Seniorenwerk Asternhof erfüllt Herzenswunsch:
Wiedersehen zweier Brüder nach fast zwei Jahrzehnten
Samstag, 21. Mai 2016, 08:46 Uhr
Was ist Ihre größte Sorge in den nächsten Jahren? Worauf setzen Sie in Ihrem Leben? Gesellschaftsforscher nehmen Ängste und Hoffnungen der Menschen unter die Lupe und kommen in ihren Studien immer wieder auf den Status Quo zurück: Familie ist und bleibt das Wichtigste, ist Garant für Stabilität und Sicherheit...
Umso schwieriger, wenn zwischen der Familienbande einige tausend Kilometer liegen, um sich auszutauschen, sich zu sehen, Geburtstage oder Weihnachten miteinander zu verbringen oder einfach füreinander da zu sein. Was ersetzen hierbei im Verhältnis betrachtet Telefonate oder Briefe?
Udo (links) und Kurt Schwarz beim Plausch (Foto: privat)
Kurt Schwarz ist Bewohner im Seniorenwerk Asternhof und hat seinen seit Ende der 1940’er Jahre in Miami / Florida lebenden Bruder Udo Schwarz vielleicht nur 5 mal seit dessen Auswanderung gesehen – das letzte Mal vor gut 20 Jahren bei einem Besuch in den Staaten. Eine Idee im letzten Herbst, noch einmal eine Zeit mit seinem jüngeren Bruder in der Sonne Floridas zu verbringen, konnte zum Einen wegen stolzer 92 Jahre als auch aus gesundheitlichen Gründen nicht realisiert werden – natürlich blieb immer der Herzenswunsch, sich wieder zu sehen.
Ende 2015 erhielten beide Brüder eine Einladung aus den Gedenkstätten Buchenwald zum 71. Jahrestag der Befreiung und zur Eröffnung der neuen Dauerausstellung. Kurt und Udo Schwarz gehören zu den noch weltweit 44 lebenden Häftlingen des ehemaligen Konzentrationslagers und waren in Buchenwald, Auschwitz und Berga / Elster inhaftiert. Beide Brüder wollten der Einladung gern folgen. Es blieb immer ein kleines Bangen, ob der Udo aus Florida diese Reise auch antreten kann.
Und ja – so machte sich an einem Donnerstag Mitte April einer der Brüder in Begleitung eines Mitarbeiters aus dem Seniorenwerk Asternhof auf eine eher überschaubare und der andere auf eine Weltreise. Freudig war das erste Wiedersehen, als sich beide im Hotel in Weimar in die Arme fielen und Udo’s erste Frage an seinen großen Bruder Kurt lautete: Do you remember?. Udo kam in Begleitung seiner Tochter Lydia und der Cousine Vera aus Kalifornien, deren Wurzeln großelterlicherseits in der Familie Kaufmann aus dem benachbarten Sülzhayn liegen – wie klein ist doch die Welt.
Am Freitag wurde die Zeit ausgiebig für Gespräche genutzt, denn es gab natürlich Unmengen an Stoff und Themen aus vielen, vielen Jahren, dem Leben von drei Familien zu berichten, Bilder auszutauschen, in Erinnerungen zu schwelgen und über Lausbubenstreiche herzhaft zu lachen – immer mit der Frage von Udo Schwarz an seinen Bruder Kurt: Do you remember?. So verging die Zeit in diesen regen Gesprächen viel zu schnell.
Am Abend hatten die Gedenkstätten Buchenwald zum Dinner im Hotel eingeladen und alle ehemaligen Häftlinge wurden in diesem Rahmen offiziell begrüßt. Am darauffolgenden Samstag machte die Familie in Weimar ein kleines Sightseeing und anschließend hatten die Amerikaner Riesenappetit auf deutschen Käsekuchen. In einem gemütlichen Kaffee in der Schillerstraße in Weimar fand man ein lauschiges Plätzchen und eine gute Tasse Kaffee dazu.
Sonntag folgte die Familie dann der Einladung zur feierlichen Eröffnung der Dauerausstellung im ehemaligen Konzentrationslager. Sehr emotional waren für Kurt und Udo Schwarz die bewegenden Worte in den Reden ihrer ehemaligen Mithäftlinge und Udo fragte Kurt: Do you remenber?. Nach einer Kranzniederlegung am Ehrenmal, der Besichtigung der Dauerausstellung und des Geländes der Gedenkstätten, fuhr die Familie wieder ins Hotel zurück. Die verbleibende Zeit wurde intensiv für Gespräche genutzt, denn am nächsten Morgen hieß es für beide Brüder leider schon wieder Abschied nehmen.
Und so war es dann auch am Montagmorgen… Mit einem lachenden und einem weinenden Auge verabschiedeten sich Kurt und Udo Schwarz und niemand weiß, ob sie sich noch einmal wieder sehen können. Aber wir wissen ganz bestimmt, dass es schön war, dass sich beide Brüder wiedersehen konnten, die 4 Tage intensiv für sich nutzen konnten und der Udo beim nächsten Telefonat seinen kleinen Bruder wieder fragen wird: Do you remember?
Kathleen Höhne, Einrichtungsleitung Seniorenwerk Asternhof
Autor: psgUmso schwieriger, wenn zwischen der Familienbande einige tausend Kilometer liegen, um sich auszutauschen, sich zu sehen, Geburtstage oder Weihnachten miteinander zu verbringen oder einfach füreinander da zu sein. Was ersetzen hierbei im Verhältnis betrachtet Telefonate oder Briefe?
Udo (links) und Kurt Schwarz beim Plausch (Foto: privat)
Kurt Schwarz ist Bewohner im Seniorenwerk Asternhof und hat seinen seit Ende der 1940’er Jahre in Miami / Florida lebenden Bruder Udo Schwarz vielleicht nur 5 mal seit dessen Auswanderung gesehen – das letzte Mal vor gut 20 Jahren bei einem Besuch in den Staaten. Eine Idee im letzten Herbst, noch einmal eine Zeit mit seinem jüngeren Bruder in der Sonne Floridas zu verbringen, konnte zum Einen wegen stolzer 92 Jahre als auch aus gesundheitlichen Gründen nicht realisiert werden – natürlich blieb immer der Herzenswunsch, sich wieder zu sehen.
Ende 2015 erhielten beide Brüder eine Einladung aus den Gedenkstätten Buchenwald zum 71. Jahrestag der Befreiung und zur Eröffnung der neuen Dauerausstellung. Kurt und Udo Schwarz gehören zu den noch weltweit 44 lebenden Häftlingen des ehemaligen Konzentrationslagers und waren in Buchenwald, Auschwitz und Berga / Elster inhaftiert. Beide Brüder wollten der Einladung gern folgen. Es blieb immer ein kleines Bangen, ob der Udo aus Florida diese Reise auch antreten kann.
Und ja – so machte sich an einem Donnerstag Mitte April einer der Brüder in Begleitung eines Mitarbeiters aus dem Seniorenwerk Asternhof auf eine eher überschaubare und der andere auf eine Weltreise. Freudig war das erste Wiedersehen, als sich beide im Hotel in Weimar in die Arme fielen und Udo’s erste Frage an seinen großen Bruder Kurt lautete: Do you remember?. Udo kam in Begleitung seiner Tochter Lydia und der Cousine Vera aus Kalifornien, deren Wurzeln großelterlicherseits in der Familie Kaufmann aus dem benachbarten Sülzhayn liegen – wie klein ist doch die Welt.
Am Freitag wurde die Zeit ausgiebig für Gespräche genutzt, denn es gab natürlich Unmengen an Stoff und Themen aus vielen, vielen Jahren, dem Leben von drei Familien zu berichten, Bilder auszutauschen, in Erinnerungen zu schwelgen und über Lausbubenstreiche herzhaft zu lachen – immer mit der Frage von Udo Schwarz an seinen Bruder Kurt: Do you remember?. So verging die Zeit in diesen regen Gesprächen viel zu schnell.
Am Abend hatten die Gedenkstätten Buchenwald zum Dinner im Hotel eingeladen und alle ehemaligen Häftlinge wurden in diesem Rahmen offiziell begrüßt. Am darauffolgenden Samstag machte die Familie in Weimar ein kleines Sightseeing und anschließend hatten die Amerikaner Riesenappetit auf deutschen Käsekuchen. In einem gemütlichen Kaffee in der Schillerstraße in Weimar fand man ein lauschiges Plätzchen und eine gute Tasse Kaffee dazu.
Sonntag folgte die Familie dann der Einladung zur feierlichen Eröffnung der Dauerausstellung im ehemaligen Konzentrationslager. Sehr emotional waren für Kurt und Udo Schwarz die bewegenden Worte in den Reden ihrer ehemaligen Mithäftlinge und Udo fragte Kurt: Do you remenber?. Nach einer Kranzniederlegung am Ehrenmal, der Besichtigung der Dauerausstellung und des Geländes der Gedenkstätten, fuhr die Familie wieder ins Hotel zurück. Die verbleibende Zeit wurde intensiv für Gespräche genutzt, denn am nächsten Morgen hieß es für beide Brüder leider schon wieder Abschied nehmen.
Und so war es dann auch am Montagmorgen… Mit einem lachenden und einem weinenden Auge verabschiedeten sich Kurt und Udo Schwarz und niemand weiß, ob sie sich noch einmal wieder sehen können. Aber wir wissen ganz bestimmt, dass es schön war, dass sich beide Brüder wiedersehen konnten, die 4 Tage intensiv für sich nutzen konnten und der Udo beim nächsten Telefonat seinen kleinen Bruder wieder fragen wird: Do you remember?
Kathleen Höhne, Einrichtungsleitung Seniorenwerk Asternhof
