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Kaum Abwechslung

Mittwoch, 30. Juni 2004, 07:25 Uhr
Nordhausen (nnz). Wir haben gewählt. Nun kann für die nächsten fünf Jahre wieder kommunale Politik gemacht werden. Die nnz hat sich jedoch die Listen des neuen Kreistags und des Nordhäuser Stadtrats genauer angesehen.


Auf den ersten Blick fällt auf: Es gibt in den Fraktionen kaum personelle Veränderungen. Allein diese Feststellung hat zwei Seiten. Zum einen können die Macher in den Fraktionen wieder auf ein eingespieltes Team zurückgreifen, zum anderen kommen dadurch auch kaum neue Ideen oder Anregungen ins Spiel.

Doch es gibt schon einige Namen, die betrachtet werden sollten. Da taucht ein Name in der CDU-Stadtratsfraktion auf, der bisher nur CDU-Mitgliedern ein Begriff war. Michael Rheinländer, seines Zeichens Nordhäuser Parteichef der Christdemokraten. In der Öffentlichkeit gab es von Rheinländer kaum ein „Lebenszeichen“ und vermutlich hat ihm sein guter Platz auf der Liste zu den beachtlichen 1.203 Stimmen verholfen.

Auch in der SPD wartet man vergeblich auf viele neue Gesichter. Lediglich Dr. Max Schönfelder hat es geschafft, sich bei den Genossen reinzudrängeln. Beinahe vergessen hätten wir Manfred Breitrück, der nun auch den Stadtrat mit seinen Vorstellungen von sozialdemokratischer Politik bereichern wird. Auch hier mag der Listenplatz den Ausschlag gegeben haben. Die Liste wird sich noch ein wenig verändern. Es ist kaum anzunehmen, dass Barbara Rinke (SPD) ihren OB-Job aufgeben wird, also wird Reiner Schumann nachrücken.

Richtig interessant ist es da noch bei der PDS. Die hat mit Sarina Panke und Sebastian Drechsler zwei neue und zugleich auch zwei extra-junge Leute in ihren Reihen etabliert. Das ist gut so, auch in der kommunalen Politik kann man sein Handwerk mit jungen Jahren lernen. Es muß nicht immer 50plus zum Einstieg sein. Und dann taucht da noch ein Name auf, der fünf Jahre lang abstinent war: Detlef Kiel. Er war bis 1999 der Frontmann der Sozialisten und wird auch im neuen Stadtrat für Sachlichkeit und Qualität bürgen.

Ganz neu sind hingegen Martin Höfer und Claus-Peter Rossberg. Sie haben es mit der FDP geschafft. Vor allem auf den Auftritt von Martin Höfer warten viele Kenner der Szene schon jetzt. Einige in den Stadtratsreihen kennen den Ungestümen als Fraktionsvorsitzenden der CDU und dann Abtrünnigen aus der ersten Legislatur.

Die Liberalen haben es auch wieder – nach fünfjähriger Pause – in den Nordhäuser Kreistag geschafft. Auch hier ist Rossberg mit von der Partie, begleitet wird er von Franka Hitzing und Klaus-Dieter Drick. Diese Mischung ist nicht schlecht, vor allem weil Drick bereits über genügend kommunaler Polit-Erfahrung im Kreistag verfügt.

Bei der PDS gibt es viele neue Gesichter. Das ist aber nicht dem Drang der PDS-Wähler nach Veränderung geschuldet, sondern der Tatsache, dass die Sozialisten vier Mandate hinzugewonnen haben. Und so gibt es auch vier neue Namen. Dagegen haben sich die Reihen der SPD gelichtet. Fünf mal Verzicht heißt Abschied nehmen von Doris Apel bis Dr. Seichter.

Bleibt noch die CDU-Kreistagsfraktion. Die musste gegenüber dem zurückliegenden Kreistag einen Sitz abgeben und kann auf eine eingespielte Mannschaft zurückgreifen. Erwähnenswert ist hier der erneute Einzug des parteilosen Jürgen Hohberg. Der Bürgermeister aus Sollstedt hatte nicht nur die Fraktion der CDU gestärkt, sondern war mit seinem Engagement eine echte Bereicherung dieses kommunalen Gremiums. Insofern hat Kontinuität doch einen positiven Effekt.

Und trotzdem: Viele Gesichter im Stadtrat und im Kreistag tauchen nun schon seit 1990 auf. Vielleicht wäre es nicht schlecht, über einen Abschied aus der kommunalen Politik nachzudenken. Fünf Jahre Zeit bleiben Zeit.
Autor: nnz

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