nnz-Sommerinterview
Der Zukunft zugewandt
Donnerstag, 23. Juni 2016, 12:00 Uhr
Vielerorts wird es ja vermutet, die Fäden der Politik ziehen gar nicht die, die da immer vor den Kameras und Mikrofonen stehen, sondern ganz andere Leute. Um die Hintermänner und -frauen zu finden muss man aber gar nicht bis Berlin reisen. Der nnz ist es gelungen, die eigentlichen Strippenzieher des Nordhäuser Politzirkus zur Rede zu stellen...
Vor rund einem Jahr war es der nnz gelungen, die lokale Vertretung der Partei "Die Partei" für ein ausführliches Interview zu gewinnen. Diesen phänomenalen Scoop konnten wir nun wiederholen. Im großen nnz-Sommerinterview sprechen wir mit Katja Staffehl, Heiko Thiele und Björn Carli, dem Nordhäuser Dreiergespann der PARTEI, über Tourismus, Arbeits- und Gesundheitspolitik, Haushaltskonsolidierung und über ihre Visionen für die Zukunft.
nnz: Es ist gut ein Jahr her, das wir zuletzt das Vergnügen hatten mit ihnen sprechen zu dürfen. Wie ist es Ihnen und ihrer PARTEI derweil ergangen?
Staffehl: Wir waren viel unterwegs, haben uns mit anderen Parteimitgliedern ausgetauscht und viele kreative Ideen gesammelt. Einige konnten wir bereits umsetzen.
nnz: Was bitte haben Sie umgesetzt? Viel hat man von Ihnen nicht gehört.
Staffehl: Wir legen keinen besonderen Wert auf übermäßige Publicity. Das überlassen wir anderen. Wir agieren lieber aus dem Hintergrund heraus. Nehmen Sie etwa den jüngsten Bombenfund. Jemand hat sich also nach 70 Jahren daran erinnert, dass da irgendwo im Wald noch eine Bombe liegt? Ich bitte Sie. Fund wie auch Sprengung des Blindgängers bei Leimbach waren von uns eingefädelte Aktionen.
nnz: Aber warum sollte man das bitte tun? Es mussten zwei Dörfer evakuiert werden, insgesamt rund 1000 Menschen.
Thiele: Und darin lag letztlich der Sinn. Wir wollten mit der Aktion die Dorfgemeinschaften wieder enger zusammenschweißen, die Menschen einander wieder nahe bringen. Ein bisschen so wie damals im Luftschutzbunker. Mit dem Unterschied, dass man heute die extra zur Verfügung gestellten Turnhallen nutzen kann, eine wesentlich geräumigere Alternative. Das tut den Leuten gut, gerade für Singles und Verwitwete ist sowas eine tolle Chance.
Staffehl: Wer die Bürgerinnen und Bürger heutzutage bewegen will, der braucht radikale, aufsehenerregende Einfälle. Mit Knalleffekt. Sonst wird man gar nicht erst gehört. Und die Aktion war ein voller Erfolg. Tatsächlich planen wir ab jetzt jedes Jahr, einen alten Blindgänger im Landkreis zu verstecken. Wo genau wird vorher nicht verraten, dann ist die Überraschung größer.
nnz: Radikale Ideen verschiedenster Coleur sind in letzter Zeit häufiger zu beobachten. Zuletzt wurde bei unseren Nachbarn im Süden sogar über die Einführung eines Grundeinkommens abgestimmt. Wie steht die PARTEI zu solchen Ansätzen?
Carli: Wir sind für ein bedingungsloses Biereinkommen. Eine Gerstensaft-Flatrate, wenn man so will. Denn letztlich geht es doch darum, den Bürgerinnen und Bürgern ein menschenwürdigeres, ein glücklicheres Dasein zu ermöglichen und was könnte die Menschen hierzulande glücklicher machen als lebenslanges Freibier?
Staffehl: Außerdem setzen wir uns für die Einführung eines zweiten Samstages ein, eine Kernforderung unserer Familienpolitik. Desweiteren sollen die gesetzlichen Arbeitszeiten mindestens halbiert werden, das ist nicht nur dem allgemeinen Wohlbefinden förderlich, sondern setzt auch ganz neue Arbeitsplatzpotentiale frei.
Den Blick der Zukunft zugewandt: Katja Staffehl, Heiko Thiele und Björn Carli (Foto: Angelo Glashagel)
Den Blick der Zukunft zugewandt: Katja Staffehl, Heiko Thiele und Björn Carli
nnz: Sieht so ihre Wirtschaftspolitik aus?
Staffehl: Wir haben es nicht so mit Wirtschaft, wir stehen für Ordnung und Sauberkeit ein.
Thiele: Eine entsprechende Novellierung würde sich auch positiv auf die Senioren im Lande auswirken. Wenn wir die allgemeine Arbeitszeit verkürzen kann man gleich zwei, vielleicht sogar drei Jobs wahrnehmen, um die Rente aufzubessern. Das Problem der Altersarmut wäre gelöst.
nnz: Nun sind das vor allem bundespolitische Themen. Wo aber wollen Sie Lokalpolitik machen?
Carli: Im Promenadeneck. Das ist unser Lieblingslokal, da kann man bestens Politik machen.
nnz: Die Kommunen wie auch der Kreis befinden sich in schweren finanziellen Nöten. Herr Carli, als Schwarzgeldbeauftragter der Nordhäuser PARTEI haben sie Pläne wie man die Haushaltslage in den Griff bekommen kann?
Carli: Man muss es machen wie die Wohlhabenden unserer Gesellschaft: Steuervermeidung im großen Stil. Wir sind deswegen dafür, in der Stadtverwaltung ein neues Ressort für schwarze Kassen zu schaffen.
Staffehl: Refinanziert wird das Vorhaben durch Outsourcing der bestehenden Verwaltung. Wir bauen das Rathaus ab und errichten es im brandenburgischen neu. Dort hat man enorme Standortvorteile. Wir eröffnen so bisher ungeahnte Potentiale in der Haushaltskonsolidierung.
Thiele: In Sachen Tourismus schlagen wir vor, Nordhausens Status als Taucherparadies weiter auszubauen und den Erdfall in Nordhausen Salza entsprechend zu nutzen. Baggert man das Loch nur ein wenig aus, kann man hier Apnoe-Tauchen in einzigartiger Atmosphäre anbieten.
Staffehl: Desweiteren schlagen wir vor, ganz im Sinne unseres sozio-kulturellen Auftrags, die jährliche EVN Party ab kommenden Jahr auf das Seelano-Gelände zu verlegen. Einfache Bürger und regionale Elite werden so zusammengebracht und können miteinander in Kontakt treten. Diese Verschmelzung von Elitenförderung und Sozialraumpflege wäre bis dato einzigartig in Deutschland. Außerdem könnte man das Seelano-Gelände in "Nordhausen-Wandlitz" umbenennen, das hat mehr Prestige. Aber das ist bisher nur so eine Idee am Rande.
nnz: Und was machen sie mit dem frei werdenden Platz auf dem Rathaus?
Thiele: Sobald es die finanzielle Situation zulässt und unsere Konsolidierungsmaßnahmen Früchte tragen werden wir an dieser Stelle einen ordentlichen Wolkenkratzer errichten.
Staffehl: Dann bekommt Nordhausen endlich eine richtige Skyline. Über das Design haben wir uns bereits Gedanken gemacht, möglichst groß soll er sein, hübsch phallisch, und teuer. Das neue Wahrzeichen soll schließlich möglichst repräsentativ sein.
nnz: Das sind weitreichende Pläne. Wie kann man den Bürger bei derart umwälzenden Maßnahmen mitnehmen?
Staffehl: Das ist absolut richtig, aber auch kein Problem. Man muss die Bürger schon da abholen, wo sie stehen. Etwa bei öffentlichen Bushaltestellen, da kann man immer mal wen mitnehmen.
nnz: Werte Parteigenossen, wir danken Ihnen für das Gespräch.
Die Ehre des PARTEI-Sommerinterviews wurde zum wiederholtem Male Angelo Glashagel zuteil
Autor: redVor rund einem Jahr war es der nnz gelungen, die lokale Vertretung der Partei "Die Partei" für ein ausführliches Interview zu gewinnen. Diesen phänomenalen Scoop konnten wir nun wiederholen. Im großen nnz-Sommerinterview sprechen wir mit Katja Staffehl, Heiko Thiele und Björn Carli, dem Nordhäuser Dreiergespann der PARTEI, über Tourismus, Arbeits- und Gesundheitspolitik, Haushaltskonsolidierung und über ihre Visionen für die Zukunft.
nnz: Es ist gut ein Jahr her, das wir zuletzt das Vergnügen hatten mit ihnen sprechen zu dürfen. Wie ist es Ihnen und ihrer PARTEI derweil ergangen?
Staffehl: Wir waren viel unterwegs, haben uns mit anderen Parteimitgliedern ausgetauscht und viele kreative Ideen gesammelt. Einige konnten wir bereits umsetzen.
nnz: Was bitte haben Sie umgesetzt? Viel hat man von Ihnen nicht gehört.
Staffehl: Wir legen keinen besonderen Wert auf übermäßige Publicity. Das überlassen wir anderen. Wir agieren lieber aus dem Hintergrund heraus. Nehmen Sie etwa den jüngsten Bombenfund. Jemand hat sich also nach 70 Jahren daran erinnert, dass da irgendwo im Wald noch eine Bombe liegt? Ich bitte Sie. Fund wie auch Sprengung des Blindgängers bei Leimbach waren von uns eingefädelte Aktionen.
nnz: Aber warum sollte man das bitte tun? Es mussten zwei Dörfer evakuiert werden, insgesamt rund 1000 Menschen.
Thiele: Und darin lag letztlich der Sinn. Wir wollten mit der Aktion die Dorfgemeinschaften wieder enger zusammenschweißen, die Menschen einander wieder nahe bringen. Ein bisschen so wie damals im Luftschutzbunker. Mit dem Unterschied, dass man heute die extra zur Verfügung gestellten Turnhallen nutzen kann, eine wesentlich geräumigere Alternative. Das tut den Leuten gut, gerade für Singles und Verwitwete ist sowas eine tolle Chance.
Staffehl: Wer die Bürgerinnen und Bürger heutzutage bewegen will, der braucht radikale, aufsehenerregende Einfälle. Mit Knalleffekt. Sonst wird man gar nicht erst gehört. Und die Aktion war ein voller Erfolg. Tatsächlich planen wir ab jetzt jedes Jahr, einen alten Blindgänger im Landkreis zu verstecken. Wo genau wird vorher nicht verraten, dann ist die Überraschung größer.
nnz: Radikale Ideen verschiedenster Coleur sind in letzter Zeit häufiger zu beobachten. Zuletzt wurde bei unseren Nachbarn im Süden sogar über die Einführung eines Grundeinkommens abgestimmt. Wie steht die PARTEI zu solchen Ansätzen?
Carli: Wir sind für ein bedingungsloses Biereinkommen. Eine Gerstensaft-Flatrate, wenn man so will. Denn letztlich geht es doch darum, den Bürgerinnen und Bürgern ein menschenwürdigeres, ein glücklicheres Dasein zu ermöglichen und was könnte die Menschen hierzulande glücklicher machen als lebenslanges Freibier?
Staffehl: Außerdem setzen wir uns für die Einführung eines zweiten Samstages ein, eine Kernforderung unserer Familienpolitik. Desweiteren sollen die gesetzlichen Arbeitszeiten mindestens halbiert werden, das ist nicht nur dem allgemeinen Wohlbefinden förderlich, sondern setzt auch ganz neue Arbeitsplatzpotentiale frei.
Den Blick der Zukunft zugewandt: Katja Staffehl, Heiko Thiele und Björn Carli (Foto: Angelo Glashagel)
Den Blick der Zukunft zugewandt: Katja Staffehl, Heiko Thiele und Björn Carli
nnz: Sieht so ihre Wirtschaftspolitik aus?
Staffehl: Wir haben es nicht so mit Wirtschaft, wir stehen für Ordnung und Sauberkeit ein.
Thiele: Eine entsprechende Novellierung würde sich auch positiv auf die Senioren im Lande auswirken. Wenn wir die allgemeine Arbeitszeit verkürzen kann man gleich zwei, vielleicht sogar drei Jobs wahrnehmen, um die Rente aufzubessern. Das Problem der Altersarmut wäre gelöst.
nnz: Nun sind das vor allem bundespolitische Themen. Wo aber wollen Sie Lokalpolitik machen?
Carli: Im Promenadeneck. Das ist unser Lieblingslokal, da kann man bestens Politik machen.
nnz: Die Kommunen wie auch der Kreis befinden sich in schweren finanziellen Nöten. Herr Carli, als Schwarzgeldbeauftragter der Nordhäuser PARTEI haben sie Pläne wie man die Haushaltslage in den Griff bekommen kann?
Carli: Man muss es machen wie die Wohlhabenden unserer Gesellschaft: Steuervermeidung im großen Stil. Wir sind deswegen dafür, in der Stadtverwaltung ein neues Ressort für schwarze Kassen zu schaffen.
Staffehl: Refinanziert wird das Vorhaben durch Outsourcing der bestehenden Verwaltung. Wir bauen das Rathaus ab und errichten es im brandenburgischen neu. Dort hat man enorme Standortvorteile. Wir eröffnen so bisher ungeahnte Potentiale in der Haushaltskonsolidierung.
Thiele: In Sachen Tourismus schlagen wir vor, Nordhausens Status als Taucherparadies weiter auszubauen und den Erdfall in Nordhausen Salza entsprechend zu nutzen. Baggert man das Loch nur ein wenig aus, kann man hier Apnoe-Tauchen in einzigartiger Atmosphäre anbieten.
Staffehl: Desweiteren schlagen wir vor, ganz im Sinne unseres sozio-kulturellen Auftrags, die jährliche EVN Party ab kommenden Jahr auf das Seelano-Gelände zu verlegen. Einfache Bürger und regionale Elite werden so zusammengebracht und können miteinander in Kontakt treten. Diese Verschmelzung von Elitenförderung und Sozialraumpflege wäre bis dato einzigartig in Deutschland. Außerdem könnte man das Seelano-Gelände in "Nordhausen-Wandlitz" umbenennen, das hat mehr Prestige. Aber das ist bisher nur so eine Idee am Rande.
nnz: Und was machen sie mit dem frei werdenden Platz auf dem Rathaus?
Thiele: Sobald es die finanzielle Situation zulässt und unsere Konsolidierungsmaßnahmen Früchte tragen werden wir an dieser Stelle einen ordentlichen Wolkenkratzer errichten.
Staffehl: Dann bekommt Nordhausen endlich eine richtige Skyline. Über das Design haben wir uns bereits Gedanken gemacht, möglichst groß soll er sein, hübsch phallisch, und teuer. Das neue Wahrzeichen soll schließlich möglichst repräsentativ sein.
nnz: Das sind weitreichende Pläne. Wie kann man den Bürger bei derart umwälzenden Maßnahmen mitnehmen?
Staffehl: Das ist absolut richtig, aber auch kein Problem. Man muss die Bürger schon da abholen, wo sie stehen. Etwa bei öffentlichen Bushaltestellen, da kann man immer mal wen mitnehmen.
nnz: Werte Parteigenossen, wir danken Ihnen für das Gespräch.
Die Ehre des PARTEI-Sommerinterviews wurde zum wiederholtem Male Angelo Glashagel zuteil

