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Aus dem KILA Handwerkercamp

Friedensnobelpreisträger kommt nach Thüringen

Sonntag, 31. Juli 2016, 08:14 Uhr
Friedensnobelpreisträger kommt nach Thüringen
Über 100 Kinder aus Nordhausen tummlen sich zur Zeit in Hoheneiche im Thüringer Wald. Zum Handwerkercamp gehört auch das man das Camptagebuch pflegt. Und in dem geht es dieses mal um Pater Dominique Pire (1910 – 1969) aus Belgien, die Hauptfigur des diesjährigen Handwerkercamps...


„Wenn du ein Mahl machst, so lade Arme, Verkrüppelte, Lahme und Blinde ein, dann wirst du selig sein, denn sie haben nichts, um es dir zu vergelten.“ Lukas 14,13-14

Eine Woche lang werden sie gemeinsam ihre Sommerferien verbringen und dabei die unterschiedlichsten Dinge erleben. Der gestrige Anreisetag war ein Einstieg in ein altes und zugleich aktuelles Thema.

Pater Pire (im Theater gespielt von Jonathan von Biela) wurde 1910 in Belgien geboren. Über sein Leben werden die Camp - Bewohner in den kommenden Tagen mehr erfahren. Auch über seine Heimat – Belgien – wird sicher viel Interessantes zu berichten sein.

Belgien ist ein kleines, aber nicht unbedeutendes Land. Viele Zeichentrickfiguren und Comicfiguren haben ihren Ursprung in Belgien. Aus diesem einfachen Grunde spielen bekannte Zeichentrickhelden auch eine wichtige Rolle in der kommenden Woche. Lucky Luke, Asterix und Obelix, die Schlümpfe, und viele andere werden vielleicht auch in den kommenden Tagen nach Hoheneiche zu Besuch kommen.

Pater Pire (im Theater gespielt von Jonathan von Biela) wurde 1910 in Belgien geboren. (Foto: Rüdiger Neitzke) Pater Pire (im Theater gespielt von Jonathan von Biela) wurde 1910 in Belgien geboren. (Foto: Rüdiger Neitzke)

Theaterrückblick

Die Handlung des Theaterstücks beginnt mit dem Ende des II. Weltkrieges. Zwei Millionen Menschen sind in Europa auf der Flucht. Heimatlose, ehemalige Zwangsarbeiter, Menschen, die aus Angst vor den neuen politischen Verhältnissen in Europa nicht mehr in ihre alte Heimat wollen, bzw. können.

Diese Menschen blieben in Lagern untergebracht, ehemalige Konzentrationslager, alte Kasernen, bombardierte Schulen oder alte düstere Holzbaracken. In den Lagern herrschten Not und Elend, man konnte nicht immer genug Essen beschaffen oder Brennstoffe, viele sind deshalb verhungert oder erfroren. Auch wenn sich mit der Zeit zumindest in dieser Hinsicht die Zustände etwas verbessert haben, war die medizinische Versorgung immer noch ein großes Problem.

Wohin mit diesen heimatlosen Menschen? Viele von ihnen dachten an Emigration, an Ausreise, nach den USA, nach Kanada oder Australien. Und diese Länder suchten auch Leute. Aber sie nahmen nur die gesündesten, die stärksten oder die am besten ausgebildeten.

Was jetzt noch übrig war, sind ca. 200.000 Menschen. Die wollte niemand mehr haben, sie waren der „Bodensatz“, das „hard core“ wie man im Englischen sagt, der „harte, unlösliche Rückstand“. Die ehemaligen Feindesländer, Deutschland, Österreich und Italien mussten sie aufnehmen. Dort sind sie nun, die Amputierten, die chronisch Kranken, die großen Familien, die unehelichen Mütter, die Lungenkranken, die Blinden, die Schwachsinnigen, die verlassenen Kinder, die Gebrechlichen.

Pater Pire hat seinen Auftritt im Theaterstück, er blickt nach vorn und sucht Möglichkeiten der Hilfe. Dies ist der Zeitpunkt, an dem jede Zeltgruppe ihr Handwerk vorstellt.

In den kommenden Tagen werden köstliche Pralinen entstehen, Sprachrohre gebastelt, Waffeln gebacken, Lippenbalsam (Schlumpf - Creme) gemixt, Schlumpf-Mützen gefilzt, elektrische Klingeln zusammen gelötet, Armbänder geknüpft, alte Schreibmaschinen getestet (vielen Dank für die gespendeten Schreibmaschinen)

Anreise

Samstag früh, Koffer sind gepackt, der Schlafsack geschnürt, … Ach und das Kuschelkissen, das muss auch noch mit. So oder so ähnlich ging es am gestrigen Vormittag in einigen Familien im Kirchenkreis zu. Erfahren und sicher betraten viele „Stammkunden“ das Camp, prüfend und neugierig begannen die „Neulinge“ ihr Sommerabenteuer. Eines wollen alle erleben: spannende Ferien, coole Erlebnisse und gutes Theater.

Endlich Zeit für das Lieblingscamp, wo uns nichts vom Leben trennt, wo wir verträumt und verrückt sein können.
Rüdiger Neitzke

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Autor: red

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