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Drehen an der Schraube

Dienstag, 20. Juli 2004, 07:29 Uhr
Nordhausen (nnz). Als „nicht unerfolgreich“ bezeichnete Nobas-Geschäftsführer Aribert Kupsch die derzeitige Situation in dem Nordhäuser Traditionsunternehmen. Trotzdem sollen sich die Arbeitnehmer weiter in Verzicht üben. Über was in der Nobas derzeit nachgedacht wird, das erfahren Sie mit einem Klick auf MEHR.


Im vergangenen Jahr steckte der Nordhäuser Bausmaschinenhersteller in einer dicken Krise. Gemeinsam mit Gewerkschaft, Betriebsrat und kommunaler sowie Landes-Politik wurde ein Weg gefunden, vor allem die 140 Arbeitsplätze zu erhalten (siehe nnz-Archiv). Nach der vereinbarten Qualifizierung sind die Arbeitnehmer wieder in die Nobas und den damals neu gegründeten Spezialstahlbau zurückgekehrt. Beide Unternehmen haben mittlerweile gut gefüllte Auftragsbücher, sagt die IG Metall in Nordhausen.

Das bestätigte auch Nobas-Geschäftsführer Aribert Kupsch und verweist im Gespräch mit der nnz unter anderem auf einen Großauftrag in Griechenland. Doch die gefüllten Auftragsbücher haben laut Kupsch einen Haken. Mit den Aufträgen lässt sich kein Gewinn erzielen. Es kommt noch schlimmer: Eine Kostendeckung ist nicht möglich. Das wiederum gefällt Günther Papenburg, dem Gesellschafter der Nobas, überhaupt nicht. Und nun beginnt sich eine Schraube zu drehen, die ihre Ursprünge bei Siemens hatte. Es soll in der Nobas über neue Arbeitszeiten nachgedacht werden, um die Personalkosten zu senken. „Eigentlich darf es dabei keine Tabus geben“, fordert Kupsch.

Für die IG-Metall und den Betriebsrat sieht das natürlich ein wenig anders aus. Die finden die angedachte Erhöhung der Wochenarbeitszeit auf 42 Stunden ohne Lohnausgleich als Unverschämtheit. Beide haben gerechnet: Damit ergibt sich eine Absenkung des jetzigen Gehaltsniveaus um weitere 20 Prozent. Das aktuelle Lohn- und Gehaltsgefüge in der Nobas würde sich aktuell so wie schon auf dem Stand von 2001 befinden.

In einem Gespräch beim Thüringer Verband der Metall- und Elektroindustrie soll Günther Papenburg sogar mit der Schließung der Nobas und des Spezialstahlbaus gedroht haben. Auch der Austritt aus dem Verband soll angekündigt worden sein, so Gewerkschafterin Astrid Schwarz-Zaplinsky gegenüber der nnz.

Für Aribert Kupsch sind die kommenden Verhandlungen eher normal und der Weltmarkt-Situation geschuldet. Die Nobas habe eine Fertigungstiefe wie kaum ein Mitbewerber. Die Großen am Markt würden die Vorstufen der Baggermontage billig einkaufen, da würde man in Nordhausen nicht mithalten können. Wenn die Nordhäuser ebenfalls billig einkaufen, dann sind zwei Drittel der rund 140 Arbeitsplätze an der Rotheburgstraße einfach weg. Das soll aus Sicht den Unternehmens nicht das Ziel sein.

Arbeitsplatzerhalt ja, weitere Verluste nein – so die Marschrichtung, die Papenburg ausgegeben haben soll. Würden Betriebsrat und Gewerkschaft auf die Vorstellungen der Nobas-Chefetage eingehen, dann würde es eine Arbeitsplatzgarantie von drei Jahren geben. Und sollten irgendwann sogar Gewinne erzielt werden, dann sollen die im Unternehmen investiert und zum Teil an die Belegschaft ausgeschüttet werden. Ob allerdings Gewinne selbst mit dem vorgeschlagenen Arbeitszeitmodell erarbeitet werden, auf diese Prognose will sich bei der Nobas niemand einlassen. Die Schraube wird sich also munter weiterdrehen: Bei der Nobas, bei anderen Unternehmen im Landkreis Nordhausen, wohl am gesamten „Standort Deutschland“.
Autor: nnz

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