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Historische Sensation?

Wer hat die V2 gebaut?

Mittwoch, 14. September 2016, 11:02 Uhr
Neu gefundene Dokumente sollen Zweifel daran wecken, dass die Nazi-Rakete V2 tatsächlich vom legendären Raumfahrtpionier Professor Wernher von Braun entwickelt wurde. So schreibt die Welt heute. Dazu Anmerkungen von Tim Schäfer...


Demnach fiel jedoch der Startschuss zum Weltraumzeitalter bereits im März 1942 in der Heeresversuchsanstalt (HVA) Peenemünde. Neu aufgefundene Dokumente sollen jetzt das Gegenteil beweisen. Jedenfalls sollen dies neue Forschungen der Historikerin Uta Mense vom Lehrstuhl für Denkmalpflege der Brandenburgischen Technischen Universität Cottbus belegen. Demnach sei von Braun nicht mehr an der Entwicklung der A4 (V2) aufgrund von Misserfolgen beteiligt gewesen.

Mense entdeckte demnach entsprechende Dokumente im Nachlass des ehemaligen Mitarbeiters von V. Braun, Paul Schröder. Er hätte sogar die US- Behörden auf die „Inkompetenz“ von Brauns aufmerksam gemacht. Denn von Braun war schon 1945 als wertvoller Wissenschaftler im Rahmen der Geheimdienstoperation "Paperclip“ in die USA ausgeflogen worden. Gleichzeitig hatten die Amerikaner aus dem Mittelwerk Raketen, Teile und Fertigungstechnologie für den Serienbau erbeutet.

Werner v. Braun war oft in Besprechungen am oder im Mittelwerk dabei. Natürlich konnte dieser nicht die Baureife oder Serienfertigung umsetzen. Das haben viele Ingenieure oder sogar jüdische Häftlinge (Experten) mit erreicht. Das ist nicht neu. Einer dieser Ingenieure war Sawatzki.

V2 in Niedersachswerfen (Foto: Sammlung Schäfer/unbekannt) V2 in Niedersachswerfen (Foto: Sammlung Schäfer/unbekannt) Der Ingenieur Albin Sawatzki, war bereits seit Juli 1943 Leiter des „Arbeitsausschusses Serie“ des Sonderausschusses A4. Er wurde im September 1943 mit dem Ausbau des Treibstofflagers im Kohnstein zur unterirdischen Raketenfabrik beauftragt. Ab Mai 1944 war Sawatzki offiziell dann auch Betriebsdirektor der Planungsabteilung des Unternehmens und wurde noch im März 1945 zusätzlich Geschäftsführer der Mittelwerk GmbH. Sein Arbeitseifer und Genius wird als legendär überliefert. Angeblich sei Sawatzki am Kriegsende umgekommen, hieß es. Dabei soll Sawatzki sich damals aber unter neuer Identität in die USA eingeschifft haben…

Wernher von Braun galt als einer der führenden Raketenexperten der US-Raumfahrtbehörde Nasa und galt später auch als geistiger Vater der Riesenrakete Saturn V, mit der die Amerikaner ab 1969 auf den Mond flogen.

Die Baureife der A4 (V2) wurde also eher bei Nordhausen erreicht. Im Kohnstein, indem die Mittelwerk GmbH untertage in Stollen und unter Ausnutzung von Zwangsarbeit (Häftlingen) aus dem KZ Mittelbau (Dora) den Ausbau und Aufbau der Produktion und Serienreife der A4 (V2)-Rakete betrieb. Allein in den ersten vier Monaten 1945 kamen nur in den Mittelbau-Lagern (KZ) etwa 6000 Menschen um.

In den Stollen im Kohnstein sollen mindestens 1700 V2 (A4) Raketen und über 6000 V1-Flügelbomben montiert worden sein. Grob gesehen fast pro Waffenexemplar ein toter Mensch im KZ Mittelbau. Dazu kommen natürlich weitere tausende Opfer der Waffe selbst.
Tim Schäfer

Links:
  • https://www.welt.de/kultur/history/article13361649/Wernher-von-Braun-soll-V2-nicht-gebaut-haben.html
  • https://de.wikipedia.org/wiki/Albin_Sawatzki
  • http://www.nnz-online.de/news/news_lang.php?ArtNr=141262
Autor: red

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