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Betrachtet

Die Briten und wir

Freitag, 24. Juni 2016, 09:12 Uhr
Die Briten werden sich aus der Europäischen Union verabschieden. Wohl kaum jemand kann sich in diesen Stunden diesem Thema entziehen. Aber, welche Lehren können wir ziehen? Eine ganz persönliche Antwort...


Wer hätte das gedacht? Die Mehrheit der in Großbritannien zur Wahl gegangenen Menschen hat für den Brexit gestimmt. Das ist der Fakt. Mit dem nun umzugehen ist. Sie haben diesem Kunstgebilde EU, vor allem aber den ungewählten Bürokraten die Rote Karte verpasst.

Und was wurde nicht alles aufgefahren, um dieses Resultat zu verhindern. Auf der Insel und auch hier - in Deutschland. Da wurde in inflationärer Weise gewarnt, die Katastrophe heraufbeschworen. Das einstige Flaggschiff des Journalismus, der Spiegel, erschien gar in einer zweisprachigen Ausgabe. Am Ende nützte das alles nichts.

Die Menschen auf der Insel, die nicht einmal mit dem Euro zu tun hatten, die haben mehrheitlich NEIN gesagt. Sie haben vielleicht nicht einmal diesem künstlichen Konstrukt aus einem Parlament, einer Kommission und Kommissaren abgeschworen. Sie haben ihren eigenen Politiker einen Denkzettel verpasst. Dieser in einer Art "Inzucht" verschworenen Kaste von Menschen, die von sich glauben, diese Inselwelt lenken zu können. Die aufgrund eines elitären Denkens meinen, immer Recht zu haben.

Doch halt: Ist das nur in Großbritannien der Fall? Ich sage nein - auch in Deutschland hat sich die Politik inzwischen meilenweit vom Volke entfernt, auch wenn sich die Berliner Elite in den kommenden Monaten wieder dem Wahlvolke nähern wird. Das dient schließlich zur Machterhaltung. Wenn die Stimmen ausgezählt sind, wird die Verbindung nach unten gekappt. Dann geht es zu den Empfängen, bei denen mehr Lobbyisten als Parlamentarier unterwegs sind.

Und im Lokalen. Schauen wir nur allein im Landkreis Nordhausen auf die zurückliegenden Wahlen. Ob nun die Wahl des Landrates im vergangenen Jahr oder die darauf notwendigen Neuwahlen durch Kreistag und Stadtrat. Auch dort hat sich eine Elite gebildet, die unter einander - Parteiproporz vorausgesetzt - die Posten besetzt. Da geht es nicht nur um höhe Entlohnung oder eine gesicherte Altersabsicherung. Da geht es auch im Kleinen um Macht, um das Gefühl der oder die Auserwählte zu sein. Stets in der ersten Reihe sitzen, stets gesondert begrüßt zu werden - das hat alles einen gewissen Charme.

Und weil diese Macht so geil ist, wird parallel dafür gesorgt, dass auch die Zukunft der Macht in dem vorbestimmten Zirkel bleibt. In vielen Fällen kann sie sogar vererbt werden. Wo das nicht möglich ist, wird dafür gesorgt, dass die eifrigsten Schleimspurrutscher schon mal am Zipfel der Macht ziehen dürfen. Man kann das in allen Parteien wunderbar beobachten.

In den nächsten Jahren wird es darauf ankommen, diesen Trend zu durchbrechen. Wer, wenn nicht das Volk kann das tun? Neue Gesichter müssen her, Wählergemeinschaften sind zu gründen, Bürgervereine oder wegen mir auch Parteien. Nur unverbraucht müssen sie sein. Sie müssen neue Ideen sammeln. Und wir als Volk? Wir sollten uns unserer eigenen Macht bewusst sein, auch durch Unterschriften. Einen Versuch ist das auf jeden Fall wert.
Peter-Stefan Greiner
Autor: nnz

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