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IHK und DGB erarbeiten neues Beschwerdemanagement

Zufriedene Azubis trotz hoher Belastungen

Mittwoch, 07. September 2016, 11:15 Uhr
Einem Ergebnis des Ausbildungsreports 2016 zufolge sieht der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) die Azubis zu hohen Belastungen ausgesetzt. Die Umfrage belegte aber auch: Drei von vier befragten Lehrlingen sind mit der Qualität ihrer Ausbildung zufrieden oder sehr zufrieden. Bei Problemen und Streitigkeiten greift die Industrie- und Handelskammer (IHK) Erfurt ein...

„Die berufliche Ausbildung in Deutschland genießt dank ihrer hohen Standards einen weltweit hervorragenden Ruf. Dass dieses Niveau mit anspruchsvollen Herausforderungen für die Schulabgänger verbunden ist, lässt sich nicht vermeiden. Mit dem Wechsel von der Schule in den betrieblichen Alltag sind dies vor allem neue und ungewohnte persönliche Belastungen und das Einüben bestimmter Spielregeln in der Zusammenarbeit mit Vorgesetzten und Kollegen“, sagt Professor Gerald Grusser, Hauptgeschäftsführer der IHK Erfurt.

Dass es vereinzelt unzufriedene Jugendliche gebe, sei nicht ungewöhnlich und könne mehrere Ursachen haben. „Nahezu allen Unternehmen ist es aber bewusst, dass sie nur mit guten Rahmenbedingungen attraktiv für junge Menschen sind. Dazu gehören neben modernen Ausbildungsbedingungen auch angemessene Vergütungen oder Optionen wie Auslandsaufenthalte“, fasst Grusser zusammen.

Um Konflikte zwischen Betrieb und Azubi frühzeitig zu erkennen, nutze die Erfurter Kammer seit vielen Jahren verschiedene Kontrollinstrumentarien. Dazu gehörten beispielsweise unangekündigte Besuche in Betrieben und Gespräche mit den Ausbildern und den Auszubildenden. Mitunter würden bestehende Probleme in solchen Gesprächen aber leider nicht offiziell genannt, was dann eine Unterstützung erschwere.

Gemeinsam mit dem DGB arbeiteten die Kammern deshalb auf Bundesebene an einem unkomplizierteren Beschwerdemanagement für Auszubildende. „Denn wenn die Probleme frühzeitig bekannt sind, ist es für die Bildungsberater der Kammern leichter, gezielt zu helfen und bei etwaigen Missständen Abhilfe zu schaffen“, so der IHK-Chef. Bei groben Verstößen habe die IHK Erfurt sogar die Möglichkeit, dem Unternehmen die Ausbildungsberechtigung zu entziehen. Die Kammer setze hier aber eher auf „unterstützen“ als auf „verbieten“.

Für Streitigkeiten im Ausbildungsverhältnis hat die Erfurter Kammer einen speziellen Schlichtungsausschuss eingerichtet. Er vermittelte im vergangenen Jahr in 23 Fällen zwischen den Azubis und ihren Unternehmen. „In Relation zur Gesamtzahl der Ausbildungsverhältnisse, die im letzten Jahr im Bereich der IHK Erfurt bei 8.863 lag, ist das ein weiterer Beleg für die guten Ausbildungsbedingungen“, betont der IHK-Hauptgeschäftsführer.
Autor: nnz

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