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Stele geschändet

Dienstag, 13. Juli 2004, 19:10 Uhr
Stele geschändet (Foto: nnz) Stele geschändet (Foto: nnz) Nordhausen (nnz). Vor knapp zwei Jahren war sie erst nahe der Ortschaft Elend im Harz eingeweiht worden – eine Gedenkstele in Erinnerung an die Opfer des Todesmarsches eines Außenlagers des KZ Mittelbau-Dora. Die Stele soll gezielt geschändet worden sein...


Einige Hundert Schüler und mehrere KZ-Überlebende aus Frankreich, Belgien, Deutschland und Polen hatten im September 2002 am Projekt „Weg des Lebens“ teilgenommen, bei dem die Stele an der B 27 nahe Elend im Harz eingeweiht worden war. „Todesmarsch“ war auf der Stele in großen schwarzen Buchstaben zu lesen, und ergänzend der Hinweis „April 1945“. Das Wort „Todesmarsch“ ist jetzt nicht mehr zu erkennen.

Gezielt wurde es aus der Betonsäule herausgemeißelt. Über Täter und Motive ist noch nichts bekannt. Da es sich aber um eine zielgerichtete Beschädigung handelt, kann ein rechtsextremistischer Hintergrund als wahrscheinlich gelten. Diese Auffassung vertritt die Nordhäuser Gedenkstättenleitung und informierte die Polizei.

Die Polizei in Sachsen-Anhalt sieht das ein wenig anders: Nach Meinung der Beamten sei die Farbe der Aufschrift durch die Witterung abgeblättert. Es gebe keine Anzeichen für eine vorsätzliche Beschädigung.

Das Projekt „Weg des Lebens“ geht auf eine Initiative französischer Überlebender des KZ Mittelbau-Dora zurück und begann im Jahr 2000. In jährlich aufeinander folgenden Etappen sind seitdem über 1000 Schüler aus Niedersachsen, Thüringen und Sachsen-Anhalt gemeinsam mit ehemaligen Häftlingen die Todesmarschrouten mehrerer Außenlager des KZ Mittelbau-Dora symbolisch abgelaufen.

Rund 40.000 Menschen wurden im April 1945, als sich von Westen die amerikanischen Streitkräfte näherten, aus dem KZ Mittelbau-Dora „evakuiert“, wie die SS es nannte. Tausende trieben die Wachmannschaften dabei über den Harz. Viele, die bei den Gewaltmärschen nicht mithalten konnten, wurden niedergeschossen und blieben am Wegrand liegen. Andere starben in drangvoller Enge in Eisenbahnwaggons, in denen sie wochenlang unterwegs waren.
Autor: nnz

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