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Tag der offenen Tür im Gips-Tagebau

Viel Lärm am Kohnstein

Freitag, 30. September 2016, 21:21 Uhr
Über 70 interessierte Bürger kamen am Freitagnachmittag auf das Gelände der Kohnstein Bergwerks GmbH in Niedersachswerfen. Das Unternehmen hatte zu einem Tag der offenen Tür eingeladen. Die nnz war dabei…

Tag der offenen Tür in der Kohnstein Bergwerks GmbH (Foto: S. Schedwill) Tag der offenen Tür in der Kohnstein Bergwerks GmbH (Foto: S. Schedwill)
„Da hinten an der Baumkante. Dort wird das neue Gleis verlaufen.“ Andreas Reiche zeigt auf die gut hundert Meter entfernten Birkenbaumwipfel, ganz am Rand des ausgesteinten Kohnsteins. Der Geschäftsführer der Wohlmirstedter Firma Mütze&Rätzel hofft, dass das etwas mehr als 500 Meter lange Gleis noch bis Jahresende liegt. Dann könne die Ladung der drei bis vier Züge aus Stuttgart, die täglich in Niedersachswerfen ankommen, unmittelbar am Steinbruch gelöscht werden.

Seit Juni 2014 wird auf dem Kohnsteingelände Abraum verkippt, der beim Tunnelbau des Bahnknotenpunktes Stuttgart-Ulm anfällt. Allerdings hat die bisherige Verladetechnik für viel Lärm und damit auch für viel Wut bei den Anwohnern gesorgt. „So kann es nicht mehr weiter gehen“, machte Ronny Schwolow seinen Unmut deutlich. In seiner Urlaubszeit im Sommer habe er mitbekommen, wie stark die Lärmbelästigung tagsüber tatsächlich ist“, so der Anwohner. Auf der Terrasse könne man nicht mehr sitzen. Am Wochenende würde man um 6 Uhr von den Zügen geweckt.

Nur wenige Meter hinter den ersten Wohnhäusern werden die Container entladen. Wie laut diese Entladung ist, konnten die Besucher live miterleben: Im Hintergrund machten die Bagger am Freitagnachmittag noch ihre Arbeit.

Andreas Reiche verstand die Sorgen der Anwohner: Man sei Nachbar auf Zeit, er wolle eine gute Nachbarschaft. Der Unternehmer versprach Besserung. „Die Finanzierung für das neue Gleis steht, nur die Grundstücksfrage ist noch nicht geklärt. Daran hängt es jetzt“, machte Reiche den interessierten Niedersachswerfern deutlich. Konkret geht es um ein Grundstück, das noch der Firma Knauf gehört. Harztor-Bürgermeister Stephan Klante (CDU) versprach, sich noch in der kommenden Woche um das Thema zu kümmern. Rund 250 000 Euro soll der Bau des Gleises kosten. Diese Kosten könne man gegenfinanzieren, so Rieche. Schließlich würden die Lkw-Fahrten von der jetzigen Verladerampe zum Abkipp-Platz wegfallen.

Das neue Gleis sei schön und gut, sagte Isolde Schurig. Sie befürchte jedoch, dass mit dem Bau des Gleises weitere Firmen kommen, die in Niedersachswerfen Abraum abkippen. „Wenn die Infrastruktur erst einmal da ist, dann wird sie auch genutzt“, äußerte sie ihre Bedenken.

Warum verwende die Bahn zum Transport neben den geschlossenen auch die offenen Container. Gerade deren Entladung trage zur Lärmbelästigung bei, wollte ein Anwohner wissen. Reiche erläuterte, dass es in absehbarer Zeit immer mehr von den offenen Containern geben werde. Die Bahn habe schlichtweg zu wenige geschlossene Container, sogenannte Fischbüchsen.

Ein anderer Anwohner sah sich in der Aussage getäuscht, der Versatz werde nur bis Ende 2017 nach Niedersachswerfen gefahren. Bis 2021 solle doch an dem Bahn-Megaprojekt in Baden-Württemberg gearbeitet werden. „Wir gehen davon aus, dass die Erdarbeiten bis Ende 2017 beendet sind“, sagte Reiche. Momentan sei knapp die Hälfte der 7,5 Millionen Tonnen Abraum aus dem Stuttgarter Stadtzentrum abtransportiert“, so der Geschäftsführer von Mütze&Rätzel.

Insgesamt sollen 800 000 Tonnen Ausbruchsmasse aus Baden-Württemberg an den Kohnstein transportiert werden. Aktuell wurden rund 650 000 bis 670 000 Tonnen hier verkippt. Wo der Abraum eingebracht wird, das konnten die Besucher sich am Freitag ansehen.

Ein weiterer Kritikpunkt vieler Anwesenden waren die Rangierfahrten am Sonntag. Hier wolle man sich gemeinsam mit dem Fahrzeugwerk Niedersachswerfen kümmern, eine andere Lösung zu finden. Sprich, die Züge erst am Montagmorgen nach Niedersachswerfen fahren, und sie am Sonntag am Fahrzeugwerk in Woffleben oder an den Kiesteichen bei Nordhausen abstellen. „In Stuttgart wird Montag bis Samstag gearbeitet“, sagte Reiche. Man sei vertraglich gebunden, die Zugladungen entgegenzunehmen, so Reiche. Werktags zwischen 6 und 22 Uhr.
Susanne Schedwill
Autor: ssc

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