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Gott sei Dank

Freitag, 15. Juli 2016, 11:50 Uhr
Die Stadt Nordhausen hatte Visionen, bekam Fördermittel und konnte theoretisieren, was hier und morgen vielleicht alles besser, nein, noch besser und noch schöner werden könnte. Die Visionen sind jetzt beendet, sie waren nicht visionär genug...

Zeitungskopf der Zukunftszeitung (Foto: nnz) Zeitungskopf der Zukunftszeitung (Foto: nnz)
Rausgeflogen, so da knappe Urteil derer, die sich für andere Visionen entschieden. Die kenne ich nicht, da sie aber ebenfalls von Kommunen kamen, die Geld nicht selbst erwirtschaften müssen, werden davon einige vermutlich als realitätsfern gelten.

An dieser Stelle hatte ich mich bereits einmal kritisch zum Aufwand geäußert, der über Monate lang mit Workshops, mit Kamerabegleitung und vor allem durch ein Büro begleitet, initiiert und moderiert wurde. Selbst das Geld für eine Zukunftszeitung gab es noch.

Jetzt ist das Geld alle, aber die Kommune will weitermachen. Die Visionen werden nicht aufgegeben, koste es, was es wolle. Das ist das Handeln einer Verwaltung, die mal gerade um die Erhöhung des Kassenkredites bei der Kommunalaufsicht gebettelt hatte, weil sie sonst, wie es einst Bürgermeisterin Jutta Krauth verkündete, eine Steuerrückzahlung nicht tätigen könnte.

Wer Visionen hat, der sollte zum Arzt - einer der legendären Sprüche von Helmut Schmidt. Zumindest bezog sich der Ex-Kanzler auf die Politik. In der realen Welt, also in der Wirtschaft, da ist das anders. Unternehmen können Visionen haben. Siemens zum Beispiel, BMW oder Mercedes zum Beispiel. Aber auch Google oder Facebook. Haben die auch, denn sie haben das nötige Kleingeld in der Tasche, um diese Visionen - zu denen man stehen kann, wie man will - in die Praxis überzuleiten.

Doch eine klamme Kommune sollte vor den Visionen das Herstellen der Realität setzen. Heißt, das ausgeben, was eingenommen wird. Ohne Bedarfszuweisungen, ohne Gieren nach Fördermitteln, ohne Erhöhungen der Kassenkredite. Das ist schwer, mühsam und schmerzhaft und damit eigentlich unmöglich für politisches Handeln. Aber vielleicht sollte man es versuchen.
Peter-Stefan Greiner
Autor: nnz

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