Betrachtet
Weiter so!
Montag, 05. September 2016, 09:13 Uhr
Mit Spannung ist gestern national und international der Ausgang der Landtagswahlen in Mecklenburg-Vorpommern beobachtet worden. Dazu einige Anmerkungen…
Wiederholt sich Geschichte tatsächlich? Diese Frage stelle ich mir hin und wieder. Obwohl, eine klare Antwort fällt schwer, aber immerhin drängen sich Parallelen auf. Und die beginnen bereits im Jahr 1990.
Es ist der 2. Dezember, die ersten gesamtdeutschen Bundestagswahlen. Obwohl die damalige PDS nur 2,4 Prozent erhält, zieht sie mit 17 Abgeordneten in den Bundestag ein, die direkt gewählten Kandidaten machten es möglich. Vier Jahre später sind es 30, dann, 1998 erreicht die Partei 5,1 Prozent der Stimmen, vor drei Jahren 8,6. Da nannte sich die PDS schon Linke.
Eigentlich, ging es nach dem vereinten etablierten Willen von CDU, CSU, SPD, FDP und Grüne, hätte der linke Ausrutscher nicht sein dürfen. Und was wurde nicht alles getan, um einen Einzug oder Wiedereinzug linker Politik in den Bundestag oder in Landtage zu verhindern. Rote Socken wurde bemüht, Heerscharen von wichtigen Journalisten strömten in die neuen Bundesländer, durchstöberten Stasiakten und besuchten Landstriche, in denen die Abgehängten, die unten Gebliebenen, die Verlierer der Einheit hausen sollten. Zum Beispiel in Mecklenburg-Vorpommern.
Dann plötzlich die Analysen der linken Wählerschaft der PDS/Linke: Es wählten diese Partei auch Beamte, Angestellte, Akademiker. Völlig unverständlich zum Beispiel für den Übervater der Thüringer CDU, Bernhard Vogel, der die PDS in regelmäßiger Beständigkeit verbal ins historische Aus schickte. Jetzt regiert ein Linker als Nach-Nach-Nachfolger-Ministerpräsident den Freistaat.
Zu den Parallelen und zur AfD. Auch mit dieser Partei - zu der man stehen mag, wie man will - haben die selbsternannten demokratischen Parteien ein gemeinsames Verhältnis: die AfD dürfte es überhaupt nicht geben. Und wiederum wurden und werden vor Wahlen die journalistischen Heerscharen ausgesandt, um jeden noch so kleinsten Makel in irgendeinem klitzekleinen Kreisverband der sogenannten Rechtspopulisten zu enttarnen. Da schämen sich Journalisten von Spiegel Online zum Beispiel dafür, dass sie in Mecklenburg-Vorpommern geboren und aufgewachsen sind. Und machen das Bundesland als Hort der Zukurz-Gekommenen aus, wieder sind es die Abgehängten, wieder sind es die Nicht-Aufgeklärten, die Angst haben vor Überfremdung und einer offenen Welt. Und wieder wird erklärt, dass es in Mecklenburg-Vorpommern Orte gibt, deren drei oder vier Einwohner noch nie in ihrem kümmerlichen Leben einen Ausländer gesehen haben sollen.
Doch wie gestern bekannt wurde, sind die AfD-Wähler bei weitem nicht nur die Unzufriedenen, die wirtschaftlich zu kurz gekommenen. 71 Prozent sind mit ihren wirtschaftlichen Verhältnissen zufrieden, bei den Wählern anderer Parteien sind es mal nur neun Prozentpunkte mehr. Und plötzlich ist die CDU nur noch drittstärkste Kraft! Kann das sein?
Ja, es kann und: es ist so - seit dem späten Abend sogar amtlich bestätigt. Zu einer ehrlichen Analyse oder Bestandsaufnahme waren die etablierten” Parteien bis dato noch nicht in der Lage. Man konnte bei dem einen oder anderen Statement versucht sein anzunehmen, es hätte nur Gewinner gegeben - außer der AfD. Ich befürchte, zu einer klaren Analyse wird man auch in den kommenden Tagen nicht in der Lage sein und so wird aller Ortes die Parole herausgegeben: Weiter so mit unserer erfolgreichen Politik, um dann irgendwo und irgendwie die Verlockungen der Macht auszukosten. Vielleicht hilft noch eines bis zur großen Wahl” im nächsten Jahr: ein anderes Wahlvolk aussuchen, das nicht immer wieder mit seinen Interessen und Vorstellungen für dieses Land im Gegensatz zu denen steht, die man mit dem Regieren beauftragt hat. Dieser Widerspruch reicht derzeit bereits von der Flüchtlingspolitik über den Freihandel bis zur Außenpolitik, um nur einige Beispiel zu nennen. Und trotzdem wird in den Parteizentralen vermutlich die nächsten zwölf Monate die Parole ausgegeben: Weiter so, denn die Partei hat bekannterweise immer Recht. Für die AfD kann es nicht besser laufen.
Peter-Stefan Greiner
Autor: nnzWiederholt sich Geschichte tatsächlich? Diese Frage stelle ich mir hin und wieder. Obwohl, eine klare Antwort fällt schwer, aber immerhin drängen sich Parallelen auf. Und die beginnen bereits im Jahr 1990.
Es ist der 2. Dezember, die ersten gesamtdeutschen Bundestagswahlen. Obwohl die damalige PDS nur 2,4 Prozent erhält, zieht sie mit 17 Abgeordneten in den Bundestag ein, die direkt gewählten Kandidaten machten es möglich. Vier Jahre später sind es 30, dann, 1998 erreicht die Partei 5,1 Prozent der Stimmen, vor drei Jahren 8,6. Da nannte sich die PDS schon Linke.
Eigentlich, ging es nach dem vereinten etablierten Willen von CDU, CSU, SPD, FDP und Grüne, hätte der linke Ausrutscher nicht sein dürfen. Und was wurde nicht alles getan, um einen Einzug oder Wiedereinzug linker Politik in den Bundestag oder in Landtage zu verhindern. Rote Socken wurde bemüht, Heerscharen von wichtigen Journalisten strömten in die neuen Bundesländer, durchstöberten Stasiakten und besuchten Landstriche, in denen die Abgehängten, die unten Gebliebenen, die Verlierer der Einheit hausen sollten. Zum Beispiel in Mecklenburg-Vorpommern.
Dann plötzlich die Analysen der linken Wählerschaft der PDS/Linke: Es wählten diese Partei auch Beamte, Angestellte, Akademiker. Völlig unverständlich zum Beispiel für den Übervater der Thüringer CDU, Bernhard Vogel, der die PDS in regelmäßiger Beständigkeit verbal ins historische Aus schickte. Jetzt regiert ein Linker als Nach-Nach-Nachfolger-Ministerpräsident den Freistaat.
Zu den Parallelen und zur AfD. Auch mit dieser Partei - zu der man stehen mag, wie man will - haben die selbsternannten demokratischen Parteien ein gemeinsames Verhältnis: die AfD dürfte es überhaupt nicht geben. Und wiederum wurden und werden vor Wahlen die journalistischen Heerscharen ausgesandt, um jeden noch so kleinsten Makel in irgendeinem klitzekleinen Kreisverband der sogenannten Rechtspopulisten zu enttarnen. Da schämen sich Journalisten von Spiegel Online zum Beispiel dafür, dass sie in Mecklenburg-Vorpommern geboren und aufgewachsen sind. Und machen das Bundesland als Hort der Zukurz-Gekommenen aus, wieder sind es die Abgehängten, wieder sind es die Nicht-Aufgeklärten, die Angst haben vor Überfremdung und einer offenen Welt. Und wieder wird erklärt, dass es in Mecklenburg-Vorpommern Orte gibt, deren drei oder vier Einwohner noch nie in ihrem kümmerlichen Leben einen Ausländer gesehen haben sollen.
Doch wie gestern bekannt wurde, sind die AfD-Wähler bei weitem nicht nur die Unzufriedenen, die wirtschaftlich zu kurz gekommenen. 71 Prozent sind mit ihren wirtschaftlichen Verhältnissen zufrieden, bei den Wählern anderer Parteien sind es mal nur neun Prozentpunkte mehr. Und plötzlich ist die CDU nur noch drittstärkste Kraft! Kann das sein?
Ja, es kann und: es ist so - seit dem späten Abend sogar amtlich bestätigt. Zu einer ehrlichen Analyse oder Bestandsaufnahme waren die etablierten” Parteien bis dato noch nicht in der Lage. Man konnte bei dem einen oder anderen Statement versucht sein anzunehmen, es hätte nur Gewinner gegeben - außer der AfD. Ich befürchte, zu einer klaren Analyse wird man auch in den kommenden Tagen nicht in der Lage sein und so wird aller Ortes die Parole herausgegeben: Weiter so mit unserer erfolgreichen Politik, um dann irgendwo und irgendwie die Verlockungen der Macht auszukosten. Vielleicht hilft noch eines bis zur großen Wahl” im nächsten Jahr: ein anderes Wahlvolk aussuchen, das nicht immer wieder mit seinen Interessen und Vorstellungen für dieses Land im Gegensatz zu denen steht, die man mit dem Regieren beauftragt hat. Dieser Widerspruch reicht derzeit bereits von der Flüchtlingspolitik über den Freihandel bis zur Außenpolitik, um nur einige Beispiel zu nennen. Und trotzdem wird in den Parteizentralen vermutlich die nächsten zwölf Monate die Parole ausgegeben: Weiter so, denn die Partei hat bekannterweise immer Recht. Für die AfD kann es nicht besser laufen.
Peter-Stefan Greiner
