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ERÖFFNET AM 23. OKTOBER 1991

Im Herzen der Altstadt

Samstag, 22. Oktober 2016, 11:45 Uhr
Eine Annonce hatte er aufgegeben, darin eine Geschäftseröffnung in der Barfüßerstraße 3 für den 23. Oktober 1991 angezeigt und der Dinge geharrt, die da kommen werden. 25 Jahre später kann Bernd Walther Resümee ziehen...

Seit nunmehr 25 Jahren verkauft Bernd Walther dort Schreibwaren, Bürobedarf, Geschenkartikel, Zeitschriften und diverse Kleinigkeiten. Für den damals 35-Jährigen war es der Start in ein neues Leben. Ob er als Selbständiger bestehen würde? Wer garantierte in dieser turbulenten Zeit schon Sicherheit.

Die Voraussetzungen stimmten ihn aber optimistisch. Im Umfeld das Humboldt-Gymnasium und die Herder-Schule. Von dort erhoffte sich Walther regen Besuch. Außerdem befand sich das Haus, in dem er sein Geschäft etablierte, in Familienbesitz. In seinen Mauern wohnte er. Hoffnungsvoll stimmte ihn zudem der gute Umsatz, den der Schreibwarenladen in der Engelsburg bis dato verbuchte.

Morgen, am Sonntag, kann es sich Bernd Walther im Sessel gemütlich machen und ein Resümee ziehen. Er sei mit sich zufrieden, meint er. Trotz mancher Momente, wo Zweifel aufkamen. Im Ringen um die Existenz. In jedem Discounter und vielen Geschäften seien heute Schreib -und Büroartikel erhältlich. Das mache es ihm nicht leicht.

Seine Mutmacher sind die Kunden, die gern zu ihm kommen. „Ich kaufte schon in meiner Schulzeit bei Bernd Walther ein und tue es auch heute gern“, sagt Tim Töpfer. Viele ehemalige Schüler-Kunden blieben dem Geschäft ebenfalls treu. Dann ist ja auch noch Schwiegermutter Sieglinde Bösenberg da.

Norbert Kaulisch (rechts) zählt zu Bernd Walthers Stammkundschaft (Foto: Kurt Frank) Norbert Kaulisch (rechts) zählt zu Bernd Walthers Stammkundschaft (Foto: Kurt Frank)

Norbert Kaulisch (rechts) zählt zu Bernd Walthers Stammkundschaft. Foto: Kurt Frank

„Von der ersten Stunde an helfe ich meinem Schwiegersohn“, erzählt sie. Sie mache das gern. Sie stehe im Laden, wenn Waren angeliefert würden oder Bernd anderweitig beschäftigt sei. „Wir sind ein Herz und eine Seele“, bekräftigt dieser. Voller Überzeugung.

Wenn morgen der heute 60-Jährige Rückschau hält, werden wohl Erinnerungen in die Gedanken fließen. An die Zeit, in der er einen schönen Job, wie man neuzeitlich zu sagen pflegt, nachging. Beim Konsum hatte er, der gelernte Konditor, Karriere gemacht, die Verkaufsstelle im Objekt Altendorf geleitet.

Mit der Wende kam die neue Zeit. Mit ihr löste sich der Konsum auf. Bernd Walther musste einen neuen Platz in seinem Leben finden. „Er hat sich in dieser schnelllebigen Zeit im Herzen der Altstadt behauptet“, bemerkt Tim Töpfer anerkennend.
Kurt Frank
Autor: red

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