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DGB-KREISVERBAND GAB JAHRESEMPFANG

Gaumenfreuden zum Abschluss

Mittwoch, 22. Juni 2016, 10:15 Uhr
Der DGB-Kreisverband gab gestern seinen Jahresempfang. In den Rolandstuben. Ab 18 Uhr. Gemessen am Altersdurchschnitt der Teilnehmer, glich er eher einer Seniorenzusammenkunft, meint Kurt Frank...

Nordhausen. Einige Plätze im Saal blieben leer. Vielleicht lag das am König Fußball. Hatten doch zur gleichen Zeit die deutschen Kicker ihren Start. Hörgenuss zu Beginn: Kinder der Kreismusikschule leiteten die Veranstaltung musikalisch ein. Herzlichen Beifall für das, was sie boten. Dann stellte sich Susann Weber vor, die auch eingeladen hatte.

Weber ist 31 Jahre alt, kommt aus dem Kyffhäuserkreis und ist Gewerkschaftssekretärin für Nordthüringen. Außerdem als ehrenamtliche Bürgermeisterin in Oberheldrungen tätig. Dafür gab es schon mal Applaus.

Hauptredner, nicht überlang, des Abends war Sandro Witt von der DGB Landesvertretung Thüringen und stellvertretender Bezirksleiter Hessen/Thüringen. Zunächst erweckte sein Haarschnitt Aufmerksamkeit. Ein „Olaseku“-Styling? Es steht für kurze Seiten, nur das Deckhaar bleibt. Was er zu sagen hatte, machte Sinn.

Die Zahl 8,3 Billionen Euro erwähnte er mehrmals. Allein in den letzten drei Jahren sei das Vermögen um 1,4 Billionen Euro gewachsen. Es lagere auf Privatkonten. Wie die Made im Speck lebten wir Normalbürger dennoch nicht. Diese enormen Summen konzentrierten sich in den Händen weniger: Milliardäre, Konzerne. Auf der anderen Seite Niedriglöhne, kein Geld für bestimmte Projekte, Sparmaßnahmen, Suppenküchen.

Reichtum sei politisch geschützt. Man könne diesen Leuten, ist aus diesen Kreisen zu hören, doch nichts wegnehmen. Auch über die Landesregierung sang der Bezirksleiter keine Lobeshymne. Setzte sie sich vehement dafür ein, den Mindestlohn auf 10 Euro/Stunde anzuheben, wäre das ein erstrebenswertes landespolitisches Vorhaben, das der vollen gewerkschaftlichen Unterstützung sicher wäre.

Sandro Witt nannte Schwerpunkte der Gewerkschaftsarbeit: Tarifbindung und Mitbestimmung. Und kam auf Thüringens Wirtschaftsminister Wolfgang Tiefensee zu sprechen. Mit Worten sei der Mann dafür. Bei Wortblasen wäre es bislang, leider, geblieben. Von einem SPD-Minister sei mehr zu erwarten.

Alsdann schlug Witt den Bogen vom landesweiten Streik in Frankreich bis nach Großbritannien, wo eine wichtige Entscheidung über den Verbleibt in der EU anstehe. Den Mörder der Labour-Abgeordneten Jo Cox, die sich vehement für einen Verbleib des Landes einsetzte, nannte er einen Neonazi. Das sei erwiesen. Jetzt stelle man ihn, die Sache verharmlosend, als einen irren Einzeltäter dar.

Bürgermeisterin Jutta Krauth hatte sich noch rechtzeitig vor Eröffnung des Büfetts eingefunden. Da blieb für ein Grußwort keine Zeit mehr. Für Gaumenfreunden zum Abschluss hatte die Gewerkschaft indes nicht gespart.
Kurt Frank
Autor: red

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