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Kauf ohne jegliche Beschlüsse

Freitag, 13. Juli 2001, 12:31 Uhr
Windehausen (nnz). Die Köhlers sind Bauern in der dritten Generation in der Goldenen Aue. Jetzt soll Dieter Köhler enteignet werden. nnz berichtet.

Dieter Köhler ist Geschäftsführer der Agrarproduktion „Zorgeland“ GmbH in Windehausen. 961 Hektar bewirtschaften die Bauern. Guten Boden haben sie unter ihren Füßen und Maschinen, vor allem Kartoffeln können da angebaut werden. In den zurückliegenden Jahren mussten die Windehäuser schon mehrfach auf Anbaufläche für die Knollen verzichteten. Erst war es die immer fortschreitende Kiesgewinnung, später die Autobahn A 38, jetzt soll das in Planung befindliche Industriegebiet Ackerfläche schlucken.

Viel wurde in der zurückliegenden Zeit über das Für und Wider dieses Industriegebietes geschrieben. Einige Hindergründe sind bislang im Dunklen geblieben. So auch der Grundstückskauf des ehemaligen Bürgermeisters von Windehausen, Sauerland. 100.000 Mark soll er aus der Gemeindekasse für den Grundstücksankauf bezahlt haben, wissen die Macher der Bürgerinitiative. Ein Grundstückskauf ohne Information oder gar Beschluß des damaligen Gemeinderates. Das soll - nach einiger Zeit - auch die Kommunalaufsicht des Landkreises Nordhausen aufgespürt haben. Die Gemeinderäte von Windehausen haben Sauerland in diesem Punkt nicht entlastet. Und dann ist da noch die Sache mit den Vollmachten. Die sollen sich Sauerland und der damalige Bürgermeister von Urbach, Wernecke, ausstellen haben lassen.

Beide - Wernecke und Sauerland - hatten auch die erste Idee zu einem Industriegebiet, damals noch bescheidene 37 Hektar groß. Da hatten sie sich Vollmachten von den Grundstücksbesitzern eingeholt. 7,50 Mark sollte der Quadratmeter kosten. Später wiederholte dann die Landesentwicklungsgesellschaft (LEG) das Vollmachtenprozedere. Das LEG-Angebot soll nach nnz-Informationen bei 6 Mark gelegen haben. Dies galt jedoch schon für das „erweiterte“ Gebiet von 105 Hektar. Dieter Köhler ist sich sicher, dass rund ein Drittel aller Grundstücksbesitzer nicht verkaufen werden. In einem Gespräch in Erfurt soll ihm gesagt worden sein, dass als letztes staatliches Instrument die Enteignung anstehen würde. Das verschlug dem Landwirt dann doch schon ein wenig die Sprache. „Das, was die Nazis und die SED nicht geschafft hatten, das soll jetzt vollzogen werden. Dagegen werden wir in der Goldenen Aue kämpfen“, so Köhler abschließend.
Autor: nnz

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