Antisemitismus im 21. Jahrhundert
Verbindendes Element des Extremismus
Freitag, 03. Juni 2016, 10:20 Uhr
Die extremen Ränder rechts und links oder in der Religion bringt eigentlich so schnell nichts zusammen. Außer Antisemitismus, hieß es gestern im Lesesaal der Bibliothek. Die Konrad-Adenauer Stiftung hatte zum Vortrag über neue Formen des Judenhasses im 21. Jahrhundert geladen...
Der maßgebliche Faktor bei Übergriffen, Propagandadelikten und anderen Straftaten mit antisemitischen Hintergrund sei immer noch der Rechtsextremismus, sagte Referent Levi Salomon, aber auch im linken und vor allem im islamistischen Spektrum seien antisemitische Tendenzen immer wieder zu beobachten.
Salomon kam 1991 aus der ehemaligen Sowjetunion nach Deutschland, ist Regisseur, hat als Kulturwissenschaftler an der Humboldt-Universität zu Berlin gearbeitet und ist für das "Jüdische Forum für Demokratie und gegen Antisemitismus" tätig. In den Reihen des Forums gibt es auch einige Journalisten, die Demonstrationen verschiedener Gruppierungen dokumentieren und begleiten.
Immer wieder zeigt Levi Salomon am Abend Videoausschnitte, die wenig Raum für Zweifel lassen. Da wird vom "zionistischen Finanzkapitalismus" schwadroniert, welcher "das deutsche Volk mit Gewalt töten will", von Juden als Völkermörder, die natürlich in Amerika allein die Strippen ziehen. "Israel ist ein Krebsgeschwür, die Ursache für alles Übel auf der Welt" - Worte die so auf einer "Al Quds" Demonstration im Berlin des 21. Jahrhunderts gefallen sind.
Man beobachte verschiedene Organisationen, erklärt Salomon, vor allem aus der "Neuen Rechten" - NPD, Europäische Aktion, Pegida, die AfD und andere. Hauptantrieb für antisemitische Tendenzen sei hier immer noch ein völkischer Rassismus - man spricht unter anderem vom Weltjudentum, das die europäischen Völker ihrer Identität berauben und vernichten wolle. An den Rändern des linken politischen Spektrums bediene man sich antisemitischer Stereotype vor allem dann, wenn es um den Kampf für Palästina oder gegen den Kapitalismus als solchen geht. Die Rothschilds, eine Bankiersfamilie voller "Soziopathen", habe es sich zum Ziel gesetzt, die Welt zu unterjochen, heißt es da unter anderem. Antijüdische Ressentiments im islamistischen Bereich gründen vor allem auf dem Arabisch-Israelischen Konflikt. "Kindermörder Israel", "Lang lebe die Hamas, lang leben die Kassam Brigaden", "Judenfeigling" - auch das kann man auf Demonstrationen hierzulande hören.
Die Parallelen zur Propaganda des dritten Reiches, die letztlich im Holocaust endete, sind offensichtlich. In Wort und Bild. Wo aber verläuft die Grenze zwischen Antisemitismus, Antizionismus und berechtigter Kritik. "Israel ist ein Land wie jedes andere", sagt Salomon, man müsse dieselben Maßstäbe anlegen, wie bei anderen Ländern auch. Kritik höre da auf, wo die Entmenschlichung beginne, wo dämonisiert, delegitimiert und denunziert werde.
Und Gründe zur Kritik gibt es mit Hinblick auf den Nahost-Konflikt, auf allen Seiten, genug. "Es gibt inzwischen Generationen, die Leben von diesem Konflikt", erklärt Salomon seine Sicht der Dinge, "sobald es eine Inititative zur Lösung gibt, wird sie von verschiedenen Gruppen wieder zunichte gemacht".
Antisemitismus ist auch im 21. Jahrhundert noch verbreitet und nicht allein ein deutsches Phänomen. Die "gute" Nachricht ist wohl am ehesten, das sich der offene Judenhass tatsächlich vor allem am Rand der Gesellschaft, weniger in der Mitte zu suchen ist. Weiter gefasster Rassismus, Menschenfeindlichkeit, faschistoide und totalitäre Überzeugungen aber finden sich zunehmend auch in der Mitte der Gesellschaft. Letztlich geht das eine mit dem anderen Hand in Hand.
Angelo Glashagel
Autor: redDer maßgebliche Faktor bei Übergriffen, Propagandadelikten und anderen Straftaten mit antisemitischen Hintergrund sei immer noch der Rechtsextremismus, sagte Referent Levi Salomon, aber auch im linken und vor allem im islamistischen Spektrum seien antisemitische Tendenzen immer wieder zu beobachten.
Salomon kam 1991 aus der ehemaligen Sowjetunion nach Deutschland, ist Regisseur, hat als Kulturwissenschaftler an der Humboldt-Universität zu Berlin gearbeitet und ist für das "Jüdische Forum für Demokratie und gegen Antisemitismus" tätig. In den Reihen des Forums gibt es auch einige Journalisten, die Demonstrationen verschiedener Gruppierungen dokumentieren und begleiten.
Immer wieder zeigt Levi Salomon am Abend Videoausschnitte, die wenig Raum für Zweifel lassen. Da wird vom "zionistischen Finanzkapitalismus" schwadroniert, welcher "das deutsche Volk mit Gewalt töten will", von Juden als Völkermörder, die natürlich in Amerika allein die Strippen ziehen. "Israel ist ein Krebsgeschwür, die Ursache für alles Übel auf der Welt" - Worte die so auf einer "Al Quds" Demonstration im Berlin des 21. Jahrhunderts gefallen sind.
Man beobachte verschiedene Organisationen, erklärt Salomon, vor allem aus der "Neuen Rechten" - NPD, Europäische Aktion, Pegida, die AfD und andere. Hauptantrieb für antisemitische Tendenzen sei hier immer noch ein völkischer Rassismus - man spricht unter anderem vom Weltjudentum, das die europäischen Völker ihrer Identität berauben und vernichten wolle. An den Rändern des linken politischen Spektrums bediene man sich antisemitischer Stereotype vor allem dann, wenn es um den Kampf für Palästina oder gegen den Kapitalismus als solchen geht. Die Rothschilds, eine Bankiersfamilie voller "Soziopathen", habe es sich zum Ziel gesetzt, die Welt zu unterjochen, heißt es da unter anderem. Antijüdische Ressentiments im islamistischen Bereich gründen vor allem auf dem Arabisch-Israelischen Konflikt. "Kindermörder Israel", "Lang lebe die Hamas, lang leben die Kassam Brigaden", "Judenfeigling" - auch das kann man auf Demonstrationen hierzulande hören.
Die Parallelen zur Propaganda des dritten Reiches, die letztlich im Holocaust endete, sind offensichtlich. In Wort und Bild. Wo aber verläuft die Grenze zwischen Antisemitismus, Antizionismus und berechtigter Kritik. "Israel ist ein Land wie jedes andere", sagt Salomon, man müsse dieselben Maßstäbe anlegen, wie bei anderen Ländern auch. Kritik höre da auf, wo die Entmenschlichung beginne, wo dämonisiert, delegitimiert und denunziert werde.
Und Gründe zur Kritik gibt es mit Hinblick auf den Nahost-Konflikt, auf allen Seiten, genug. "Es gibt inzwischen Generationen, die Leben von diesem Konflikt", erklärt Salomon seine Sicht der Dinge, "sobald es eine Inititative zur Lösung gibt, wird sie von verschiedenen Gruppen wieder zunichte gemacht".
Antisemitismus ist auch im 21. Jahrhundert noch verbreitet und nicht allein ein deutsches Phänomen. Die "gute" Nachricht ist wohl am ehesten, das sich der offene Judenhass tatsächlich vor allem am Rand der Gesellschaft, weniger in der Mitte zu suchen ist. Weiter gefasster Rassismus, Menschenfeindlichkeit, faschistoide und totalitäre Überzeugungen aber finden sich zunehmend auch in der Mitte der Gesellschaft. Letztlich geht das eine mit dem anderen Hand in Hand.
Angelo Glashagel

