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Vortragsreihe im Südharz Klinikum

Was will, was kann die Psychotherapie?

Donnerstag, 08. September 2016, 06:38 Uhr
Psychotherapie – was genau ist das und wozu ist sie gut? Darüber gab es am Mittwoch im Südharz Klinikum Nordhausen eine Vortragsreihe. Nicole Schulz hat aufmerksam zugehört...

Heiser, Böhler Wrede (Foto: Nicole Schulz) Heiser, Böhler Wrede (Foto: Nicole Schulz)
Gehalten wurde der Vortrag von Prof. Dr. med. Phillip Heiser, dem Chefarzt der Klinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik des Kinder- und Jugendalters. Gemeinsam mit seinen Kolleginnen Jeanette Böhler und Julia Wrede zeigte Heiser auf, was eine Psychotherapie genau bewirken kann, wo die Grenzen liegen und welche Nebeneffekte auftreten können.

Die Klinik ist eine Einrichtung der Vollversorgung für Patienten aus den Landkreisen Nordhausen, Sömmerda, Kyffhäuser- und dem Eichsfeldkreis. Sie verfügt über eine Institutsambulanz, eine Tagesklinik sowie drei Stationen. Mit umfassenden Behandlungsmöglichkeiten wie zum Beispiel Familientherapie, Traumatherapie, Entspannungstherapie, Musiktherapie oder Ergotherapie ist es das Ziel, den Patienten in Notsituationen und bei der Bewältigung von seelischen Problemen zu helfen und die Persönlichkeit zu fördern. Dabei wird die Verhaltenstherapie in Nordhausen angewandt, also das Zusammenspiel zwischen Denken – Fühlen – Handeln zu betrachten und wieder herzustellen.

Tendenz der psychischen Erkrankungen

Depressionen und Angststörungen – für viele Menschen immer noch ein großes Tabu -Thema. Dabei erkranken ein Drittel der Menschen an psychosomatischen Störungen in ihrem Leben. Und die Tendenz ist weiterhin steigend.

So waren im Jahr 2015 beispielsweise 1438 Patienten im Bereich der Kinder-und Jugendpsychiatrie und 1359 Patienten im Bereich der Erwachsenenpsychiatrie. Mittlerweile ist das Krankheitsbild der psychosomatischen Störung die zweithäufigste Gruppe für Krankschreibungen. Die Verläufe können dabei völlig unterschiedlich sein - von einmalig über wiederkehrend oder gar chronisch.

Was genau ist eine Psychotherapie?

Aber was tun, wenn der Körper und die Seele aus dem Gleichgewicht geraten sind? Ein wesentliches Therapieelement kann dabei die Psychotherapie sein. Sie kann Hilfe bei psychosomatischen Störungen oder bei Störungen des Denkens, Fühlens, Erlebens und Handeln bieten. Der Vorteil dieser Therapie ist, dass auf alle Patienten ganz individuell eingegangen werden kann.

Gemeinsam mit dem Patienten wird ein individueller Behandlungsplan mit einem gesetzten Therapieziel erarbeitet. Dabei übernimmt der Therapeut die Funktion der Stütze, um diese Ziele zu erreichen, eventuelle Krisen zu verarbeiten oder das Verständnis für die eigenen Emotionen und Verhaltensmuster zu bekommen. Die Dauer einer Psychotherapie ist dabei von Patient zu Patient unterschiedlich, da jeder ein anderes Erkrankungsbild zeigt.

Können eventuelle Nebenwirkungen auftreten?

Geduld spielt eine große Rolle, denn eine Psychotherapie ist keine Wunderheilung und kann eventuelle Nebenwirkungen hervorrufen. So kann es beispielsweise sein, dass bei der intensiven Behandlung einer Krise, durchaus eine neue Krise entsteht. Auch im eigenen Umfeld können sich dadurch Veränderungen ergeben. Das soziale Umfeld benötigt Zeit, durch die Therapie erzielte Veränderungen wahrzunehmen und sich diesen anzupassen.

Was können Betroffene selbst tun?

Wichtig ist, dass man über seine Belastungen mit einer Vertrauensperson spricht und Hilfe in Anspruch nimmt. Soziale Kontakte sind das wichtigste für die psychische Gesundheit. Zudem sollte auch ein Merkmal auf die Tagesstruktur gerichtet werden. Der Ausgleich zwischen angenehmen Aktivitäten und Belastungen sollte dabei ausgewogen sein. Die Konzentration sollte dabei auf das „Hier und Jetzt“ gerichtet sein. Niemand kann vorhersagen, wie es in der Zukunft wohl aussehen mag.
Autor: nnz

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