam noch die Produktion von Skiern hinzu.
Sachsa bzw. Bad Sachsa pflegte ein reges Vereinsleben. So kam es im Jahr 1911 auch zur Gründung des Winter-Sport-Klubs. Im selben Jahr noch wurde das 1. Wintersportfest veranstaltet. Inzwischen ausgebaute Rodel- und Skibahnen sowie Eiswiesen boten dafür beste Voraussetzungen. Der Ski- und Rodelboom artetete in der Folgezeit jedoch derart aus, dass sich die Stadtoberen gezwungen sahen, in einer Bekanntmachung all denjenigen Geldstrafen bis zu 90 Mark bzw. Haftstrafen anzudrohen, die auf öffentlichen Straßen, Plätzen und Wegen Ski- und Rodelsport betrieben.
Bad Sachs wurde immer bekannter und trug1914 die III. Deutschen Rodelmeisterschaften aus. Die Stadt brachte gar eine Vize-Weltmeisterschaftlerin hervor, die mit einem festlichen Empfang im Rathaus geehrt wurde. Den Rodel- und Skibahnen folgte im Jahr 1950 die erste Sprungschanze, die aus Holzaufbauten bestand und inzwischen nicht mehr existiert. Bei den Deutschen Lenkschlittenmeisterschaften im Jahr 1951 belegten Wintersportbegeisterte aus Bad Sachsa die ersten fünf Plätze.
Der Referent machte am Ende seines Vortrages auf das Heimatmuseum Bad Sachsa aufmerksam. Darin wird zum Beispiel auch die Entwicklung des Wintersports in Wort, Bild und mit Exponaten dargestellt. Zu sehen ist beispielsweise auch der selbst gebaute Lenkschlitten des deutschen Rodelmeisters von 1952 und 1954.
Vereinsvorsitzender Hans-Jürgen Grönke dankte Ralph Boehm für seinen Vortrag, überreichte ihn mehrere Bücher aus der Gelben Reihe und kündigte für das nächste Jahr eine Exkursion der Nordhäuser Geschichtsfreunde nach Bad Sachsa an, bei der auch ein Museumsbesuch geplant ist.
Im Monat Dezember ist kein Vortrag geplant. Dafür treffen sich die Vereinsfreunde am 13.12. um 19.30 Uhr im Nordhäuser Tabakspeicher zu ihrer traditionellen Advents- und Weihnachtsfeier, die wieder einige Überraschungen bereit hält.
Hans-Georg Backhaus
Autor: redDer Referent – ein gebürtiger Hamburger – lebt seit mehreren Jahrzehnten in der niedersächsischen Kleinstadt am Südrand des Harzes und ist als Archivar und Museumsleiter tätig. Unter anderem hat er sich intensiv mit der Entwicklung des Wintersports in seiner Stadt beschäftigt. Mit der Bezeichnung Vergangene Hochzeiten wollte der Referent nicht etwa auf die Feierlichkeiten von Eheschließungen eingehen, vielmehr war es sein Anliegen, die vergangenen hohen Zeiten wintersportlicher Aktivitäten seinen Zuhörern näher zu bringen.
Bad Sachsa – bis 1905 nur Sachsa – warb vor über 100 Jahren vor allem um Gäste aus den wohlhabenden Schichten der Bevölkerung, wie Pensionäre, Offiziere, Unternehmer und reiche Witwen, um die Sommerfrische des Südharzes zu genießen. In der Folge entstanden viele Villen, Pensionen und Hotels, der Straßenbau wurde vorangetrieben, Telefonleitungen verlegt und für Frischwasser gesorgt.
Damals fiel noch reichlich Schnee im Südharz. So kam alsbald das Rodeln auf und wurde als ungemein gesund empfunden. Der nahegelegene Ravensberg mit einer Höhe von 659 Metern bot für die neu entdeckte Freizeitbetätigung ideale Voraussetzungen. In Zeitungsanzeigen wurde häufig für Große Hörnerschlittenpartien bei prächtiger Winterlandschaft geworden. Mit Erfolg. Kein Wunder, dass sich aus einer einstigen Stellmacherei ein Betrieb zur Herstellung von Rodelschlitten entwickelte. Später kam noch die Produktion von Skiern hinzu.
Sachsa bzw. Bad Sachsa pflegte ein reges Vereinsleben. So kam es im Jahr 1911 auch zur Gründung des Winter-Sport-Klubs. Im selben Jahr noch wurde das 1. Wintersportfest veranstaltet. Inzwischen ausgebaute Rodel- und Skibahnen sowie Eiswiesen boten dafür beste Voraussetzungen. Der Ski- und Rodelboom artetete in der Folgezeit jedoch derart aus, dass sich die Stadtoberen gezwungen sahen, in einer Bekanntmachung all denjenigen Geldstrafen bis zu 90 Mark bzw. Haftstrafen anzudrohen, die auf öffentlichen Straßen, Plätzen und Wegen Ski- und Rodelsport betrieben.
Bad Sachs wurde immer bekannter und trug1914 die III. Deutschen Rodelmeisterschaften aus. Die Stadt brachte gar eine Vize-Weltmeisterschaftlerin hervor, die mit einem festlichen Empfang im Rathaus geehrt wurde. Den Rodel- und Skibahnen folgte im Jahr 1950 die erste Sprungschanze, die aus Holzaufbauten bestand und inzwischen nicht mehr existiert. Bei den Deutschen Lenkschlittenmeisterschaften im Jahr 1951 belegten Wintersportbegeisterte aus Bad Sachsa die ersten fünf Plätze.
Der Referent machte am Ende seines Vortrages auf das Heimatmuseum Bad Sachsa aufmerksam. Darin wird zum Beispiel auch die Entwicklung des Wintersports in Wort, Bild und mit Exponaten dargestellt. Zu sehen ist beispielsweise auch der selbst gebaute Lenkschlitten des deutschen Rodelmeisters von 1952 und 1954.
Vereinsvorsitzender Hans-Jürgen Grönke dankte Ralph Boehm für seinen Vortrag, überreichte ihn mehrere Bücher aus der Gelben Reihe und kündigte für das nächste Jahr eine Exkursion der Nordhäuser Geschichtsfreunde nach Bad Sachsa an, bei der auch ein Museumsbesuch geplant ist.
Im Monat Dezember ist kein Vortrag geplant. Dafür treffen sich die Vereinsfreunde am 13.12. um 19.30 Uhr im Nordhäuser Tabakspeicher zu ihrer traditionellen Advents- und Weihnachtsfeier, die wieder einige Überraschungen bereit hält.
Hans-Georg Backhaus


















