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Großer Auflauf beim Handwerkertreffen

Mittwoch, 11. Juli 2001, 17:13 Uhr
Rudolstadt (nnz). The same procedure as last year? - The same procedure as every year! Wenn am Freitagabend die Blechlawinen mit Rudolstädter Kennzeichen fluchtartig aus der Stadt drängen und auf der Gegenspur die Legionen von Folkies in die Stadt am Fuße der Heidecksburg einfallen, dann ist es wieder so weit: das alljährliche Tanz & FolkFest beginnt.


Die rührigen Veranstalter lassen nichts unversucht, das illustre Völkchen Folk-Begeisterter für wenigstens fünfzig Stunden würdig und ansprechend zu unterhalten (...as every year!). Fantastische, berühmte, begnadete und exotische Künstler zu Hauf und überall verteilt (...as every year!). Beste Organisation, übersichtliches line up, Auswahlmöglichkeiten ohne Ende für den Besucher (...as every year!). Alles stimmt, alle sind froh und begeistert, nur ein Faktor lässt sich absolut nicht planen (...as last year?).

Nein, das Wetter macht jedes Jahr, was es will. In 2001 bot es einen krassen Mix, zog die extremsten Register. Wurde den Festivalgästen am Freitag und Samstag von ihren überhitzten Gehirnen noch vorgegaukelt, am Güntherbrunnen ständen Palmen, in denen sich kleine Äffchen mit Kokosnüssen bewerfen, so musste man am späten Samstagabend nach ergiebigen Wolkenbrüchen mit Flusskrebsen und anderem schwimmfähigen Getier ums Terrain streiten. Der Stimmung tut so etwas selbstverständlich keinen Abbruch und die überdachten Veranstaltungen sind übermäßig frequentiert.

Aus dem Programm einzelne Konzerte herauszupicken und zu Highlights zu erklären, wäre in höchstem Grade ungerecht, da der Besucher wie der Rezensent nicht die Chance hat, alles zu sehen und miteinander zu vergleichen. Was auch gar nicht ginge. Auffällig waren die vielen bayrischen Schuhplattler-Buam im Städtchen und die sonnengebräunten Kariben. Ungewöhnlich oft wurde Klarinette gespielt. Und genau so wollten es die Macher, denn Bayern, die Kleinen Antillen und besagte Klarinette waren die Schwerpunkte des Festivals.

Abschließend noch ein Satz zur Eröffnung. Das Sonderkonzert am Donnerstagabend hielt alles, was es mit der „Silberhochzeit“ der Folkszenen aus Ost- u. Westdeutschland versprochen hatte. Die Herren Beckert und Venske führten locker durchs Programm, die zu befürchtende Peinlichkeit der Selbstbeweihräucherung blieb aus und alle hatten ihren Spaß. Sowohl der gesamtdeutsche Mix auf der Bühne, als auch der davor. Es mutet schon ein wenig paradox an, wenn aus tausenden Kehlen gesungen wird: „Denn unser Handwerk das ist verdorben, die besten Saufbrüder sind gestorben. Es lebet keiner mehr als ich und du.“ Aber kleine Übertreibungen ordentlich vorgetragen werden leicht verziehen.

Wenn unsere Gesellschaft im gegenseitigen Verstehen und Akzeptzieren überall so weit wäre, wie in der Folkszene, dann gäbe es keine Vorbehalte mehr gegen die „von drüben“ und wir wären einen großen Schritt weiter.
Autor: osch

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